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Kanupolo in Berlin: Mit Paddel, Helm und Ball Richtung Tor

Kanupolo, was ist das denn? Diese Frage gehört leider genauso zu dem spektakulären Mannschaftssport wie Paddel, Helm und Ball. Obwohl Kanupolo einzigartige Action zu bieten hat und allein in Deutschland mehr als 100 Vereine den Sport ausüben, haben viele Menschen noch nie davon gehört. Das ist sehr schade. Hier erfahrt ihr alles über den wunderbaren Sport, wo in Berlin zugeschaut oder selbst ins Einzelkajak gestiegen werden kann und warum Kanupolo so viel mehr Aufmerksamkeit verdient hat.

Kanupolo ist ein sehr körperbetonter Sport und bietet spektakuläre Aktionen. Besonders intensiv sind die Anstoßduelle, bei denen im Sprint leidenschaftlich um den Ball gekämpft wird. Foto: Imago/Tischler

Kanupolo, was ist das denn?

Kanupolo ist ein Manschaftssport, bei dem zwei Teams mit jeweils fünf Spieler:innen gegeneinander antreten. In wendigen Einerkajaks sitzend wird hierbei versucht, den Spielball mit der Hand oder dem Paddel ins Tor zu befördern. Die Tore hängen zwei Meter über der Wasseroberfläche. Der Ball kann also mit dem Paddel abgewehrt werden. Es wird mit fliegenden Torhüter:innen gespielt, intensive Konter und legendäre Paddelsprints sind also vorprogrammiert. Die Spielfeldgröße beträgt normalerweise 23 × 35 Meter, die Spieler:innen müssen also im sehr wechselhaften Spiel eine beachtliche Paddelstrecke zurücklegen. Gespielt wird auf ruhigen Gewässern wie Seen, Flüssen und Kanälen, Turniere werden teilweise auch in Schwimmbädern ausgetragen.

Der Ball wird mit Hand oder Paddel ins zwei Meter hohe Tor befördert. Die Torhüter:innen versuchen, mit dem Paddel abzuwehren. Foto: Jochen Tack

Kanupolo erinnert mal an Handball, mal an Eishockey

Beim Kanupolo geht es schon mal härter zu. Zum Schutz müssen daher gepolsterte Westen und Helme mit Visier getragen werden. Außerdem werden an Bootsspitze und Heck Schaumstoffpuffer angebracht, um die Zusammenstöße etwas abzudämpfen. Allerdings sind nicht nur Fitness, Schnelligkeit, Wendigkeit und Kraft entscheidend, sondern auch eine ausgefeilte Taktik. Diese erinnert häufig an Basketball und Handball. So gibt es auch beim Kanupolo Center, die sich in der Nähe des Tores befinden, die Abwehr durcheinanderbringen und auf Torchancen warten. Genauso wird häufig in Manndeckung verteidigt und auf schnelle Konter gehofft.

Spielintensität, Tempo und Körpereinsatz erinnern wiederum eher an Eishockey. Die Spieldauer beträgt standardgemäß zwei mal zehn Minuten. Bei einem Unentschieden in Entscheidungsspielen geht es in die Verlängerung, die ausgespielt wird, bis das entscheidende Golden-Goal erzielt wird.

Wie bei anderen Sportarten gibt es unterschiedliche Leistungsklassen. Die Bundesliga ist hierbei die höchste Klasse und setzt sich aus zwölf Teams bei den Männern und acht Teams bei den Frauen zusammen. An fünf beziehungsweise zwei Spieltagen entscheidet sich hierbei Abstieg, Klassenerhalt und Meistertitel. Es gibt auch internationale Mixturniere, Welt- und Europameisterschaften. Bei der letzten Weltmeisterschaft, die 2016 in Italien ausgetragen wurde, traten 24 Männer-Nationalteams und 20 Frauen-Nationalteams an.

Kanupolo wird also in vielen Ländern der Welt auf hohem Niveau gespielt. Kanupolo ist Programmsportart bei den World Games und erfreut sich stetig wachsender Beliebtheit. Seit Jahren wird versucht, Kanupolo zu einer olympischen Sportart zu machen. Verdient wäre es auf jeden Fall.

Kanupolo in Berlin: Wo kann es ausprobiert, gespielt und bestaunt werden?

In Berlin hat sich in den letzten Jahren eine rege Kanupolo-Szene etabliert. So gibt es vier Vereine in der Hauptstadt, die große Erfolge feiern und einige Nationalspieler:innen hervorgebracht haben. KCNW, VKB, VMW und der KSV Havelbrüder liegen allesamt an offenen Gewässern in Spandau. Regelmäßig werden hier Turniere wie die internationale HOKA Spring Challenge am Hohenzollernkanal ausgetragen.

Auch die Ostdeutsche Meisterschaft findet immer wieder in Berlin statt. Der Verein für Kanusport Berlin (VKB) veranstaltet seit einigen Jahren den Kanupolo-Fun-Cup, bei dem Anfänger:innen von einem Profi angeleitet werden und verspielt gegeneinander antreten. Das Turnier ist ein Riesenspaß, neben den Amateurspielen gibt es immer gute Musik, preiswerte Cocktails und leckeres Essen. Am Ende gibt es ein Profispiel zu bestaunen und nach der Siegerehrung wird wild gefeiert. Ob der Fun-Cup dieses Jahr wieder stattfinden kann, ist leider noch nicht klar.

Die internationale HOKO Spring Challenge findet auf dem Hohenzollernkanal statt und ist durch die freundschaftliche Stimmung und spannende Spiele immer ein wunderbares Erlebnis. Foto: Imago/Rech

Seit einigen Jahren bieten auch Schulen und Universitäten Kanupolo an. So sind die Freie Universität und die Technische Universität stolz auf ihre eigenen Teams. Wer sich in das kleine wackelige Kajak traut, wird bestimmt begeistert von dieser einzigartigen Sportart sein und direkt zielstrebig aufs Tor werfen wollen. Sollte man dann doch mal das Gleichgewicht verlieren, gibt es eine kleine Erfrischung kostenlos dazu. Wer lieber am sicheren Ufer bleiben möchte, sollte sich trotzdem nicht entgehen lassen, ein Turnier zu besuchen oder sich einfach mal auf den Saatwinkler Steg zu stellen und das sportliche Treiben auf dem Hohenzollernkanal zu genießen.

Die eingeschworene Kanupolo-Community ist aufgrund der Nischensportstellung innig und freundschaftlich. Trainer:innen, Spieler:innen und Fans kennen sich oftmals seit vielen Jahren und pflegen ein gutes und faires Verhältnis zueinander. Außerdem freut man sich hier über jeden Besuch und das Interesse an der besonderen Sportart. Es bleibt zu hoffen, dass Kanupolo eines Tages olympisch wird und die verdiente Aufmerksamkeit erhält.


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