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Traditionsläden

Kierzek Weine-Spirituosen: Mit guten Ideen und Kooperation durch Krise

Weltkriege und Systemwechsel hat das Familiengeschäft „Kierzek Weine-Spirituosen“ im Osten Berlins überstanden. Ursula Kierzek hat den Traditionsladen zusammen mit ihrem Vater durch den Zusammenbruch der DDR manövriert.

 Das Fachgeschäft Kierzek Weine-Spirituosen befindet sich seit 1920 in der Weitlingstraße in Lichtenberg. Foto: Anthea Schaap
Das Fachgeschäft Kierzek Weine-Spirituosen befindet sich seit 1920 in der Weitlingstraße in Lichtenberg. Foto: Anthea Schaap

Alkohol ist eine dankbare Ware in Krisenzeiten. Denn Alkohol verdirbt nicht und getrunken wird immer – ob Krieg, Systemwechsel oder Pandemie. Und weil in den vergangenen 110 Jahren hierzulande niemand auf die Idee kam, die Prohibition einzuführen, verkauft Ursula Kierzek mittlerweile in vierter Generation Spirituosen und Weine in einem kleinen Geschäft nahe dem S-Bahnhof Lichtenberg.

Es sei ein Lebenswerk der Männer vor ihr, so die Inhaberin, und nun sei es auch ihr Lebenswerk. 1993 übernahm sie die Geschäftsführung von ihrem Vater. Da war sie 25 Jahre alt. „Anfangs war ich oft in seinem Schatten, das war nicht immer ganz leicht. Zugleich habe ich auch viel von ihm gelernt“, erzählt sie.

Gute Ideen für gute Geschäfte

Ihr Vater Albert Kierzek wurde im Hinterzimmer des Ladens geboren. Damals hatte sein Vater den Laden für Gemischtwaren von seinem Bruder, Ursula Kierzeks Großonkel, übernommen. Dieser hatte wiederum einen weiteren Laden am Kottbusser Tor. Hier lernte Albert Kierzek in der Nachkriegszeit die freie Marktwirtschaft kennen, bevor er das mittlerweile auf Spirituosen spezialisierte Lädchen in Ost-Berlin übernahm.

Mit diesem Know-How wusste der Händler selbst bei den staatlich festgeschriebenen Preisen gute Deals zu machen. Wenn er Lager der Handelsorganisation (HO) mal eine Palette mit beschädigter Ware entdeckte, beseitigte er diese und fragte im Gegenzug nach einer Palette Rosenthaler Kadarka – ein in der DDR begehrter und meist unter der Ladentheke verkaufter Rotwein. Diese sogenannte Bückware hätten sie offen angeboten, erzählt Kierzek.  

Auch das etwas teurere Delikat-Sortiment gab es bei „Kierzek Weine Spirituosen“ zu kaufen. Als Kommissionshändler verdienten sie durch die Provision. Das Geschäft brummte. „Mein Vater hatte immer gute Ideen, von denen alle einen Nutzen hatten“, sagt Kierzek.

Westerfahrung und ein Computer retteten Kierzek Weine-Spirituosen

Nach der Wende waren die Westberliner Arbeitserfahrungen des Vaters Gold wert. Denn plötzlich mussten neue Mieten, Gehälter und Preise selber kalkuliert werden. Für die junge Frau und viele Händler in der DDR war das undurchsichtiges Neuland. Kirzeks erstellten Berechnungen und Verkaufsstatistiken am Computer, den hatten sie schon zu Ost-Zeiten angeschafft.

Sie entwickelten sich zum Fachgeschäft, spezialisierten sich auf Whisky. Über 600 Sorten stehen davon heute in den Holzregalen, dazu 100 Sorten Rum und Gin. Von ihrem Vater lernte die Händlerin auch, auf Kooperation statt Ellenbogen zu setzen. „Ich bin ein Fan von Netzwerken. Miteinander ist besser als Gegeneinander.“ Sie ist Mitorganisatorin des Berliner Whiskyherbstes, engagiert sich im Kiezverein.

Ursula Kierzek hat zwar nicht jeden Tropfen in ihrem Laden gekostet, kennt sich dennoch gut aus - insbesondere bei Whisky. Foto: Anthea Schaap
Ursula Kierzek hat zwar nicht jeden Tropfen in ihrem Laden gekostet, kennt sich dennoch gut aus – insbesondere bei Whisky. Foto: Anthea Schaap

Auf der Suche nach einem besonderen Tropfen kommen ihre Kund*innen mittlerweile aus der ganzen Stadt angefahren. Das Geschäft profitiert von der omnipräsenten Sehnsucht nach Handwerk und Authentizität. „Die Leute wollen uns unterstützen, weil sie gute Beratung und gute Qualität schätzen. Manche kennen sogar noch meinen Opa“, sagt Kierzek. Sie ist stolz auf die Familientradition, aber setzt auf neue Ideen. Das hat sie schließlich durch die Jahrzehnte gebracht.

So lässt die Inhaberin unter einer eigenen Hausmarke verschiedene Spirituosen abfüllen. Der aktuellen Kassenschlager ist „Kierzeks Eiererlikör“ mit Käsekuchen-Geschmack.

  • Kierzek Weine-Spirituosen, Weitlingstraße 17, Lichtenberg, Mo-Fr 10-18:30 Uhr, Sa 10-13 Uhr, mehr Informationen und Online-Shop hier

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