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Sommer-Fashion von Berliner Designern

Blame_SS13_Look_14Wenn der lange Berliner Winter endlich vorbei ist, freuen sich die Hauptstädter, ihre Strickpullover-Mantel-Uniform in die Schränke zu packen und die bunten Klamotten auszuführen. Und die Berliner Designer sind da ganz ihrer Meinung. Es wird bunt und blumig, fast schon tropisch. So zum Beispiel bei Raphael Hauber. Auf seinen Stücken tummelt sich eine ganze Horde von exotischen Vögeln. Auf mintgrünen und gelben Hemden und Shorts picken Pagageien, auf tiefviolettem Hintergrund staksen lachspinke Flamingos. Schlechte Laune ist fast unmöglich bei dieser Farbenpracht, und genau das war auch die Intention des Berliner Designers: „Die Kollektion spielt mit dem Gedanken von einem Leben im Paradies„, erzählt Hauber, der den Zeitpunkt für die Positiv-Offensive bewusst gewählt hat: „Ich sehe die Kollektion als eine ironische Auseinandersetzung mit dem Thema Paradies und als Statement zu einer Zeit, in der viel Angst und Unsicherheit herrscht – Eurokrise, Terror und ein vermeintlicher Weltuntergang 2012. Die Menschen haben wieder Lust, sich mit schönen und positiven Dingen zu beschäftigen.“

10Das funktioniert ziemlich gut, vor allem deshalb, weil Hauber seine Stücke nicht überfrachtet. Die Muster mögen auf den ersten Blick ziemlich wild aussehen, dafür sind die Schnitte der Klamotten fast klassisch. Das macht das Ganze auch im Alltag tragbar. So sieht das auch der Designer: „Das ist Teil meines Konzeptes, zeitlosen und klassischen Teilen wie Bomberjacken, Jeans, Hemden und T-Shirts einen neuen Look zu verpassen. Dies geschieht durch bestimmte Eingriffe: Veränderungen an der Form, Details, Stoffauswahl oder eben mit Prints.“ Im Lookbook kann man sich schon mal anschauen, wie es aussieht, wenn man sich von Kopf bis Fuß in Hauber-Prints hüllt. „Teilweise funktionieren die bedruckten Teile super im Mustermix! Die Kombination bleibt aber natürlich jedem selbst überlassen“, grinst der Designer. Gemustert geht es in diesem Sommer auch bei Blame zu. Hier sind aber nicht Vögel, sondern Blumen das Hauptthema. Über Kleider, Blusen und Tücher zieht sich ein Blumenmuster, das fast wie gemalt wirkt, aber auch eine starke grafische Anmutung hat. „Stimmt, das liegt daran, dass wir die Blumen teilweise sehr hart beschnitten haben“, erklärt Sarah Büren, die eine Hälfte des Designduos.

„Wir haben die einzelnen Teile des Blumenmusters ausgeschnitten und auf die Klamotten gelegt.“ Tatsächlich haben Büren und Sonja Hodzode, die zweite im Bunde, die Blumen sogar für jedes einzelne Stück neu auf dem Stoff angeordnet, so ist jedes Teil ein Unikat. Die Kollektion trägt den Titel „Five o’clock tea at Kew Gardens“, benannt nach ebenjenen Kew-Gärten in London. „Das sind wunderschöne Gewächshäuser, teilweise auch mit tropischen Temperaturen“, erzählt Büren. „In London habe ich vor Blame gearbeitet, und immer wenn der Wahnsinn der Fashion Week vorbei war, bin ich in die Kew Gardens gegangen, um wieder runterzukommen.“ Die Designerinnen stellten sich junge Mädchen vor, die sich in den Gärten zum klassischen Fünf-Uhr-Tee treffen und dabei „mit so trutschigem Teegeschirr auf verschnörkelten kleinen Stühlchen sitzen“, wie Büren lachend erzählt.

Raphael_HauberBlame haben in der Kollektion übrigens nicht nur bunte und blumige Stücke, sondern auch Kleider in reinem Weiß. Die Nicht-Farbe ist in diesem Sommer ein weiterer Trend, und zwar nicht nur als kleines Element, sondern am liebsten von Kopf bis Fuß. Bei Blame bestehen die weißen Kleider aus einer Art Stretch-Spitze. Damit das nicht zu romantisch wirkt, haben die Designerinnen hier besonders auf trendige For-men geachtet. Schwarze Einfassungen am Kragen oder Saum verleihen den Stücken ebenfalls einen moderneren, kühleren Look. „Bei Weiß muss man einfach aufpassen. Das kann man ganz gut an Schuhen verdeutlichen, weiße Sneakers sind super, weiße Pumps dagegen sehen schnell aus wie Hochzeit. Genauso ist das eben mit einem weißen Kleid. Wir versuchen bei Weiß immer zu erreichen, dass es ein bisschen sportlich aussieht“, erklärt Büren.

Andere Berliner Modemacher arbeiten in diesem Sommer ebenfalls mit Weiß. In Malaika Raiss’ Kollektion „A bigger splash“ strahlen weiße Jersey-und Chiffonkleider um die Wette. Malaikas Tipp für weiße Outfits? „Man sollte das Weiß immer mit einem farbigen Akzent aufbrechen. Das kann Schmuck sein, eine kleine Handtasche oder Schuhe.“ Zu einem weißen Tunika kleid würde die Designerin zum Beispiel eine ihrer Clutches in Dunkelgrün oder Silber kombinieren. Auch ein schöner Kontrast zur weißen Bluse: Shorts in leuchtendem Türkis oder „swimmingpool blue“, wie es bei Malaika Raiss heißt. Dieses leuchtende Blau stammt aus dem Bild „A bigger splash“ von David Hockney, das die Designerin in einer Ausstellung im Martin-Gropius-Bau begeisterte und das der Kollektion ihren Namen gab. Dazu nennt Raiss das Hollywood der 60er und 70er Jahre als Inspiration, aber auch die 90er-Jahre-Serie Beverly Hills 2010.

17Dass eine Sommerkollektion keineswegs offensichtlich sommerlich aussehen muss und ohne helle Farben oder Blumenmuster auskommt, zeigt Ettina Berrios-Negrуn von Thone Negrуn. „No-gos interessieren mich eigentlich nicht so, oder besser: ich lasse mich davon nicht leiten. Ich habe gerade in dieser Kollektion viele Farben, die man auf den ersten Blick nicht in einer Sommerkollektion erwarten würde. Dunkelgrün, Streifenmuster in eher dunklen Farben, sogar Schwarz, obwohl ich eigentlich gar nicht viel mit Schwarz arbeite.“ Eine „Abendkollektion“ nennt sie die Kollektion, die dementsprechend etwas eleganter daherkommt. „Meist habe ich schon von Anfang an einen Arbeitstitel, der die Stimmung und Geschichte der Kollektion klassifiziert. Diesmal war Andromeda die Inspiration. Die griechische Antike ist ja oft düster. Das war auch die Grundstimmung der Kollektion“, erklärt Berrios-Negrуn. Die Geschichte von der Tochter, die für die Selbstverliebtheit ihrer Mutter an einem Felsen im Meer angekettet wird, ist in derTat düster, obwohl sie ein Happy-End hat. Am Ende werden Andromeda und ihre Eltern in ein Sternbild verwandelt, da schließt sich der Kreis zur „Abendkollektion“.

Wie die Verbindungslinien im gleichnamigen Sternbild wirken die Zickzackmuster und schräg gestreiften Stoffe, und die schrägen Linien finden sich auch in vielen kleinen Details der Kollektion wider: Eine Rückenschnürung lässt dreieckige Hautausschnitte frei, Drapйes laufen schräg an der Taille entlang. So unterschiedlich die Berliner Designer auch sind, mit den verschiedenen Stilen abendlichelegant, tropisch-bunt oder strahlend weiß ist wenigstens für jedes Wetter ein passendes Outfit dabei – egal wie der Sommer sonst wird.

Text: Annika Zieske

Fotos: Harling Darsell / Blame, Anna Rosa Krau / Thone Negro, Amos Fricke / Raphael Hauber, Sandra Semburg / Silk PR, Georg Roske / Tiedecken

MALAIKARAISS_SpSu2013_08_Fotocredit_SandraSemburgIn diesen Läden gibt es die schönsten Sommerklamotten von Berliner Designern:

A. D. Deertz – Die hier verkauften Musterteile und Kleinstserien von A. D. Deertz sorgen dafür, dass Berlins Männerwelt ein ganzes Stück besser gekleidet durch die Straßen flaniert.
Torstr. 106, Mitte, Tel. 91 20 66 30, www.addeertz.com, U-Bhf. Rosenthaler Platz, Mo-Sa 12-19 Uhr

Baerck Store – In dem schicken Store haben ziemlich viele skandinavische Labels ihre Übergangsheimat gefunden und warten auf kaufwütige Kunden. Dazwischen hängen auch einige potenzielle Lieblingsstücke von Berliner Designern, aktuell zum Beispiel von Reality Studio.
Mulackstr. 12, Mitte, Tel. 24 04 89 94, www.baerck.net, U-Bhf. Rosenthaler Platz, Mo-Sa 12-20 Uhr

C.Neeon – Bunt, Mustermix, oversized. Die Mode von C.Neeon ist unverwechselbar. In der Sommerkollektion finden sich Capes, Neonfarben und wilde Zickzackmuster.
Kastanienallee 55, Mitte, Tel. 42 10 54 79, www.cneeon.com, U-Bhf. Rosenthaler Platz, Di-Fr 12-20 Uhr, Sa 13-20 Uhr

F95 The Fashion Store at Station-Berlin – Am Gleisdreieck finden zur Fashion Week nicht nur die Modemessen Premium und
Seek statt, im F95 Store können Modebegeisterte das ganze Jahr Berliner Labels wie Lala Berlin, Blame und Mongrels in Common shoppen.
Luckenwalder Str. 4-6, Kreuzberg, Tel. 42 08 33 58, www.f95store.com, U-Bhf. Gleisdreieck, Mo-Fr 11-20 Uhr, Sa 11-18 Uhr

Kaviar Gauche – Heike Makatsch ist großer Fan der Kreationen des Berliner Duos und trägt sie regelmäßig auf dem roten Teppich. Im Laden kann sich jeder wie ein Star fühlen, besonders beliebt ist die Brautmode-Sektion.
Linienstr. 44, Mitte, Tel. 28 87 35 62, www.kaviargauche.com, U-Bhf. Rosa-Luxemburg-Platz, Mo-Sa 12-19 Uhr

Konk – Der kleine Laden in Mitte war wohl einer der ersten, in dem Berliner Design in Berlin verkauft wurde. Die Auswahl reicht von Anntian über Isabell De Hillerin bis Tiedeken.
Kleine Hamburger Straße 15, Mitte, Tel. 28 09 78 39, U-Bhf. Rosenthaler Platz, www.konk-berlin.de, Mo-Fr 12-19 Uhr, Sa 12-18 Uhr

Lala Berlin – Eines der erfolgreichsten Berliner Labels, und das aus gutem Grund. Im Sommer 2013 erwarten uns bei Lala zum Beispiel minimalistische Karo-Prints und Farbakzente in Orange.
Mulackstr. 7, Mitte, Tel. 25 76 29 24, www.lalaberlin.com, U-Bhf. Rosa-Luxemburg-Platz, Mo-Fr 11.30-19.30 Uhr, Sa 12-18 Uhr

Malaika Raiss bei Wald – Außer Malaika Raiss sind auch noch andere Berliner Designer vertreten, zum Beispiel Karlotta Wilde. Dazu gibt es Lieblinge aus Skandinavien, wie zum Beispiel Wackerhaus oder Henrik Vibskov.
Verkaufsadresse: Wald, Alte Schönhauser Straße 32c, Mitte, Tel. 60 05 11 64, www.malaikaraiss.com, www.wald-berlin.de, U-Bhf. Weinmeisterstraße, Mo-Sa 12-19 Uhr

Raphael Hauber bei Adrett – Neben Raphael Hauber findet man hier auch Klamotten von Esther Perbandt, Reality Studio und Franzius.
Verkaufsadresse: Adrett, Weinbergsweg 23, Mitte, 47 37 51 27, www.raphaelhauber.com, www.adrett-berlin.de, U-Bhf. Rosenthaler Platz, Mo-Sa 11-19 Uhr und nach Vereinbarung

Starstyling – Die Sommerkollektion trägt den schönen Namen Doodle und besticht mit neonfarbenen Farbspritzern, Streifenmustern und applizierten Kreuzen.
Mulackstraße 4, Mitte, www.starstyling.net, U-Bhf. Rosa-Luxemburg-Platz, Mo-Sa 12-19 Uhr

Thone Negrуn Salon – „Meine Lieblingselemente sind Farbe, Ethno-Einflüsse und Eleganz“, sagt Designerin Ettina Berrios-Negrуn über ihre Mode. Im Salon kann man sich nach Anmeldung auch persönlich von ihr beraten lassen.
Schröderstr. 13, Mitte, Tel. 53 16 11 16, www.thonenegron.com, U-Bhf. Rosenthaler Platz, Do+Fr 12-18 Uhr und nach Vereinbarung

Ulf Haines – Der vorherrschende Stil bei Ulf Haines: Elegant. Da dürfen neben internationalen Größen wie Helmut Lang oder
Pierre Hardy die Berliner Lieblinge von Perret Schaad natürlich nicht fehlen.
Women: Rosa-Luxemburg-Str. 9, Men: Rosa-Luxemburg-Strl. 24/26, Mitte, Tel. 74 78 65 77, www.ulfhaines.com, U-Bhf. Weinmeisterstraße, Mo-Fr 12-20 Uhr, Sa 12-19 Uhr

Voo – Hier hängen zum Beispiel Kreationen der Berliner Labels Hien Le und Reality Studio auf den Kleiderstangen. Nach dem Shoppen kann man sich im Cafй im Shop stärken.
Oranienstraße 24, Kreuzberg, Tel. 61 65 11 19, www.vooberlin.com, U-Bhf. Kottbusser Tor, Mo-Sa 11-20 Uhr

XXX Berlin – Wer sich durch den Hinterhof nach oben in den 3. Stock vorgearbeitet hat, findet hier eine Auswahl feinster avantgardistisch angehauchter Mode und Accessoires. Mit dabei ist zum Beispiel der Berliner Designer Vladimir Karaleev.
Skalitzer Str. 33, 3. OG, Kreuzberg, www.xxx-berlin.com, U-Bhf. Görlitzer Bahnhof, Mi, Do, Sa 12-19 Uhr, Fr 14-21 Uhr

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