Von der Vergangenheit als Kutschenremise von Sophie-Charlotte zeugt noch das Pferdekopf-Relief an der Fassade. Einst kulinarisch vom McBrides bespielt, bäumt sich in den Heckman Höfen nun das Ross auf. Uri Triest ist Autodidakt, hat sich das Kochen beigebracht, indem er Spitzenköchen im Internet zugeschaut hat. Sascha Bewersdorff, den weinkundigen Restaurantleiter, der klassisch-moderne europäische Tropfen bereits ab 20 Euro die Flasche offeriert, kennt man aus dem Crackers und dem Grill Royal. Von der Oranienburger Straße bekommt man im Ross nichts mit. Kein Verkehrslärm, keine Laufkundschaft. Stattdessen suchen gut gekleidete Stadtmenschen den Weg in die cremeweißen Räume mit original Travertin-Marmor-Boden, Wintergarten und „Haus des Friedens“-Wandlettern. Es gibt zwei Drei-Gang-Menüs (45–49 Euro) oder die Wahl aus vier Vorspeisen (9–13 Euro) und Hauptgängen (21–29 Euro) sowie zwei Desserts (8–10 Euro). Weiß eingedeckte Tische, Stoffservietten, das Geschirr exklusiv von einer Brandenburger Manufaktur gefertigt. Was Triest, der seine Rezepte demnächst ins Netz stellen will, in der offenen Küche kreiert, zeigt eine wunderbare Besessenheit: selbstbewusste, fantasievolle Kreationen wie die Vorspeise „Herzen, Muscheln, Mango“. Doch nicht immer passt das Zusammenspiel der Aromen derart perfekt. Tut bei „Chicorée, Birne, Walnuss und Cheddar“ Frittieren etwas für den Käse? Und bei der schönen Lachsforelle mit Auster, verschiedenen Blumenkohltexturen und Schwarzkümmel bringt der Forellenkaviar etwas zu viel Salz ins Spiel. Möglicherweise fehlt da die Routine eines gestandenen – und ausgebildeten – Profis. In der Summe aber ist mit dem Ross ein schöner, neuer Ort mit Potential an den Start gegangen.

Adresse
Oranienburger Straße 32, 10117 Berlin
Telefon
27 58 34 22
Website
www.restaurant-ross.com
Öffnungszeiten
Mo–Sa 18–23 Uhr
Location
Restaurant
Küche
International