Kalt

Eisbaden in Berlin: Effekte, Gruppen – und Anfänger-Tipps

Auch wenn in Berlin weit weniger Eis und Schnee vorkommen als beispielsweise in skandinavischen Ländern – Eisbaden, also bei winterlichen Temperaturen ins kalte Nass eintauchen, erfreut sich auch hier einiger Beliebtheit. Über die Faszination des ungewöhnlichen Hobbys und was man dabei wissen muss.

Eisbaden: Hier bekommt der „Sprung ins kühle Nass“ gleich noch eine besondere Note. Foto: Imago Images/Fotostand

Eisbaden: Wellnessprogramm für hartgesottene Berliner:innen

Ein jede:r kennt die Irritation, wenn die Temperaturen in den einstelligen Bereich sinken, man selbst beschalt mit dicker Jacke durch die Straßen schlottert und jemand seelenruhig in kurzer Hose und T-Shirt des Wegs kommt. Warum machen die das? Merken die nicht, wie rot ihre Haut bereits ist? Ist denen nicht kalt?

Noch größer bestimmt die Verwunderung ob jener Menschen, die bei derartiger Witterung wöchentlich in einen See steigen. Sollen die doch kalt duschen – aber diese Zurschaustellung von Abgebrühtheit grenzt für Kälteempfindliche glatt an Erregung öffentlichen Ärgernisses.

Dabei, das ist bewiesen, verleiht ein eisiges Bad durchaus gute Laune. Regt Durchblutung und Kreislauf an. Macht wach. Verstärkt den Fokus. Und trainiert Haut und Körper im Umgang mit Kälte. Dazu bedarf es einiger Vorbereitung – und erfahrener Begleitung: Der körperliche Kälteschock kann für Unerprobte schnell überfordernd bis gefährlich werden.

Nicht nur kühler Sport, sondern in Berlin auch Gruppenaktivität

In Berlin gibt es vor allem zwei Gruppen, die sich dem Eisbaden verschrieben haben: Die Berliner Seehunde und die Ice Dippers. Die Seehunde bestehen seit 1980, treffen sich ab Mitte/Ende September wöchentlich im Freibad Orankesee und veranstalten einmal jährlich „Eisfasching“ – dann wird auch kostümiert gebadet. Die Ice Dippers sind etwas loser organisiert, treffen sich bei niedrigen Temperaturen aber ebenfalls einmal wöchentlich zum Eisbaden – in ihrem Fall am Plötzensee, Weißensee oder Treptower Park.

Fällt dieses Jahr aus: Eisfasching mit den Berliner Seehunden. Foto: Imago Images/Emmanuele Contini

Durch die Kontaktbeschränkungsmaßnahmen war das Vereinsgefühl allerdings stark beeinträchtigt, die Seehunde nahmen sogar keine neuen Mitglieder mehr auf – was in der Saison Winter 2021/2022 nun wieder geht. Derzeit haben sie etwa 120 Mitglieder, 30 weitere würde man aufnehmen, teilt der Verein mit. Infos gibt es im Internet.

Die Ice Dippers verzichten ebenfalls aufs Bad in der Menge, gehen aber nach wie vor in Kleingruppen baden. Anfänger:innen und Neugierige können über ihre Webseite entsprechenden Facebook- und Telegram-Channels zwecks Verabredung beitreten.

Nicht direkt rein: Eisbaden braucht Vorbereitung

Die sich für ein Bad in der Kälte interessieren, sollten sich folgendermaßen vorbereiten: Wechselduschen oder kalte Duschen sind ein Anfang, ein bis zwei Minuten. Auch die kalte Badewanne ist zu empfehlen. Auch wenn dies nur Eisbaden light ist, zeigt sich schnell der belebende Effekt. Auch in herbstlichen Temperaturen anfangen und sich langsam an die Kälte gewöhnen ist geraten.

Solltet ihr den tatsächlichen Schritt in den kalten See wagen, gilt vor Ort zu beachten: Eine Unterlage zum darauf sitzen, ein Handtuch, warme Kleidung. Eine Thermoskanne mit wärmendem Getränk ist ebenfalls wichtig. Vorm Gang ins Wasser gebieten sich Atemübungen, die den Sauerstoffgehalt im Körper erhöhen und den Körper vorbereiten.

Obacht: So schwungvoll bitte nur mit viel Erfahrung. Unerfahrene sollten das Eisbaden langsam angehen. Foto: Imago Images/Forum

Das Eisbaden selbst sei erst einmal ein Schock. Unsere Autorin Masha Slawinski beschreibt im Selbstversuch, dass es wie das Gewicht einer sehr schweren Person auf dem Brustkorb anfühle. Erfahrene Eisschwimmer*innen sagen, so etwas spiele sich vor allem im Kopf ab – und verweilen oft stoisch viele Minuten im Wasser. Daraus leite sich eine gewisse Resilienz für den Alltag ab, eine innere Ruhe. 

Kurze Pein, nachhaltiger Segen: Eisbaden als beliebter Gesundheitsboost

Auch Krankheiten beuge man damit vor oder verkürze sie. Allein, wissenschaftliche Bestätigung dazu gibt es nicht, wenn auch Mediziner:innen einen gewissen Placebo-Effekt nicht verhehlen können – es spielt sich, wie es scheint, also auch hier durchaus im Kopf ab.

Eisbaden-Afficionados gemein ist definitiv die Kunst der Überwindung. Manche, wie die Ice Dippers, tun dies allerdings nicht nur für sich selbst: Bei ihren Zusammenkünften sammeln sie, die der Kälte Trotzenden, Spenden für die Kältehilfe – sie Frieren für die Frierenden.

Nach dem Eisbaden: Nachhaltig aufwärmen. Foto: Imago Images/Pixsell

Tipps zum Eisbaden:

  • Langsam eingewöhnen – mit kalten und Wechselduschen zuhaus, mit Badegängen in herbstlichen Temperaturen
  • Nie alleine gehen
  • Erfahrene Begleitpersonen kontaktieren, zum Beispiel die Ice Dippers
  • Vorbereiten: Handtuch, Sitzunterlage, warme Kleidung, heißes Getränk
  • Unmittelbar davor: Atemübungen
  • Nicht zu lange – Anfänger*innen sollten nur kurz ins Wasser
  • Danach: Zügig abtrocknen und wieder anziehen, mit heißem Getränk aufwärmen
  • Vorsicht: Angeschlagene Menschen und Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankung sollten vom Eisbaden absehen

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