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Internatio­nales Design Festival DMY 2013

DMY_MC_TABANDA_fot_szajewski_com_DIAGO_muzeumBisher waren Partnerländer des DMY Festivals die Niederlande, Finnland oder die Schweiz. Länder eben, in denen gute Gestaltung Alltagskultur ist. Bei Polen, dem Gastland 2013, denken viele bei Design vielleicht eher an blümchenbestickte Gardinen. Oder vielleicht noch an die stilbildende Plakatkunstschule Polens. Für innovatives Produktdesign stand Polen dagegen lange nicht.
Doch auch hier ist unser Nachbar für Überraschungen gut. Zwar gehört Design, im Gegensatz zu Film und Literatur, in Polen nicht zu den arrivierten Künsten, wie Marcin Zastroz· ny vom Polnischen Institut in Berlin bestätigt: „Vor allem in den Film konnte auch im Sozialismus viel Subversives einfließen, man war es gewöhnt, zwischen den Bildern Kritik am System zu suchen und zu finden.“ Im Designbereich seien erst jetzt viele junge Gestalter auf dem Sprung, aus der alten polnischen Handwerkstradition heraus Neues zu schaffen. 40 von ihnen, darunter Oskar Zie? ta oder junge Kollektive wie Knockoutdesign und Monomeka sowie die wichtigsten Hochschulen, stellen sich beim DMY vor.

Am Beispiel von Oskar Zie? tas zeigt sich ein weiteres Problem polnischer Designer: Seine aufgeploppten Metallstühle sind, wie der Designer selbst, mittlerweile sehr bekannt. Allerdings wird Zie? tas Arbeit inklusive der innovativen Materialforschung eher mit seiner Hochschule, der ETH Zürich, in Verbindung gebracht als mit seinem Heimatland Polen. Vor allem in Großbritannien erfolgreich sind Ola Mirecka, die mit ihrer „Limonadenbar“ spielerisches polnisches Design zeigt, und Bartek Mejor, der die polnische Porzellantradition ins Heute übersetzt.

DMY_MONOMOKA_artichockeAber auch in Polen sind innovative Kollektive wie Monomoka, das Label der Zwillingsschwestern Monika und Kasia Gwiazdowska, dabei, polnische Traditionen wie Häkeln mit ihren edlen Sitzlandschaften ins 21. Jahrhundert zu überführen. Auf diesen Traditionen baut auch das Design-Duo von Malafor auf, die zusammen mit der Segelmacher-Zunft an der Ostsee leichte und nachhaltige Möbel entwerfen. Gleichzeitig gibt es in Polen aber auch eher klassische Designstudios wie Tabanda, die, etwa mit ihren bunten, scharfgeschnittenen Stühlen, zeitgemäßes Produktdesign für die Möbelindustrie entwerfen. Das Spektrum des polnischen Designs ist damit ähnlich groß wie in den klassischen, designaffinen Ländern. Zu vergleichen beim DMY im Flughafen Tempelhof, wo die polnischen Designer, umgeben von 500 weiteren Designern aus 30 Nationen, ihre Entwürfe präsentieren.

DMY_poor-design_brush_carNeben dem offiziellen DMY-Programm im Flughafen, das auch wieder die Verleihung des Designpreises der Bundesrepublik beinhaltet, gibt es auch spannendes, „inoffizielles“ Design in der ganzen Stadt zu sehen. Unter anderem in Charlottenburg im Atelier des polnischen Produktdesigners Grzegorz Cholewiak, der mit seiner Partnerin, der Berliner Künstlerin Lena Hensel, die Ergebnisse ihrer deutsch-polnischen Kooperation DracheundBär zeigt. 

Text: Iris Braun
Fotos: Szajewski.com/DIAGO Muzeum

DMY Festival 2013
Flughafen Tempelhof, ­Columbiadamm 10, Tempelhof, www.dmy-berlin.com
5.–9.6,

Lange Nacht des Designs
(zusammen mit Create Berlin)
in ­verschiedenen Studios,
6.6. ab 19 Uhr,
www.create-berlin.de
DracheundBär Studio, Herschelstr. 16, Charlottenburg, www.dracheundbaer.com

 

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