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Modehändler David Kramberg über den Ku\damm

Kramberg_c_oliver_wolffHerr Kramberg, 1999 gaben Sie Ihr Modehaus am Kurfürstendamm auf und führten in Moskau die Armani-Boutique. Jetzt sind Sie am Ku’damm wieder mit zwei neuen Läden präsent. Was hat sich verändert?
Der Einzelhandel ist wieder auf den Kurfürstendamm zurückgekehrt. Man spürt, dass er wieder zu dem erwacht, was er immer war. Ende der 1990er drehte sich alles nur um Ostberlin. Viele Händler wanderten damals nach Mitte oder in die Friedrichstraße ab. Der Ku’damm war out.

Warum feiert er ein Comeback?
Das liegt am Boulevard-Charakter, den viele Händler wieder zu schätzen wissen, weil es ihn in der Form im Osten nicht gibt. Die Friedrichstraße, in der ein Haus wie das andere aussieht, ist dagegen seelenlos. Geschäften wie H&M und Zara mag das egal sein. Aber Marken wie ¬Gucci und Dolce & Gabbana bevorzugen alte Strukturen für ihre Läden. Die finden sie nur hier.

Früher war der Kurfürstendamm geprägt von inhabergeführten Modehäusern wie Selbach, Horn und das von Ihnen. Um die Jahrtausendwende sind alle verschwunden.  
Das hat sich eben so entwickelt. Seitdem die Modefirmen selbst in den Einzelhandel eingestiegen sind, ist diese Entwicklung nicht mehr aufzuhalten. Heute sind immer weni¬ger Einzelhändler bereit, in dieser Größenordnung zu investieren, wie das heute große Modefirmen mit ihren Läden tun. Die Mieten sind so immens, viele Einzelhändler können sich das gar nicht leisten.

Ein Einzelhändler, der verschiedene Marken in seinem Laden führt, ist gegenüber den großen Monolabelstores kaum konkurrenzfähig?
Ja, genau. Als es die D-Mark noch gab, war das anders. Sie war so stark, dass Händler wie ich in Frankreich oder Italien preiswert einkaufen konnten. Mit dem Euro und der Erweiterung des Wirtschaftsraums ist es für internationale Modefirmen viel leichter geworden, auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen. Für Marken wie Prada und Hermиs ist das fantastisch. Sie sind die Nutznießer, weil sie die Power haben, ihre Produkte über Zollschranken und allen Bestimmungen hinweg zu vertreiben.

Sie haben nun als Geschäftsführer für das deutsche Kaschmirlabel Witty Knitters und für Dimensione Danza, ein vom Tanzsport inspiriertes italienisches Label, Flagship¬stores eröffnet. Warum für diese Marken?
Dimensione Danza habe ich ausgesucht, weil es diese Art von Mode in Berlin noch nicht gibt. Ihr Stil ist sportlich. Man kann die Sachen zum Yoga, Tanzen und zum Fitness anziehen. Gleichzeitig sind sie so schick, dass man sie auch auf einer Party tragen kann.

Und was gefällt Ihnen an Witty Knitters?
Die Farbigkeit. Die Sachen sind sehr frisch – ob das nun Pullis, Hosen oder Blusen sind. Sie haben nichts von diesem verstaubten Kaschmir-Image.

Wer sind Ihre Kunden?
Zu 50 Prozent ist unsere Klientel russisch. In Charlottenburg leben ja viele Russen. Es kommen aber auch viele Kunden aus Lettland und der Ukraine, die hier Urlaub machen.

Nach Ihrem Moskau-Aufenthalt müssten Sie gut Russisch können.
Ich verstehe die Sprache, aber selber sprechen fällt mir schwer. Dafür habe ich aber auch meine Russisch sprechenden Mitarbeiter.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung Berlins in den letzten Jahren?
Man erkennt langsam, dass Berlin zur Hauptstadt herangereift ist: Die Regierung und sämtliche Botschaften sitzen hier. Und mit ihnen kehrt auch der Luxus ein. Hinzu kommt, dass der Tourismus enorm gestiegen ist. Früher hatte man immer das Gefühl, dass die Deutschen ihre Hauptstadt nicht lieben. Das ist auch ein Grund, warum sich das hier alles so langsam entwickelt hat. Doch jetzt müssen sie ihre Hauptstadt lieben.

Interview: Wolfgang Altmann

Foto: Oliver Wolff

Witty Knitters Store Kurfürstendamm 175, Wilmersdorf,  Mo–Sa 10–19 Uhr

Dimensione Danza Store Kurfürstendamm 178–179, Wilmersdorf, Mo–Fr 10–19 Uhr, Sa 10–18 Uhr

 

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