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Über untragbare und tragbare Mode

Mode mus tragbar/untragbar sein

„Einiges davon war sogar tragbar“, sagte die Kollegin nach einer Modenschau während der Fashion Week. Ist das das wichtigste Kriterium, wenn es um Mode geht? Es herrscht bei uns kein Mangel an Kleidung in allen Preislagen. Alles ist tragbar, wenn man sich in Kaufhäusern und bei Textilketten umschaut. Wenn bei einer Modenschau Trends, Ideen und Statements präsentiert werden, dann möchte man Neues und Kreatives sehen. Es ist Zeit, sich von der „Tragbarkeit“ zu verabschieden – und sie erst wieder zu begrüßen, wenn andere Kriterien erfüllt sind.
Heute ist es wichtig, wie Kleidung produziert wird, unter welchen Arbeitsbedingungen, aus welchen Materialien, mit welchen Folgen für Energiebilanz und Umwelt. Und Mode soll neu und besonders sein. Sie lässt ein Kleidungsstück hervorstechen aus den Unmengen, die weltweit produziert werden.
Der Modedesignerin Marina Hörmanseder ist das Spiel mit Tragbarkeit/Untragbarkeit bei der Modewoche besonders gut gelungen. Im Mittelpunkt der Schau stand ein Kleid als Konzeptstudie. An diesem Modell zeigte die Berlinerin mit österreichischen Wurzeln ihre Sicht auf Mode und ihre ganz eigene Komposition aus Materialien, Formen und Farben. Alltagstauglich ist das nicht. Als das Modell auf dem Catwalk Probleme mit ihren High Heels hatte, kam ihr Modellkollegin Eva Padberg, die in der ersten Reihe saß, zu Hilfe und schaffte die Schuhe des Modells beiseite.
In den anderen Kleidern der Kollektion fanden sich jene Materialien, Formen und Farben wieder, nun in eine tragbare, aber nicht weniger überraschende Form gebracht. Für viele Modeprofis war genau diese Präsentation das überragende Ereignis in diesem Jahr.
Die besten Designer, wie auch Saљa Kova?evic oder Esther Perbandt, ebenfalls Highlights der Modewoche, überzeugen zuerst mit Ideen. Später, wenn aus Konzepten Mode wird, entstehen tragbare Kleider, die man im Alltag tragen kann, ohne dass einem jemand zu Hilfe springen muss, weil man sich nicht bewegen kann.

Info
KaDeWe, Tauentzienstr. 21-24, ?Schöneberg

Konk Berlin, Kleine Hamburger Str. 15, Mitte

Online-Shop
www.marinahoermanseder.com

Kunst und Mode
Im besten Fall verbinden sich Kunst und Mode, Kreativität und Tragbarkeit. Empfehlungen zum Thema.

Esther Perbandt
Die Berliner Designerin lieferte bei der Modewoche ein Gesamtkunstwerk ab. Ihre Präsentation „Tears for the Impatient“ wurde von einer Sopranistin und einem Countertenor begleitet. Die aktuelle Kollektion ist im Shop zu sehen.
Almstadtstr. 3, Mitte, Mo–Sa 10–19 Uhr, ?Sa 12–18 Uhr

Sadak
Saљa Kova?evic, Absolvent der Kunsthochschule -Weißensee, verband in seiner neuen Kollektion islamische Kultur und urbanen Zeitgeist, ließ die Geschlechtergrenzen verschwimmen. Männer trugen rückenfreie Niqabs in Schwarz und Pastelltönen.
Studio (tel. Anm.: 31 17 20 08), Prinzenstr. 39, Kreuzberg, www.sadak.com

Augustin Teboul
Das deutsch-französische Designerinnen-Duo aus Annelie Augustin und Odйly Teboul präsentiert seine Entwürfe regelmäßig in Galerien, zuletzt als Ausstellung von Fotos von Ellen von Unwerth. www.augustin-teboul.com

Darklands
Hier gehen Kunst und Kleidung eine Symbiose ein – Avantgarde ist die Voraussetzung, um hier gelistet zu werden. Mode als Hochkultur. Nur noch bis September.
Gebäude 7, Heidestr. 46-52, Tiergarten,?Mo–Sa 12–19 Uhr

Ombre Store
Schon die Ladengestaltung lässt es erahnen: Hier wird Avantgarde-Mode zelebriert. Hauptsächlich italienische Designer sind im Angebot – aber ohne die üblichen Verdächtigen.
Gipsstr. 5, Mitte, Mo 14 Uhr, Di–Sa 12.30–19.30 Uhr

Do Fard
Perfektes Timing: In der Galerie Uqbar zeigt die Deutschiranerin Anahita Razmi eine Mode-Kunst-Installation – beinah symbolisch für neue Handelsbeziehungen nach dem Atomvertrag. Verkauft wird Unterwäsche aus dem Iran, hergestellt in einem Vorort der Hauptstadt, sonst nur erhältlich in einem kleinen Laden auf dem Basar von Teheran. „Do fard“ heißt auf Deutsch „zwei Individuen“.
Bis So 9.8., Schwedenstr. 16, Wedding, ?Di–Sa 13–19 Uhr

Text: Stefan Sauerbrey

Foto: ©Trevor Good

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