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Skandinavisches Design in Berlin

stilraum_berlin„Leichtigkeit, Nachhaltigkeit und hochwertige Materialien sind typisch für skandinavisches Interieur Design. Möbel werden bei uns traditionell so hergestellt, dass sie Generationen überdauern“, sagt Sigurd Larsen, Architekt und Möbeldesigner aus Kopenhagen. Alles Eigenschaften, die nicht nur in Dänemark, sondern auch im Rest der Welt gut ankommen. Larsen betreibt seit 2009 sein Design-Studio in einem Kreuzberger Hinterhof. Er ist selbst die beste Werbung für „Made in Scandinavia“. Freundlich, offen, gut aussehend und auf dem besten Weg, ein internationaler Exportschlager zu werden. Sein „Concrete Table“ ist ein gutes Beispiel für die visuelle Schwerelosigkeit, die fast allen skandinavischen Möbeln anhaftet. Denn trotz der verwendeten Baustoffe wie Beton und Massivholz wirkt sein Tisch leicht und beinahe schwebend. „Skandinavische Möbel stehen eigentlich immer auf Beinen. Das klassische dänische Sofa beispielsweise. Durch seine vier Beine ist es lichtdurchlässiger und mobiler als ein italienisches Sofa, das durch seine Materialien und seine Masse eher auf dem Boden zu liegen scheint. Der Mangel an Licht in meiner Heimat ist sicherlich einer der Hauptgründe für diese Gestaltungsentscheidung“, weiß Larsen. Doch nicht nur die lange Dunkelheit unterscheidet Skandinavien vom restlichen Europa. „Es ist typisch für Skandinavier, Freunde nach Hause einzuladen. Das Heim ist daher etwas sehr Repräsentatives, das man bewusst einrichtet.“

ailine_liefeldmay_at_marronUnd das lassen sich die Skandinavier ­etwas kosten. Die Finnen beispielsweise ­geben den Großteil ihres Geldes für Inte­r­i­-eur aus, die Franzosen hingegen für gutes Essen. Susanna und Kari Kenetti betreiben das ­Möbel- und Lampengeschäft KIPPIS in Berlin Mitte. Die Finnen haben ihre Leidenschaft für skandinavisches Design zum Beruf gemacht. Besonders die weltberühmten finnischen Glaswaren aus den 50er-Jahren liegen ihnen am Herzen. „Unsere Topseller sind aber eher die Leuchten von Alvar Aalto und Harri Koskinen. Außerdem das Geschirr ­Kilta von Kaj Franck.“ Sammler aus ganz Deutschland und Europa kommen in ihren kleinen Laden, um Objekte der finnischen Designikonen zu kaufen. Der Hype, den diese Gebrauchsgegenstände beinahe 60 Jahre nach ihrem Entstehen erleben, wäre aus Sicht der skandinavischen Designer der 50er-Jahre sicherlich überraschend.

„Viele der Möbel, die heute Designklassiker sind, waren eigentlich gar nicht als ­Designobjekte angelegt, sondern wurden für Grundschulen oder Supermarktketten ­entworfen“, erklärt Sigurd Larsen und führt ­weiter aus, dass „der Aufbau des Wohlfahrt­staates viele berühmte Architekten dazu veranlasste, kostenlos Möbel für das Gemeinwohl zu entwerfen.“ So entstanden innerhalb einer Dekade die berühmtesten Möbelstücke der skandinavischen Designgeschichte. Während der Großteil der Deutschen in den 50er-Jahren in Eiche rustikal lebte, die Frauen an die Herde zurückkehrten und der Heimatfilm die kriegsversehrte Seele wärmte, entwickelte sich in Skandinavien eine beinahe vorbildlich gleichberechtigte Gesellschaft. Frauen wie Armi Ratia, Gründerin der finnischen Designmarke Marimekko, oder die Architektin Aino Aalto, deren Glaswaren für das Label Iittala noch heute ein Beispiel für zeitloses Design sind, prägten den Stil Skandinaviens ebenso wie die Entwürfe ihrer männlichen Kollegen Arne Jacobsen oder Kaj Franck.

NORR11_Image_2012_16Auch Karina Mencke und Marcus Vagnby arbeiten gemeinsam daran, die Welt ein wenig schöner zu machen. Sie lernte Bildhauerei, er studierte Architektur. Beide absolvierten ein Studium in Produktdesign. Für das deutsch-dänische Designerpaar mit Hauptwohnsitz in Kopenhagen ist es kein Widerspruch, ein Hausprojekt auf Bali umzusetzen und einen Backpinsel zu entwickeln, der nicht haart. Diese Arbeitsweise ist auch Sigurd Larsen vertraut. „Das interdisziplinäre Arbeiten hat in Skandinavien eben eine lange Tradition. Arne Jacobsen zum Beispiel hat das SAS Royal Hotel in Kopenhagen gebaut und vom Besteck bis zu den Möbeln alles entworfen.“ Wie fast allen skandinavischen Designern geht es auch Mencke und Vagnby darum, dass ein Gegenstand schön und funktional sein muss. Ihre reduzierten Designs und smarten Produkt­entwicklungen haben sie in Dänemark bereits bekannt gemacht. Jetzt wollen sie international durchstarten. „Momentan vermarkten wir unsere Lampe ‚Snowflower‘. Außerdem erhoffen wir uns großen Erfolg mit einer neuen Thermoskanne, in der man Kaffee zubereiten und gleichzeitig warm halten kann. Unser Ziel ist es immer, auch die kleinen Dinge des Lebens so zu gestalten, dass sie Sinn machen, gut funktionieren und schön anzusehen sind.“

Dieser große kreative Output der nordischen Designer ist jedoch kein Zufall. Der hohe Praxisanteil an skandinavischen Hochschulen lässt Raum für Inspiration. „Das freie Experimentieren mit verschiedenen Werkstoffen wie Holz, Metall oder Keramik hat sicherlich zu vielen neuen Ideen geführt“, glaubt auch Karina Mencke. Und Sigurd ­Larsen ist sich sicher, dass „Innovationen immer einen kreativen Spielraum brauchen, um entstehen zu können.“ Welchen Stellenwert das Thema Design in Skandinavien hat, zeigt auch das Engagement der nordischen Botschaften. Auf den Internetseiten der schwedischen Botschaft in Berlin finden sich neben kulturellen Veranstaltungen auch zahlreiche Events rund um Architektur, Design und Innovation. Ab dem 12. Juli findet in den Räumen der Botschaft unter anderem die Ausstellung ­“Nordic Design Today“ statt, die zeitgenössisches Möbel-, Mode- und Produktdesign ausgewählter Preisträger präsentiert. Eine gute Möglichkeit also, die neue Generation der skandinavischen Kreativen kennenzulernen. Vielleicht gibt es ja ein paar Inspirationen für die eigenen vier Wände.

Text: Dina Herrler

Fotos: Stilraum Berlin (oben), Hay @ Marron (Mitte) / Ailine Liefeld, Norr 11 (unten)

WEITERE INFOS:

Sigurd Larsen www.sigurdlarsen.eu

Mencke & Vagnby www.menckevagnby.com

Schwedische Botschaft Berlin www.swedenabroad.com

SHOPS IN BERLIN:

Boconcept Strausberger Platz 19, Friedrichshain; Friedrich­straße 63, Mitte; Kantstraße 17, ­Charlottenburg, www.boconcept.de, Mo–Sa 10–19 Uhr

Hay @ Marron Auguststraße 77–78, Mitte, www.hayberlin.de, Mo–Fr 11–19, Sa 11–18 Uhr

Iittala Friedrichstraße 158–164, Mitte; Münzstraße 7, Mitte, www.iittala.com, Mo–Fr 12–20, Sa 12–19 Uhr

Kilda Hufelandstraße 17, Prenzlauer Berg, www.kilda-berlin.de, Mo–Fr 10–18, Sa 10–16 Uhr

Kippis Torstraße 147, Mitte, www.kippis-design.de, Mo–Fr 11–20, Sa 11–16 Uhr

Marimekko Alte Schönhauser Straße 42, Mitte, www.marimekko.com, Mo–Fr 11–20, Sa 11–19 Uhr

Norr 11 Litfaß-Platz 2, Mitte, www.norr11.com, Mo–Fr 11–20, Sa 11–19 Uhr

Scandinavian Objects Rykestraße 31, Prenzlauer Berg, www.scandinavianobjects.com, ­Mo–Fr 11.30–19, Sa 11.30–17 Uhr

Stilraum Berlin Eldenaer Straße 21, Friedrichshain, www.stilraumberlin.de, Di–Fr 12–19, Sa 14–18 Uhr

Stue Torstraße 70, Mitte, www.stueberlin.de, Mo–Sa 13–19 Uhr

Tempo Berlin Gartenstraße 3, Mitte, www.tempoberlin.com, Di-Fr 10.30–18.30 Uhr, Sa 12–17 Uhr

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