Shopping

Sandra Umann über ihr veganes Modelabel Umasan

Frau Umann, wie beurteilen Sie den Stellenwert veganer Mode in unserer Gesellschaft?
Die Modebranche hinkt, was das Bewusstsein angeht, noch sehr hinterher. Als wir vor drei Jahren gestartet sind, wurden wir als Außenseiter betrachtet. Inzwischen gibt es mehr Interesse dieser Thematik gegenüber und langsam auch mehr Offenheit.

Gegenüber der Mode oder der veganen Ernährung?
Gegenüber beidem. Heute weiß man, dass der vegane Lifestyle der Gesundheit sehr zuträglich ist, und er hat einen hohen kulinarischen Anspruch. Mit der Mode ist das genauso: Unsere Kleidung kann viel mehr als normale Kleidung. Sie tut auch Gutes für die Haut.

Inwiefern?
Unsere Stoffe werden aus verschiedenen Holzsorten und Pflanzen gewonnen. Und zwar in einem zu 100 Prozent reinen, natürlichen Prozess ohne irgendwelche chemischen Zusätze in der Produktion. Sie ist weitestgehend auf Wasser basiert und wir brauchen keine Oberflächenbehandlung. Zudem werden die Fasern zum Beispiel mit Algen oder Zinkelementen angereichert. Das sind Mineralien, die man aus Bodylotions oder Hautcremes kennt. Beim Tragen werden diese dann an die Haut abgegeben und es stellt sich eine beruhigende und pflegende Wirkung ein. Deshalb benutzen wir auch gerne die Beschreibung „Kosmetik für die Haut“ für unsere Mode.

Welche Stoffe verwenden Sie noch?
Wir verarbeiten auch Materialien aus Sojaproteinen und Zuckerfasern, die als Abfallprodukt in der Lebensmittelindustrie entstehen. Bei den Zutaten achten wir sehr genau darauf, keine tierischen Materialien einzusetzen. Zum Beispiel verwenden wir Steinnussknöpfe.

Weiterlesen: Von wegen Verzicht – Eine neue Generation von Veganern und
Vegetariern erobert gerade die ?gastronomische Szene.

Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?
Unsere Mode ist puristisch, im Detail durchdacht und eher still, auch in den Farben. Wir verwenden hauptsächlich Schwarz und Weiß und ein wenig Grau, um den Fokus auf die Form zu legen und um ein zeitloses Produkt zu schaffen. Meine Schwester Anja hat bei Yohji Yamamoto die asiatische Schnittführung, die sehr viel Flexibilität zulässt, studiert. Funktionalität spielt also eine wichtige Rolle.

Wie stehen Sie zur schnelllebigen Modeindustrie?
Das Phänomen Fast Fashion betrachten wir als eine endliche Bewegung. Wir sehen es als Notwendigkeit an, in der doch sehr oberflächlichen Modebranche Entschleunigung und eine neue Werteorientierung zu propagieren. Uns ist es wichtig, ein ganzheitliches Konzept umzusetzen, das Mensch und Umwelt respektiert. Wir kehren damit wieder zu einem Werteverständnis zurück, was Mode im eigentlichen Sinne ist, nämlich Bekleidung. Trotzdem bieten wir eine Alternative ohne Verzicht. Denn ich glaube, dass es nur so in unserer Gesellschaft funktionieren kann.

Weiterlesen: In keiner anderen deutschen Stadt floriert der vegane Lifestyle so sehr wie in Berlin. ?Jetzt zieht auch die Mode nach.

Wen möchten Sie mit Ihrer Mode ansprechen?
Nicht unbedingt nur Veganer, sondern vor allem eine designaffine Menschengruppe, die vom Ökoschick der 90er-Jahre abgeschreckt war. Diese Zielgruppe erreichen wir aber nur mit gutem Design und Innovationen. Unser ganzheitliches Konzept mit einem ökologisch vertret-baren Produkt aus veganen Fasern gibt es dann quasi on top.

Interview: Wolfgang Altmann

Umasan? Flagship-Store & ?Showroom ?Linienstraße 40, Mitte, Mo, Mi–Sa 11–19 Uhr, www.umasan-world.com

 

Mehr über Cookies erfahren