Shopping

Fortsetzung: Berliner Holz Designer & Adressen

Rainer Spehl gehört zu einer Generation von Designern, für die Holz nicht praktischer Werkstoff ist, sondern gezielt eingesetzt wird, um im innenarchitektonischen Bereich Akzente zu setzen. Viele seiner Arbeiten sind Aufträge von Kunden, die etwas Besonderes suchen. Er fertigt Küchenmöbel an, die nichts von schweren Einbaublöcken haben. Einer Kundin aus Dänemark baute er eine Küche aus grauem Eichenholz mit blauer Arbeitsplatte aus Linoleum. Bei einem anderen Kunden kombinierte er leichte Küchenschränke mit schweren Arbeitsplatten und Spülen aus Beton, die auch in seiner Wohnung stehen. Viele lassen ihm bei der Arbeit kreativen Freiraum. Er verkaufe nicht nur seinen Service, sondern auch seinen Stil, sagt er.

Bei der Arbeit mit Holz kombiniert er Handwerkskunst und Funktionalität mit einer eigenen Ästhetik. „Astlöcher, besondere Maserungen und Fehler machen das Möbelstück individuell.“ Gerade arbeitet er an einem Tisch aus Roseneiche, einer besonders astigen und knorrigen Holzsorte. Darin fügt er runde Kupferstücke ein. Viele Holzklassiker im Möbelbau findet er uninteressant. Nadelhölzer wie Fichte und Kiefer erinnern immer ein wenig an die Kindheit oder an Dänisches Bettenlager.“ Den Dauerbrenner Buche findet er blass und nichtssagend. „Die Buche hat keinen Arsch in der Hose“, sagt er. Rainer Spehl liebt stattdessen das Holz der Robinie. Ein sehr hartes Holz, das viele Tischler deshalb nur ungern bearbeiten, „es wird eigentlich nur als Brennholz verwendet“. Spehl fertigte daraus eine große Tafel in einem warmen, wohltuenden Farbton und mit lebendigen Maserungen. Und auch Eichenholz, das auf viele altbacken wirkt, kann eine ungeahnte Schönheit entwickeln. In Spehls Wohnzimmer steht ein Tisch aus Räuchereiche. „Das Holz wird nicht geräuchert, sondern quasi eingenebelt mit einem Dunst aus Salmiak“, erklärt er. Das beißend riechende Ammoniak-Gemisch verdunkelt das Holz, bis es fast schwarz ist. Spehls Tisch war das auch, nun ist er dunkelbraun. „Irgendwann wird jedes Holz heller oder dunkler, bis irgendwann alles die gleiche Farbe hat“, erklärt er.

Zum Schluss zeigt Spehl auf ein paar viereckige Holzscheite, die scheinbar zufällig in Grüppchen im Raum stehen und keinem Zweck dienen, außer, wenn man so will, zum Sitzen. Das Holz stammt aus Kalifornien von den Stümpfen von Mammutbäumen, die vor Jahren schon gefällt wurden, von amerikanischen Ulmen oder vom Eukalyptus. Es ist rissiges Restholz, zum Bauen fast nicht zu gebrauchen, doch für Spehl zu schade zum Wegwerfen. Bei ihm entstand daraus Kunst.

Nichts wegwerfen ist auch das erklärte Ziel der Pankower Baufachfrauen und ihrem Projekt mit dem Namen HiKK, kurz für „Holz im Kreativkreislauf“. Einfacher könnte man auch sagen: Restholzbörse. Ute Mai ist Mitglied im Verein und setzt sich seit Jahren zusätzlich mit Nachhaltigkeit auseinander. In jeder der rund 700 Berliner Tischlereien falle im Jahr zwischen 0,7 und 3,5 Kubikmeter Restholz an, weiß sie. Mit HiKK wollen die Bauchfachfrauen um Ute Mai dieser Verschwendung Einhalt gebieten und werden dabei sogar gefördert vom Europäischen Sozialfonds. In den Räumen der Baufachfrauen lagern nun die Holzreste von einigen Pankower Tischlereien. Auf einer Online-Tauschbörse vermitteln sie das Material, Interessenten können es vor Ort besichtigen. Zusammen mit verschiedenen Partnern wie Designern und der Kunsthochschule Weißensee überlegen sie, was aus dem Verschnitt gebaut werden könnte. So entstand zum Beispiel Lotta Rest, ein Multifunktionskubus, der als Tisch, Sitzgelegenheit oder Regal einsetzbar ist. Es gibt Zeitungsschuber mit Vollholzfront oder Klemmbretter.
„Freitagsprodukt“ nennt Ute Mai ein Ding, das durch Zufall an einem Freitag entdeckt wurde. Damals fiel ein ganzer Haufen kleiner Rundlinge unter der Fräse an, interessant geschwungen und hübsch anzusehen. Jemand kam auf die Idee, ein Loch in die Formgehölze zu fräsen. Kurzerhand wurde der Abfall zu Teelichthaltern umfunktioniert. „Function follows form“, so Ute Mai. Noch bis 2012 läuft das Projekt. Das Ziel: ein zentrales Holzrestelager zu schaffen, in dem sich jeder Interessent bedienen kann.

Text: Antje Binder
Fotos:
Benjamin Pritzkuleit

Kaden + Klingbeil Architekten
Esmarchstraße 3, Prenzlauer Berg, Tel. 48 62 46 62, www.kaden-klingbeil.de,
www.e3berlin.de

Holzconnection
Belziger Straße 38, Schöneberg, Tel. 781 43 20,
Mo–Fr 11–19 Uhr, Sa 10–14 Uhr;
Grolmanstraße 22, Charlottenburg, Tel. 854 39 81,
Mo–Fr 11–19 Uhr, Sa 10–14 Uhr, www.holzconnection.de

Not a Wooden Spoon
Oderberger Straße 2, Prenzlauer Berg, www.notawoodenspoon.com,
geöffnet nach Vereinbarung

Buchholz Berlin
Münzstraße 11c, Mitte, Tel. 0179 290 04 38, www.buchholzberlin.de,
geöffnet nach Vereinbarung

Rainer Spehl
Köpenicker Straße 187/188, Kreuzberg, Tel. 817 979 58, www.rainerspehl.com,
geöffnet nach Vereinbarung

Baufachfrau Berlin e.V.
Lederstraße 108, Weißensee, Tel. 920 921 76, www.baufachfrau-berlin.de,
www.hikk.mixxt.de

Abschliff
Für schmucke Parkettböden müssen nicht notwendigerweise Wälder auf anderen Kontinenten herhalten. Das Kreuzberger Unternehmen achtet darauf, dass die von ihm verwendeten Hölzer aus Deutschland kommen, und was hier nicht wächst, stammt aus der EU. Eine Menge bekannter Leute und großer Häuser ließen sich ihre Laufflächen so schon verschönern.

Ohlauer Straße 40, Kreuzberg, Tel. 61 00 99-0, www.abschliff.de
Mo–Fr 7–18 Uhr, Sa 9–16 Uhr

AU-Fenster
Für den besonderen Blick nach draußen sollten die Fenster zum Rest einer stilvoll eingerichteten Altbauwohnung passen. Fensterläden und Rahmen, die nach Gründerzeit aussehen, fertigen die Spezialisten für Holzfenster nach Wunsch an.

Rykestraße 8, Prenzlauer Berg, Tel. 44 34 09 06, www.au-fenster.de

Feinschliff Berlin
Für Hobby- oder Nachwuchs-Fußbodenabschleifer, die gerne alles selbermachen, gibt es bei Feinschliff ein riesiges Angebot zum Thema Parkett – zum Ausleihen oder Kaufen. Auch Beton und Metallbearbeitung sind nicht außer Acht gelassen.

Feinschliff Bodenlegerbedarf und Schleifmaschinen-Verleih,
Gottschedstraße 4, Wedding, Tel. 466 018 56, www.fein-schliff.de

Futonwerkstatt und Holzwerkstatt
Schadstofffreie Qualität hat Priorität bei Futons und speziellen Matratzen für Kinder und Jugendliche. Alles wird nach individuellen Wünschen gefertigt, Bezüge in verschiedenen Farben sind ohne Aufpreis frei zusammenstellbar. Neben der Futonwerkstatt gibt es auch die Holzwerkstatt. Dort werden seit 1988 Massivholzmöbel angefertigt. Aus den verschiedensten europäischen Hölzern kann man sich Wunschmöbel bauen lassen.

Kreutzigerstraße 14/15, Friedrichshain, Tel. 395 34 72,
Mo–Fr 9–18 Uhr, Sa 10–14 Uhr,
www.holz-futon-werkstatt.de

Der Raum
Sie beraten kompetent und direkt im persönlichen Gespräch. Verschiedene Materialien, Oberflächen, Küchen, Einbauschränke uvm. präsentieren sie vor Ort. In der Berliner Manufaktur realisiert man Ihre Ideen und Vorstellungen mit höchster Sorgfalt und Präzision bis ins kleinste Detail und jahrelanger Erfahrung.

Dunckerstraße 15, 10437 Berlin-Prenzlauer Berg, Tel. 39 37 53 00,
Mo–Fr 10–18 Uhr, Sa 11-17 Uhr, www.der-raum.de

Holzgrund
Rund ums Thema Fußbodenbearbeitung dreht sich das Angebot von Holzgrund. Die Profis verlegen und schleifen nach Wunsch Dielen- oder Parkettböden und garantieren eine ökologische Endbehandlung der Holzfußböden. Wer selbst Hand anlegen möchte, kann sich im Raum Berlin das passende Schleifwerkzeug auch einfach selbst ausleihen.

Kopischstraße 10, Kreuzberg, Tel. 77 32 97 52, www.holzgrund.de,
geöffnet nach Vereinbarung

Inligna
Das Kunstwerk als Gebrauchsgegenstand – so könnte man das Motto von Karin Zacharias-Langhans beschreiben. Die Tischlerin und Teilhaberin von Inligna möchte mit den Möbeln, die sie entwirft, Alltagsdesign machen, das schön, einzigartig und für den täglichen Gebrauch funktional ist. Dazu werden nachhaltige Rohstoffe verwendet und regional produziert. Und sie versucht, die Möbel zu einem halbwegs sozialen Preis anzubieten.

Inligna – Maßtische. Maßeinbauten, Swinemünder Straße 110/111, Mitte, Tel. 88 53 38 72,
Di+Mi 12–18 Uhr, Do+Fr 12–20 Uhr, Sa 12–16 Uhr und nach Vereinbarung
(Termin verabreden: 0176-28 85 82 45), www.inligna.de

Lundia
Regalsysteme und Einbauschränke, robust und trotzdem ansehnlich: Die Entwürfe von Lundia sind von schwedischer Architektur inspiriert. In der Budget-Serie können Regale mit kleinen Makeln erstanden werden, ideal wenn es nur um den Keller oder das Archivieren in Ecken geht, wo niemand nachsieht.

Jeanne-Mammen-Bogen 585 /Ecke Grolmanstraße 47, Charlottenburg, Tel. 50 56 68 82,
www.lundia24.com

Mein Einbauschrank
Einbauschränke sind für viele aus ihrer Wohnung nicht wegzudenken, vor allem, weil sie wegen ihrer Größe jede Menge Stauraum bieten. Wie die Möbelriesen sich angenehm in den Wohnraum einfügen und etwas hermachen können, weiß das in Pankow ansässige Unternehmen. Außerdem gibt es Raumteiler, Bibliotheken, Garderoben, Sideboards und viele andere Einbauten, die das Leben übersichtlicher und ordentlicher machen.

Planungsbüro in der Heinrich-Böll-Straße 4, Pankow, Tel. 38 10 48 89, www.mein-einbauschrank.de

Plan 4
Klassische Schlichtheit und unkomplizierte Funktionalität sind das Markenzeichen der Regalsysteme, Tische und Sideboards von Plan 4. Die Regalsysteme bestehen aus zehn Modulen in zwei Formaten, die frei miteinander kombinierbar sind. Das Material der Möbelstücke, die für den täglichen Einsatz geeignet sind, ist hochwertiges Massivholz aus europäischer Eiche, amerikanischem Nussbaum oder Kirschholz.

Danziger Straße 57, Prenzlauer Berg, Tel. 26 94 88 70,
Di–Fr 14-19 Uhr, Sa 12–16 Uhr, www.plan4.eu

zurück | 1 | 2 | 

ADRESSEN FÜR GUTE HOLZMÖBEL

GRÜNE MODELÄDEN IN BERLIN

GRÜNER WOHNEN ADRESSEN

BIOLÄDEN- UND MÄRKTE IN BERLIN

Mehr über Cookies erfahren