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Design-Möbel aus Berlin

Werner AisslingerKunst oder Möbelstück? Box oder Tisch? Auf den allerersten Blick herrscht Ratlosigkeit. Erst beim zweiten Hinschauen erschließt sich die Funktion des leuchtenden Würfels. Weil er vor einem Sofa steht. Ein Couchtisch also.
Matthias Kothe ist der Designer des „Cubelite“, der ursprünglich aus einem Kunstobjekt entstand. Unter der gläsernen Tisch­platte liegt ein transparenter Druck eines befreundeten Künstlers, Ivan Lacaze. Er wird von einer Lampe im Innern des Tischchens durchleuchtet. Gleichzeitig lässt sich der Würfel aufschieben und bietet genug Stauraum für die Kleinigkeiten, die schnell verschwinden sollen, wenn Besuch kommt.
„Multifunktional? Ja, das ist der Tisch irgendwie auch“, sinniert Kothe, als hätte er vorher noch nie darüber nachgedacht. Der Drang nach möglichst vielseitigen und praktischen Möbeln sei nicht sein kreativer Motor, sagt er, vielmehr die persönlichen Wünsche seiner Kunden und eine starke Idee.
Cubelite von Matthias KotheUnbewusst, fast instinktiv entwirft Kothe unter seinem Label Komat Möbel, die immer auch ein wenig mehr können. Viel fertigt er als Auftragsarbeit an, zum Beispiel Bettgestelle, die ihre Breite verändern können. Je nach Lebenssituation werden sie vom Einzel- zum Doppelbett. Durch ein einfaches System von zwei Lattenrosten, die wie Kämme ineinandergreifen, kann die Breite zwischen 1,30 und 2,10 Metern stufenlos verstellt werden. 
Matthias Kothe gehört zu einer Generation von Designern, die mit Einfallsreichtum und Raffinesse, aber ohne Krampf vielseitige Möbel schaffen, die den Lebensumständen des modernen Großstädters angepasst sind: Möbel für eine mobile Gesellschaft, der Funktionalität ebenso wichtig ist wie Design.
Dabei ist Multifunktionalität nichts Neues. Schlafsofas gab es schon in den 50er Jahren. In der ehemaligen DDR stand der Multifunktionstisch in fast jedem Wohn­zimmer. Für die meisten Menschen gehört die Möbel-Abwechslung zum Wohnen dazu, seitdem das erste Schlafsofa in der Studentenbude Einzug hielt.
Es ist ein Phänomen der Moderne, dass Möbel praktisch sein müssen, clevere Lösungen bieten und sich von den vorgegebenen fes­ten Funktionen lösen. Neu hingegen ist der hohe Gestaltungs­anspruch, den inzwischen nicht nur Designer, sondern auch die Kunden an die Möbel stellen.
Ein Designer, der diese Nachfrage bedient, ist Werner Aisslinger. Längst hat er sich mit seinen Möbeln international einen Namen gemacht. Entwürfe von ihm stehen im MoMA in New York und im Vitra Design Museum bei Köln. Dennoch gibt er sich kundennah. Aisslingers Klienten haben nicht nur Mitspracherecht: „Wir binden sie auch in den kreativen Prozess mit ein.“ Aisslingers Wohn-, Bad- und Büro­landschaften oder Regalsysteme können beliebig umgebaut und anders platziert werden. Oder sein Sofa „Low“. Das bedient die Bedürf­­nisse des modernen Arbeitsnomaden. Auf der Armlehne befindet sich eine „Workstation“. Die quadratische Fläche ist zum einen eine Ablage. Sie lässt sich aber auch öffnen und bietet viel Stauraum und gleichzeitig Organisations- und Verkabelungs­möglichkeiten und Steckdosen für das Notebook oder das Mobil­telefon.
Es sei eine sogenannte Hybridlösung, erklärt Aisslinger: „Die Couch verbindet zwei Welten, die früher nichts miteinander zu tun hatten: Freizeit und Arbeit.“ Denn Beruf und Privatleben durchdringen sich heute immer mehr. Es ist inzwischen normal geworden, Überstunden zu Hause abzuleis­ten.
Gearbeitet wird nicht nur im Büro, sondern vermehrt mit dem Notebook im Cafй, im Bett oder eben auf der Couch. Für Aisslinger folgt daraus eine Evolution der Sofas und Sitzgruppen: „Früher, in den 70ern, hat man auf der Sitzgruppe Gäste empfangen. Heute ist die Couch ein privates Rück­zugsmöbel zum Faulenzen und Entspannen, aber eben auch zum Arbeiten.“

Lesen Sie den vollständigen Artikel in der tip Wohnbeilage im Heft 09/09 auf Seite 4.

Text: Antje Binder

Fotos: Anna Blancke  

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