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Gemütlichkeit für die eigene Wohnung

Katja Klare mag Möbel mit Vintage-Charme

Eine 180-Quadratmeter-Wohnung, große, hohe Räume, großer Flur, unverputzte Wände. Auf den ersten Blick könnte man meinen, eine Wohnung wie die von Katja Klare gemütlich einzurichten, könnte Jahre dauern. Seit April wohnt sie mit
ihrem Mann und zwei Kindern in der Weddinger Jugendstilwohnung und hat sich auf ihre ganz eigene Art gemütlich eingerichtet.
Denn die rustikale Vorstellung von Gemütlichkeit – enge Räume, Kamin, viel Holz – teilt sie nicht. Einzig die Häkeldecken auf der Couch verleihen dem Zimmer etwas handgemacht Heimeliges. „Für mich ist Gemütlichkeit, wenn ich mich schön hinsetze, Tee trinke und von schönen Dingen um­geben bin“, erzählt die gelernte Raumausstatterin. Schöne Dinge, das sind für sie alte, aufgearbeitete Möbel und Accessoires aus vergangenen Jahrzehnten. Kein Trödel, sondern Dinge mit Design­anspruch. Ihrer Wohnung verleihen sie einen aufgeräumten, aber gemütlichen Vintage-Charme: Alte Sofas aus den Siebzigern, Polstersessel neu bezogen in den verschiedensten Farben, kleine Nierentische, eine Hausbar vollgestellt mit bunten Vasen und Gläsern, in einer alten Regalwand stehen Kunstbücher, auf einem türkis lackierten Hocker thront eine Vase. Möbeln aus Holz verleiht sie bei der Aufarbeitung oft einen farbigen, hellen Anstrich. Wie in ihrem kleinen Möbelgeschäft Annachron, in dem sie die fertig restaurierten Vintagemöbel verkauft und ihren Kunden immer auch einen Inneneinrichter-Service anbietet.

„Dunkle Töne und Holz tragen für mich nicht unbedingt zur Gemütlichkeit bei“, erklärt sie. Zu altbacken. Die Dielen ihrer Wohnung seien Beispielsweise holzfarben gewesen, „mit großen Astlöchern“, erzählt Katja Klare. Jetzt sind sie in der ganzen Wohnung weiß, verleihen den Räumen eine strahlende, natürliche Helligkeit und machen besonders den großen Flurbereich freundlicher. Abends sorgen in der ganzen Wohnung verteilte Lampen für Wohnlichkeit: kleine Wandlämpchen, und Stehlampen leuchten Ecken aus. An den Wänden sorgt übrigens Katja Klares Mann, der Maler Peter Klare, für Wohnlichkeit. Groß­formatige moderne Kunst schafft einen Blickfang und setzt den großen Räumen und dem kahlen Putz etwas Farbe entgegen.

Annachron
Katja Klare Kopenhagener Straße 64, Prenzlauer Berg
Di+Do 14-19 Uhr, Tel: 0178-1661468
www.annachron.de, [email protected]


Stephan-DassStephan Dass hat keine Angst vorm starken Stilmix

„Gemütlichkeit ist kein allgemeingültiger Begriff“, findet Stephan Dass. „Wie der Name schon sagt, es kommt auf das eigene Gemüt an. Es gibt Leute, die können unter einer Neonröhre leben und fühlen sich wohl“, sagt Dass, dem in seinem Job als Inneneinrichter von Kollwitz 45 schon viele Wohnungen unter die Augen gekommen sind. Seine eigene Vorstellung von gemütlich beschreibt er als Stilmix aus verschiedenen Epochen. „Ich wollte keine Showroomwohnung“, sagt er. „Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, möchte ich kein cooles Design sehen.“ So trifft Funktionalität auf Opulenz und Jagdtrophäe auf Flohmarkt-Fundstücke sowie Überbleibsel aus der Studentenzeit, wie die alte Teekiste, die als Stauraum verwendet wird.
Gemütlichkeit würden auch seine Tiere vermitteln: Zwei Papageien schnattern in einem großen Gehege, im Atelier trollen sich zwei Katzen. Und auch ein Fernseher steht vor der Couch. „Ich finde es unehrlich, wenn Leute den verstecken“, sagt Stephan Dass, der zugibt, gerne mal in die Röhre zu schauen. Das sei schließlich auch ein Aspekt der Gemütlichkeit. Textilien seien wichtig, wie der flauschige Teppich vor der Couch oder Stoffe vor dem Fenster, zum Beispiel, wie bei Dass, als Raffrollo aus natürlichem Leinentuch. „Ich mag die Unvollkommenheit der Stoffstruktur“, sagt er.

Daneben spielt Licht eine zentrale Rolle. „Die ­Qualität des Lichtes“, präzisiert Dass. Er sei kein Fan von Energiesparlampen. Lieber setzt er ­schwache Glühbirnen ein, und verteilt sie dafür im Raum. „Mehrere Lichtquellen schaffen Drei­dimensionalität, Tiefe und Plastizität“, sagt er. Eine ­Deckenleuchte gibt es nicht. Lampen sollten für das Wohlbehagen am besten in der Nähe des Kopfes platziert werden. „Das sind wir seit jeher so gewohnt. Früher waren die Lichtquellen schließlich die Kerze auf dem Tisch, oder das ­Feuer in der Höhle.“
Schließlich rät er, bei der Einrichtung auch immer sich und seinem Gemüt selbst treu zu bleiben, schnelllebige Trends zu hinterfragen und sich selbst zu prüfen: „Passt das zu mir?“

Kollwitz 45, Interieur Design
Katja Söchting und Stephan Dass
Kollwitzstraße 45, Prenzlauer Berg, Tel. 44 01 04 13
Mo-Fr 10-19 Uhr, Sa 11-16 Uhr
www.kollwitz45.de, [email protected]

Fotos: Benjamin Pritzkuleit

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