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Der Pelz ist zurück in Berlin

PelzMan trägt Pelz bei der Eröffnung der Juergen-Teller-Ausstellung (Foto oben). Zur Mapplethorpe-Schau bei C/O.  In der S-Bahn. Und am Samstagnachmittag in der Kastanienallee. Eine junge Frau steht vor den Regalen im Biosupermarkt Fresh’N’Friends. Ihr Popelinmantel, ist gefüttert – mit echtem Pelz. Der junge Mann an ihrer Seite berät sie, welches Sandwich sie nehmen soll. Auch er trägt Pelz, als Besatz an der Kapuze seines Parkas. Felle sind aktuell aus dem Berliner Straßenbild nicht wegzudenken, und das nicht nur als Bommeln an Mützen. Diesen Winter feiern auch Pelzmäntel ein Comeback. Die Fashion Week, die vorletzte Woche zu Ende ging, scheint diese Entwicklung zu bestätigen: Im weißen Zelt liefen Fuchs und Hase rauf und runter, verarbeitet zu Westen, Stolen und Jacken im schicken 60er Jahre-Design. Dabei haben nicht nur große Marken wie Laurиl oder Blacky Dress echtes Tierhaar verwendet, sondern auch junge Berliner Labels wie C’est tout und Dawid Tomaszewski.

„Pelz ist einfach ein wunderschönes, gemütliches und unglaublich wärmendes Material“, schwärmt C’est tout-Designerin Katja Will. Und auch Dawid Tomaszewski würde niemals Kunstfell benutzen. Bis vor wenigen Jahren waren Pelze verpönt. Wer sie trug, riskierte, von Tierschützern einen Farbbeutel abzubekommen. Doch letzte Woche gelangten ihre Trägerinnen ganz ohne einen Spitzer ins Mercedes-Zelt: Chefredakteurinnen wie Annette Weber von der „InStyle“ oder Schauspielerinnen wie Natalia Wörner saßen mit ihren Pelzen in der ersten Reihe. „Es ist eine Rückbesinnung hin zur Natur“, sagt Grit Seymour, Mode-Professorin an der UdK. Sie weiß aber auch, dass dieser Trend umstritten ist. Deshalb beauftragte sie zehn ihrer Studenten, sich mit dem Für und Wider von Pelz auseinanderzusetzen. In dem Projekt „Real Fake“ sollten sie sich ihre eigene Meinung bilden. Das Ergebnis konnte man auf der Modemesse Premium sehen.

PelzEine Studentin suchte eine Alternative zu Pelz und gestaltete eine Jacke aus grauen Kabelbindern. Alle adneren verarbeitete Felle, zum Teil mit Kunstpelz gemischt, zu Jacken, Bustiers und Bikinis. „Die meisten hatten kein Problem damit, echtes Tierhaar zu verarbeiten“, erzählt Seymour. Allerdings nur, wenn es „nachhaltig“ produziert wurde. Das ist auch der Anspruch von Katja Will, die ausschließlich Kaninchen und Fuchs in ihrer Kollektion verwendet. Und auch Dawid Tomaszewski ist es wichtig, dass seine Felle aus artgerechter Tierhaltung stammen. Doch was ist das eigentlich, nachhaltiger Pelz? „Das können Felle von Nutztieren sein, wie Kaninchen, oder von Tieren aus einer Überpopulation“, erklärt Magdalena Schaffrin, Mitinitiatorin der Modeplattform Green Showroom. In Nordschweden beispielsweise werden Füchse geschossen, weil zu viele von ihnen eine Gefahr für den Rentier-Bestand bedeuten. Mit seinem Label „friendly fur“ verarbeitet der Berliner Nikolas Gleber Felle von Füchsen, die zum Abschuss freigegeben worden sind. Er bekommt sie von Jägern und macht daraus Taschen, Mützen und Stolen. Dennoch steht Schaffrin selbst diesem Trend skeptisch gegenüber: „Wenn Pelz erst wieder in Mode ist, kann man davon ausgehen, dass der Großteil der Felle nicht aus nachhaltiger Produktion stammt.“ Und wo bekommt die 25-Jährige Berlinerin ihren Pelz her? Ganz klar aus dem Second Hand-Laden oder aus Omas Kleiderschrank.

Text: Wolfgang Altmann

Foto: Andrй C. Hercher

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