Shopping

Bio Fashion in Berlin

Mode__AnnaBlancke_2845Leinensack ade! Green Shopping bedeutet schon lange nicht mehr den Verzicht auf Designansprüchen. Langsam, aber sicher erfasst
der Biotrend auch die Modebranche. Immer mehr Designer und Markenartikler setzen auf Fair Trade, entwerfen einzelne Kleidungsstücke und Kollektionen aus organischer Baumwolle. Oder sie gründen eigene Labels, deren Kreationen aus pestizidfreien Rohstoffen hergestellt sind. Moralisten mit Modegeschmack.

Zu den Berliner Pionieren gehören Felicia und Melchior Moss. Im Januar 2006 gründete das Geschwisterpaar unter dem Namen Slowmo eine grüne Streetwear-Linie, die hohe Design- und Qualitätsansprüche mit ökologischsozialen Gesichtspunkten vereint. Die organische Baumwolle für die Herstellung der Textilien stammt aus der türkischen Ägäis-Region sowie aus Griechenland und Ägypten und landet nach der Weiterverarbeitung in Wilmersdorfer Nähereien. Von Pestiziden auf Baumwollfeldern, menschenunwürdigen Bedingungen in den Fabriken, Kinderarbeit oder schlechter Bezahlung grenzen sich die Moss-Geschwister klar ab. „Wenn man jeden Tag mit Textilien arbeitet, muss sichergestellt sein, dass die Kleidung fair und gut entstanden ist“, sagt Melchior, der beim Aufbau des Labels für den kaufmännischen Bereich zuständig ist. Für den kreativen Input sorgt seine Schwester Felicia, eine studierte Modedesignerin. Verkauft werden die Produkte ihres Labels in Berliner Shops wie Cherrybomb oder auch Rocs Urban.

Ein anderer Laden, der die Zeichen der Zeit erkannt hat, ist Lila Lämmchen im Prenzlauer Berg. Über den Ladentisch geht Kinderkleidung aus Öko-Textilien. Nicht nur die Baumwolle stammt aus ökologischem Anbau, sondern auch die Seide: Die Raupen des Maulbeerspinners, die den edlen Stoff liefern, mampfen Maulbeerlaub, das im Fernen Osten in ökologischem Landbau sprießt. Die Inhaberin des Ladens, Eva Linke, beobachtet steigendes Umweltinteresse und soziales Bewusstsein der Kunden. Das macht sie an deren Aufgeklärtheit fest – und an steigenden Umsätzen: „Die Leute wissen mittlerweile, was sie kaufen und müssen nur noch selten auf die Problematik aufmerksam gemacht werden“, freut sie sich. Mit ihrer ökologischmoralisch einwandfreien Mode läuft es so gut, dass Eva Linke direkt nebenan kürzlich einen weiteren Laden aufgemacht hat.

Biomode__BettyMyllerUnd auch die Konkurrenz schläft nicht. Neben den kleinen Shops, die ausschließlich auf Ökoschick setzen, sind auch andere Berliner Boutiquen und Geschäfte auf den Zug aufgesprungen. Ganz oben auf der Beliebtheitsskala: Marken wie Kuyichi, Misericordia oder Stewart & Brown, die allesamt für ökologische Fasern und fairen Handel stehen. Wer sich die Lauferei durch die Geschäfte ersparen will, wird auch im Internet fündig. Der Kauf eines „I saved a tree“-T-Shirts unter www.quartier-deluxe.com, einem Berliner Onlineshop, schont den Regenwald, denn fünf Euro landen direkt bei WWF, dem World Wide Fund For Nature.

Europas größter Onlinevertrieb für Naturtextilien, Hess Natur, kleidet sogar die ganze Familie Bio ein. Das tolle Gefühl, den Stoff durch die Hände gleiten zu lassen, muss sich der Websurfer allerdings denken. Anders als bei den zertifizierte Ökotextilien, die Apfelbäumchen Naturwaren anbietet. Die grüne Mode für Kids, Teens und Erwachsene stammt zum großen Teil aus Deutschland und der Schweiz. Inhaberin Nicole Kliemke schwärmt vom größeren Wohlfühleffekt, den organische Baumwolle im Vergleich zu klassischer hat: „Die Qualität ist einfach besser, und die Stoffe fühlen sich weicher an“, sagt sie. Viele ihrer Textilien erfüllen die Anforderungen des Gütesiegels „IVN Best“, das menschenwürdige Produktionsbedingungen, die Verwendung pestizidfreier Rohstoffe und chemiefreie Färbung zertifiziert.

Es ist mit der Mode wie in dem Kinderlied. „Grün, grün, grün sind alle meine Kleider, grün, grün, grün ist alles was ich hab. Darum lieb ich, alles, was so grün ist … “ So ist es auch mit der Mode. Die Verbindung von organischer Baumwolle, politischer Korrektheit und coolem Design mittlerweile überzeugt einfach. Trotzdem mag Nicole Klemke keinen Kunden verurteilen, der mit einer Kaufhaustüte in ihren Apelbäumchen-Laden stapft. Nicht nur, weil auch ihre eigener Kleiderschrank sowohl Naturtextilien als auch konventionell produzierte Kleidungsstücke enthält. Sondern weil sie niemals an das schlechte Gewissen appellieren würde: „Das wäre Negativwerbung“.

Text: Anne Koch

Apfelbäumchen Naturwaren Hedwigstraße 1a, Schöneberg, Tel. 8591569, www.initiative-naturtextil.de

Lila Lämmchen Dunckerstraße 7, Prenzlauer Berg, Tel. 41722297, www.lilalaemmchen.de

Rocs Urban Kopernikusstraße 11, Friedrichshain, Tel. 60057410, www.rocs-berlin.de

Slowmo moss & moss GbR Libauer Straße 16, Friedrichshain, Tel. 23364811, www.slowmo.eu

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Bio-Labels auf dem Prüfstand

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