Shopping

Modemeile Mulackstraße

Wenn Lizzy Herzer, Anwohnerin in der Mulackstraße, mit ihren Zwillingen nach draußen geht, kann sie das nahende Wochenende akustisch vernehmen. „Man hört es an den Geräuschen der Rollkoffer, die ab
donnerstags durch die Mulackstraße gezogen werden. Mit geschultem Blick hat die
PR-Frau erkannt, wer unterwegs ist: „Es sind Besucher aus München und Hamburg,
die das Wochenende gezielt zum Designermode-Shopping nutzen.“

Louisa HeckingNicht nur in deutschen Metropolen hat es sich
herumgesprochen, dass Fashion-Fans in der Mulackstraße auf ihre Kosten kommen.
„In meinem Laden tauchen viele Ausländer mit Fashion-Führern auf, die in Berlin
Designerläden abklappern“, erzählt Louisa Hecking, die für ihr Geschäft und
Label Hecking gleichermaßen praktische wie edle Taschen entwirft. Dass die bei
ihr angebotenen Accessoires preislich eher in einer gehobenen Kategorie
angesiedelt sind, scheint hier niemanden zu stören. „Meine Kunden stammen aus
kreativen Berufen, kommen in der Welt herum. Die wissen, dass gute Arbeit ihren
Preis hat.“

 

Den Hype um die Mulackstraße
hat Yasmine Gauster angestoßen. 2002 eröffnete sie in hier den Bless Shop Berlin,
ein Geschäft, das Mode, Möbel oder Tapeten der beiden Designerinnen Ines Karg
und Desirйe Heiss führt. 2004 machte sie, nur ein paar Häuser weiter, den Laden
A.P.C. auf, in dem – exklusiv in Berlin – die schlicht gehaltenen Kollektionen
des gleichnamigen französischen Kultlabels zu haben sind. Zwischendurch lockte Yasmine
Gauster mit temporären Ladenkonzepten weiteres Publikum an. Und zuletzt hat sie
ihr Laden-Portfolio um den unbeschrifteten „Weißen Laden“ erweitert, in dem
etwa die Kollektion der aus Pakistan stammenden Zille Homma Hamid angeboten
wird.

FourstoreUnsichtbare Netze spannen sich auch zwischen den
anderen Läden in der Mulackstraße. „Ich bin Interieur-Designer“, erzählt Ramon
Merker, einer von vier Betreibern des Fourstore, eines seit Juni 2007 hier
ansässigen Concept-Ladens, in dem Designermode oder -wohn- accessoires einander ergänzen.
„Ich habe, ein paar Häuser weiter, den Laden von Leyla Piedayesh eingerichtet,
lala Berlin.“ Eine Tätigkeit, die in eine Freundschaft mündete. Obwohl die
Stile der knapp ein Dutzend Modeläden in der Mulackstraße sehr unterschiedlich
sind, prägt gegenseitiger Respekt die Stimmung. Rebekka Braun, Mitbetreiberin
des neu eröffneten Ladens Van Reimersdahl – er liegt genau genommen auf der Gormannstraße
– etwa findet die feenhaften Abendkleider der vietnamstämmigen Designerin Thu Ha Duong von schräg gegenüber „wunderschön“.
Wobei die Van-Reimersdahl-Kollektion selber sportlich-urban und vor allem sehr
kunstbetont daherkommt.

Starstyling

Künstlerisch durchdacht
wirken auch die Kollektionsteile von Katja Schlegel, Designerin hinter dem
Label und Laden Starstyling. Capes aus vielfarbigen Ballonseidenstreifen sind
darunter oder weite T-Shirt-Kleider, die durch metallisch glänzende Aufdrucke
auf sich aufmerksam machen. Stücke, für die sich DJs, Künstler oder Biennale-Besucher erwärmen. Deren Nachhut allerdings, etwa Touristen, die sich
auf der Suche nach dem Hackeschen Markt verlaufen haben, machen Katja Schlegel
manchmal sprachlos. Angesichts der bunten Mode-Kreationen hätten die nur einen Gedanken:
„,Hält die Farbe auch nach dem Waschen?‘, ist das Einzige, was sie über meine
Sachen wissen wollen.“

 

Text: Eva Apraku

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