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Interview mit Leyla Piedayesh von LaLa Berlin

Leila PiedayeshEs ist noch gar nicht so lange her, 2003 war das, da hat Leyla Piedayesh sich in einem Wollgeschäft erklären lassen, wie man Pulswärmer strickt. Inzwischen verkauft sie ihre Pullover, Schals und Strickkleider in rund 100 Geschäften weltweit. Im Londoner Nobelkaufhaus Harrods beispielsweise – „dort läuft es super“ –, in Los Angeles, Kopenhagen, Tokio. In München und Hamburg. Anfragen von Geschäften aus New York liegen auch schon vor, ob sie die Marke Lala Berlin ins Programm nehmen können.

Leyla Piedayesh ist inzwischen so bekannt, dass Shopmanager von sich aus auf sie zukommen. In Berlin hat sie einen eigenen Laden, auch wenn hier nicht ihr Hauptabsatzmarkt ist. „Leider“, sagt sie. Ihre Karriere gehört zu den bemerkenswertesten, die es in den letzten Jahren in der aufstrebenden Modestadt Berlin gegeben hat. Zum einen, weil Leyla Piedayesh Autodidaktin ist. 1970 in Teheran geboren, aufgewachsen in Wiesbaden, hatte sie zunächst Betriebswirtschaft studiert und danach als Musikredakteurin bei MTV gearbeitet. Bis sie kündigte. „Ich hatte die Nase gestrichen voll“, erzählt sie. Sie war arbeitslos und hatte viel Zeit – also strickte sie Pulswärmer, obwohl Handarbeiten vorher nicht gerade zu ihren Stärken gehörten. „Ich bin in den 80ern groß geworden, in den Zeiten der Flauschepullis, doch ich habe gerade mal einen Pullunder zustande gebracht.“

Doch die Pulswärmer kamen bei ihren Freunden gut an, und schon bald nahm ein Laden die Strickteile in Kommission – nicht irgendeiner, sondern das Apartment, zu der Zeit Berlins ers­te Adresse für Avantgarde-Klamotten. Bei so viel Anerkennung konnte es nicht bei den Armstulpen bleiben. Leyla Piedayesh begann, Strick-pullover, -kleider und Tücher mit Printmotiven zu entwerfen. Alles in High­end-Qualität: Kaschmir, Kidmohair, Seide. Ohne Kratzen auf der Haut und mit entspannten Passformen, die man länger als eine Saison mag. Lala Berlin ist Luxus für den Alltag. Einmal übergestreift, will man die Sachen nicht mehr ausziehen. Claudia Schiffer, Inga Humpe, Mischa Barton werden in Lala Berlin gesichtet. Die Autodidaktin hat es in die Kleiderschränke der Stars geschafft. „Ich sauge auf, was um mich herum passiert“, erklärt Leyla Piedayesh ihren Erfolg. So eignet sie sich Fachwissen an, so erkennt sie, was die Kundin in der übernächsten Saison kaufen wird.

Das zweite Bemerkenswerte an dem Aufstieg von Lala Berlin ist, dass das Label nicht im Klein­format stecken blieb. Es könnte daran liegen, dass Leyla Piedayesh nicht an einer Modeschule, sondern bei den Wirtschaftswissenschaftlern studiert hat und ziemlich genau weiß, was sie will. Sie sieht sich einerseits als Designerin, anderseits aber auch als Geschäftsfrau und füllt in ihrer Firma auch beide Positionen alleine aus. Mit Assistentinnen, die ihr einen Teil der Arbeit abnehmen. Denn Lala Berlin expandiert. „Ich habe das Gefühl, wir werden jeden Monat mehr“, sagt sie. Assistentinnen, Praktikantinnen – und seit diesem Jahr ist auch ihre neun Monate alte Tochter häufig im Büro.

Leyla Piedayesh hat viel Selbstvertrauen, trotzdem kann auch sie ab und an Unterstützung gebrauchen. Deshalb hat sie ihre Mutter gebeten, nach Berlin zu kommen und ihr mit ihrer Tochter zu helfen, denn ihre Arbeitstage gehen momentan bis in die Nacht. Sie bereitet ihre ers­te Einzelschau auf der Mercedes-Benz Fashion Week vor. „Das ist die beste Form der Präsentation. Am schönsten kommen die Kleider am Körper einer Frau zur Geltung.“ 30 Outfits für den Herbst und Winter 2009/10 wird sie zeigen, da­runter auch Abendkleider aus Seidenchiffon, in Kombination mit dick­en Strickjacken.

Zu viel möchte sie nicht vorwegnehmen. Doch ein Blick auf ihre nächste Frühjahrs- und Sommerkollektion ist erlaubt und zeigt, wie ihr Label sich verändert: von der Strickkollektion hin zur Vollkollektion mit Hosen, Jacken und Kleidern aus verschiedenen Stoffen. In der kommenden Saison ist alles rockig und mit viel Glitter. So bietet sie eine Paillettenstrickjacke, die jede Frau tragen kann, und eine Pailletten-Leggins, von der auch Leyla Piedayesh weiß, dass es dafür nicht sehr viele Kundinnen gibt. Solche Spezialteile sind aber eher die Ausnahme. „Meine Ambition war bisher eher, tragbare Mode zu machen und keine Kunstprojekte.“

Ihr Büro besteht nur aus einem Schreibtisch mit Laptop und Telefon. Drumherum stehen die Kleiderständer, und überall sitzen die Mitarbeiterinnen dicht an dicht. Die Räume werden zu klein, deshalb zieht Lala Berlin auch im März um. Angst vor den Auswirkungen der Rezession hat Leyla Piedayesh nicht. „Ich lasse mich doch nicht durch die Finanzkrise abhalten, meinen Weg zu machen“, sagt sie. „Meine Firma ist in einem Stadium, in dem das Wachstum in jedem Fall vo­ran­geht. Und in meinem Kopf expandieren wir auch ständig, denn mein Gehirn hört nicht auf zu ti­cken, und ich habe ständig neue Ideen.“ Eine davon ist, dass es noch in diesem Jahr eine Lala-Berlin-Kinderkollektion gibt. „Erst habe ich gesagt, was soll der Quatsch“, erzählt sie. Doch jetzt werden die alten Büroräume frei, und diese liegen um die Ecke vom Laden in der Mulackstraße. Nicht jede Saison etwas anderes, sondern 20 tolle Strickteile, die dauerhaft in vielen Farben und Materialen hergestellt werden, das könne sie sich vorstellen, sagt Leyla Pieda­yesh. Und man hört ihr Gehirn ticken.

Text: Stefanie Dörre
Foto: Jens Berger/tip

Lala Berlin
Mulackstraße 7, Mitte, Mo-Fr 12-20 Uhr, Sa 12-18 Uhr
www.lalaberlin.com

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