Kommentar

Konsumfeiertag Black Friday: Rabatte, die nach unten treten

Alle Jahre wieder: der Black Friday naht, das Einkaufsevent der Superlative. Auf dem Höhepunkt der dank stetiger Rabattcodes eigentlich ganzjährig währenden Sale-Season profitieren aber primär Onlineshops vom Schnäppchen-Spießrutenlauf. Die kleinen Kiezgeschäfte gehen eher leer aus.

Black Friday, Tag der großen Konzerne und Onlinehändler. Foto: Imago Images/STPP

Früher, als die Welt noch in Ordnung war, gab es zwei rot angestrichene Termine im Kalender sparbewusster Menschen. Sommer- und Winterschlussverkauf. Für die Jüngeren: Da wandelten sich fast alle Einzelhandelsstationen der Stadt zweimal im Jahr in die Wühltischhölle, die Zara immer dann ist, wenn in Versalien SALE an den Schaufenstern klebt.

Ein tolles Konzept – die Läden konnten Ausschussware und Restgrößen zu marginalen Preisen unters Volk bringen, um Platz für neue Saisonware zu schaffen. Das Volk erfreute sich an saftigen Rabatten und Dingen, die mal mehr, mal weniger notwendig waren. Und der Sohn freut sich 20 Jahre später über die Fotos von sich im knallpinken Schneeanzug, den es zum Spottpreis in seiner damaligen Größe gab. Farben sind für alle da.

Black Friday: Heiße Ware zum schmalen Taler…

Ganz anders der Black Friday: Gemäß US-amerikanischer Tradition auf den Freitag nach Thanksgiving fallend, ist der Superspartag Kickoff fürs Weihnachtsgeschäft – nicht Ausschuss, sondern heiße Ware zum schmalen Taler. Schnäppchen für die Verwandtschaft, aber auch für sich, ein dickes Plus in der Kasse des Einzelhandels.

Typisches Bild am Black Friday: Wann der neue Fernseher, wenn nicht jetzt? Foto: Imago Images/Hollandse Hoogte

Was dort regelmäßig zu plünderungsähnlichen Zuständen führt, hat in deutschen Gefilden andere Auswirkungen – hier fahren zeitweise allenfalls mehr Fernseher als Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln. Dieser Tag des Einzelhandels ist in Deutschland ziemlich cyber, folglich findet er pandemiepotent primär online statt – und in Elektronikmärkten.

…nur feiern primär die Großkonzerne und Onlineriesen

Den Löwenanteil der Gewinne streichen Großkonzerne wie Saturn & Mediamarkt, Onlineriesen wie Zalando und natürlich Jeff Bezos’ sympathischer Krisenkrämerladen Amazon – dessen diesjähriger Gewinn sich jüngst auf 6,3 Milliarden Dollar verdreifacht hat. Online gibt es auch gleich eine ganze Cyberwoche lang satte Rabatte, abgeschlossen vom Cyber Monday – der gebeutelte Internethandel braucht schließlich auch seinen Tag.

Für Einzelhandel und prekär beschäftigte Boten ists also nicht bloß ein schwarzer Freitag, sondern gleich eine schwarze Woche: Die einen können durch geringere Lagerbestände und Margen nicht die Preisreduzierung bieten, die noch jemanden hinterm Bildschirm hervorlocken und mit Maske ins Geschäft rennen lassen. Die anderen können sich kaum retten vor der ohnehin irrsinnige Ausmaße annehmenden Paketschwemme. 

Wo sich der schwarze Freitag wirklich auswirkt: In den Paketzentren. Foto: Imago Images/Hans Lucas

Alter Hut, immer gültig: Kauft im Kiez!

Nun sind Kühlschränke für 469 statt 1199 Euro allemal verlockend, Staubsauger ohnehin ähnlich heiß gehandelt wie Smartphones und nie waren die Zeiten besser für Spielkonsolen und Zubehör. Doch die satten Rabatte treten nach unten, denn: Manches davon und fast alles andere gibt es aber auch im eigenen Viertel, zum gleichen oder fast gleichen Preis, verfügbar für alle, die einmal aufstehen. Das spart auch die Versandkosten und den Extra-Artikel zur Vermeidung dieser.

So anders wie dieses Weihnachten ausfallen wird, Amazon & Co. braucht es dazu nicht. Die Mitarbeiter*innen brauchen dieses Bestellvolumen nicht. Und auch wenn es wahrlich nichts neues ist, die Buchhandlung um die Ecke bräuchte es schon. Die berät auch kompetent. Und soziale Kontakte brauchen wir ohnehin alle.


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