Meine Oma hat gerne „leise“ gesagt. Und damit gemeint, dass ein Essen nach wenig schmeckt. Nicht nach der knackigen Säure eines frisch geernteten Salatkopfes, nicht nach der nussigen Erdigkeit einer Winterkartoffel. Kurz: nicht nach dem, was meine Oma von ihrem täglichen Essen und aus ihrer täglichen Arbeit gekannt hat. Der Laden in der Joachimstraße ist in ganz anderer Hinsicht ein leiser Ort. Ganz heimlich wurde er vor rund einem halben Jahr eröffnet und der lauschige Innenhof hinter dem Ladenlokal hier mittten in Mitte hat so gar nichts von der sonst so geschäftigten Freizeitperformance zwischen Hackeschem Markt und Rosenthaler Platz. Ein Hide-away, ein Versteck ist dieser sehr skandinavisch anmutende Ort. Und so sitzt man dann an diesem nicht enden wollenden Buchenholztisch (schöne Dinge aus Holz sind die zweite Hälfte dieses Geschäftsmodells, das Café-Restaurant und Showroom in einem ist) und guckt dabei zu, wie die charmante Belegschaft in den Hochbeeten Pflücksalatblätter zupft. Zugegeben, die eigene Ernte ist nur eine kleine Zutat auf der kleinen Karte. Aber sie steht für eine Idee, die meine Oma ziemlich laut gefundet hätte: naheliegende Speisen aus naheliegenden Produkten. Der mit zwei guten handvoll Gartenkräutern und anderem Grün begleitete Matjes etwa (12 Euro), mit diesem Teller schmeckt man sich raus aus der Stadt. Oder die Vesperplatten mit simplen, handwerklichen Kleinigkeiten, ehrlicher Käse, luftgetrocknete Wurst, Rapsöl, selbstgebackenes Brot. Die (offene) Weinauswahl – wunderbar mittagspausentauglich: der beerig-kräuterige Rosé des jungen Rheinhessen Tobias Knewitz – ist toll kuratiert, ohne aus dem Wein eine Wissenschaft zu machen. Ach ja: Hinter dem Laden stecken die Leute aus dem Lokal, unserem beständigen Lieblingsrestaurant in der Linienstraße. Wer das Lokal kennt, wird auch den Laden lieben. Alle anderen vermutlich auch.

Adresse
Joachimstraße 20, 10117 Berlin
Telefon
030 24048354
Website
www.buchholzberlin.com
Location
Restaurant
Küche
Deutsch