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Du bist Berlin: Silke Geib – Die Karrierehelferin

SilkeGeibEs gibt keine Klingeln, man muss sie anrufen. Dann kommt Silke Geib persönlich runter zur Straße, um die Tür zu öffnen. Es geht durch einen schmalen, dunklen Flur im DDR-Look, Türen wie Schließfächer. Hinter einer von ihnen wartet ein helles und modernes Atelier mit großen Fenstern und einem pittoresken Blick auf Mitte und die Klosterkirche. „Das ist immer ein Überraschungseffekt“. Seit 2009 ist sie in Berlin, wohnt in Mitte, hat hier ihr Atelier in der Klosterstraße 44, dem ehemaligen Berliner Fernmeldeamt. In dem grauen Betonklotz befinden sich seit einiger Zeit auf vier Etagen Atelierräume für Kreative.
Schnell wird klar: Silke Geib ist keine von denen, die hierher ziehen, um sich auf dem kreativen Spielplatz Berlin einige Zeit auszutoben. Sie ist schon ein ziemlich alter Hase im Modegeschäft, auch wenn man es ihr nicht ansieht. Sie trägt einen schlichten, kurzen Haarschnitt, ist kaum geschminkt. Ihr Look: Vintage-Jacke, Kleid von COS, Schal und Gürtel von Maison Margiela, alles ganz in schwarz. Sie wirkt jünger als 38. Beim Sprechen klingt ein hessischer Akzent durch. Vielleicht denkt man deshalb, sie sei ein Newcomer. Doch große Namen wie Chloй, J. Lindeberg und Viktor & Rolf gehören zu ihrem Karriereweg. Sie spricht fünf Sprachen, arbeitete in Paris, Mailand, Amsterdam und Stockholm.

Heute, in Berlin, lebt sie von den jungen Kreativen, denen sie selbst ein wenig ähnlich sieht. Denn hier gründete sie, mit Nadine Möllenkamp, nicht nur ihr eigenes Modelabel Blжnk. Mit ihrem Lebensgefährten Marc Karpstein gibt Silke Geib auch Unterricht für Modeinteressierte. About:Fashion nennen sie das Projekt. Aber benötigt die Hauptstadt noch mehr Modekurse? An neun Institutionen gibt es in Berlin Modeklassen, die jedes Jahr eine Heerschaar von jungen Designern in die umkämpfte Branche entlassen. Silke Geib weiß um das Problem. Gewissermaßen macht sie es sich zunutze. Bei Viktor & Rolf merkte sie anhand der Bewerbungsmappen, dass die Studenten zwar gut zeichnen lernen, aber das Wissen um Bewerbungen und Berufswelt zu kurz kommt. „Damit ist es schwer, auf internationalem Level einzusteigen.“ Sie möchte nun privat jungen Absolventen und anderen Interessenten Orientierung auf dem Weg ins Modebusiness geben. Wie ein Berufsberatungscenter für Modeschöpfer ohne die Bürokratie und mit einer ordentlichen Portion Glamour.

Sie benutzt gerne Wörter wie „pushen“ und „briefen“. Es geht um große internationale Labels, und wie man sich für sie bewirbt. Wie muss eine Mappe aussehen, damit Absolventen eine Chance haben? Fotos beispielsweise sind in vielen Ländern auf dem Lebenslauf verpönt. „Im Ausland machen sie sich immer ein wenig über uns Deutsche mit unseren Passbildern lustig.“ Sie berät Studenten, die hoch hinaus wollen in der internationalen Modewelt, mit ihrem Insiderwissen und weiß auch, dass nur ein geringer Anteil von Absolventen später als Designer arbeitet. Ihr eigener Werdegang beginnt in Heppenheim südlich von Frankfurt. „Das ist der Ort, aus dem Sebastian Vettel kommt.“ Silke Geib machte nach der Schule zunächst eine klassische Damenschneiderlehre. Die Eltern, branchenfremd, wünschen sich etwas Bodenständiges für ihre Tochter. Doch sie entscheidet sich für ein Modedesign-Studium, zieht direkt ins Zentrum des Rummels, nach Paris, und geht an die renommierte französische ESMOD. „Von 200 Absolventen bekamen nur drei direkt einen festen Job.“

Silke Geib war eine von ihnen. Sie ergatterte mit ihrer Abschlusskollektion und ihrer Hartnäckigkeit einen Assistentinnen-Job beim international renommierten Modehaus Maison Martin Margiela. Er öffnete ihr die Türen für all die Jobs, die folgten.
Warum sie jetzt nach Berlin gekommen ist, eine Stadt, die modetechnisch international noch nicht sehr angesehen ist? Sie sieht die Entwicklung der Stadt nicht so kritisch, wie manch anderer. „Berlin hat, was Mode angeht, eine sehr kurze Geschichte. Es wird noch eine Weile dauern bis man spürt, dass Berlin zu internationaler Anerkennung kommt.“ Ihr Label Blжnk wird im September auf der Pariser Fashionweek debütieren. Dafür gibt es einen ganz pragmatischen Grund. „In Paris sind einfach noch die besseren Kontakte.“ Zwar kennt sich Silke Geib international bestens aus, doch ausgerechnet in der Mode-Newcomer-Stadt Berlin fehlt ihr noch das Netzwerk.

Text: Antje Binder

Foto: Oliver Wolff

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