Hutmacherin Rike Feurstein

Hüte machen und Tierschutz

Ein Interview mit der Berliner Hutmacherin

Frau Feurstein, in Ihrer Kollektion finden sich Männerhüte, Frauenhüte und Mützen. Die Designs sind innovativ. Wie beschreiben Sie Ihre Mode?

Rike Feurstein Ursprünglich habe ich die Juristerei betrieben. Dann habe ich aber erkannt, dass mich Rechtsstreitigkeiten weit weniger interessieren, als etwas Schönes zu erschaffen. Daraufhin habe ich habe mich in Richtung Familientradition orientiert: Großväterlicherseits gab es eine Textilmanufaktur, in der auch innovativ mit Stoffen gearbeitet wurde. Ich hatte also immer schon viel mit Stoffarten, Webtechniken und Materialien zu tun. Hüte sind für mich ein starkes Accessoire, das jedes Outfit sehr verändern kann. Mich interessiert auch der 3D-Ansatz, den man bei Hüten braucht: Man arbeitet nicht nur mit einem einfachen Schnittmuster, sondern quasi skulptural. In New York und London habe ich dieses Handwerk erlernt und bin dann nach Berlin gezogen.

Außerdem züchten Sie Rotkopfschafe.

Mit der Zeit habe mich immer stärker für die Materialen selbst interessiert, aber auch für die Aspekte Tierwohl, alte Tierrassen und altmodische Techniken. Ich habe mich also umgeguckt nach einer alten Schafsrasse, die eine Wolle hat, die man auch gut verarbeiten kann. Von der Rotkopfschaf-Rasse gibt es in Deutschland nur noch 150 Tiere. Ihre Wolle war lange Zeit berühmt für ihre weiche Struktur, weil sie nicht auf der Haut kratzt. Als mit der Zeit viele Bergbauern in Frankreich ihre Farmen aufgeben mussten, ist die Population aber immer weiter geschrumpft. Die letzte Herde wurde 1983 von deutsch-französischen Tierschützern gerettet, und daraus entstand die jetzige deutsche Population. Meine Herde habe ich über die Jahre aufgebaut, teils aus dem Berliner Tierpark und teils von anderen Züchtern. 2014 habe ich ganz klein mit einem Weibchen und sechs Böcken angefangen – und habe inzwischen 80 Tiere.

Wie lässt sich die Schafszucht mit Ihrer Handwerkskunst verbinden?

Der Erlös aus den Produkten dient sozusagen dem Erhalt meiner Herde. Dadurch dass ich die Produktion der Wolle kontrolliere, weiß ich, dass meine Schafe es gut haben. Ich lege auch Wert darauf, dass unsere Tiere ganz vorsichtig geschoren werden. Obwohl ich mit 40 Böcken eine ziemlich große Boys-Group habe, wird natürlich auch keines der Tiere geschlachtet.

Wie wählen Sie die Materialen aus, die Sie in Ihrer Kollektion verwenden?

Ich achte sowohl auf das Wohl der Tiere als auch darauf, dass die Herstellung möglichst schonend für die Umwelt ist. Ich arbeite viel mit Naturmaterialien wie zum Beispiel Alpaka-Wolle und Naturgarnen ohne schädliche Einfärbungsprozesse. Gleichzeitig muss die Produktion aber auch ethisch für den Menschen sein, weil ich keine ausbeutenden Firmen unterstützen möchte. Ansonsten wähle ich möglichst langlebige Materialien, damit der Kunde ein hochwertiges Produkt bekommt.

Wie sehen Ihre Zukunftsprojekte aus?

Wir sind dabei, auch andere Arten von Wolle von seltenen Tierarten in unserer Produktion auszuprobieren. Mich interessieren auch andere Produktbereiche wie Tier-Ware, also Kleidung oder Decken für Haustiere. Wir haben zum Beispiel schon eine Hundekollektion mit kleinen Outfits, die natürlich in ihrer Ästhetik zu dem Rest der Kollektion passt.

Interview: Elliot Zehms
Foto: Rene Fietzek

Rike Feuerstein, Foto: Rene Fietzek

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