Netzthriller

„Lomo – The Language of Many Others“ im Kino

Im digitalen Strudel: „Lomo – The Language of Many Others“

Foto: Flare Film GmbH/Michal Grabowski

Karl wohnt in einem grünen, wohlsituierten Berlin. Einem Berlin, in dem selbst die Abiturienten noch zuweilen von Mama vor der Schule abgesetzt werden. Karl (stark: Jonas Dassler, Foto, Mi.) ist einer dieser Reifeprüflinge: gut aussehend, Wuschelmähne, ausgebeultes T-Shirt, der Vater ein erfolgreicher Architekt und ein großes Arschloch.

Karl hat eine Zwillingsschwester, Anna. Die weiß genau, was sie machen möchte nach dem Abi: International Communications and Management im kanadischen Ottawa studieren. Karl ist das alles egal: das Abi, die Zukunft, die Karriere seines egoistischen Papas. Er stürzt sich lieber in jeder freien Minute in die Untiefen des weltweiten Netzes und widmet sich seinem „LOMO“ genannten Blog. Überall auf der Welt hat Karls Netz-Tagebuch Follower. Und wenn Karl seine Eltern beim Abendessen mit der Frage konfrontiert, ob sie noch miteinander schlafen, dann findet sich eben diese Szene als Video wenig später auf Karls Blog wieder.

Filme, die sich an der Allmacht des Digitalen abarbeiten, enttäuschen oftmals auf visueller Ebene (man denke an die biedere Kino-Inszenierung des Dave-Eggers-Romans „The ­Circle“). Nicht so der thrillerartige Erstling von Regisseurin Julia Langhof, der es gelingt, Karls Netz-Abhängigkeit mit manch kongenialer Bildfindung zu illustrieren. Der Internet-Kritiker Jaron Lanier hat ein Buch veröffentlicht: „Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst.“ Mit „LOMO“, entstanden im Rahmen der „Leuchtstoff“-Initiative des rbb, liefert Julia Langhof weitere Gründe.

Lomo – The Language of Many Others D 2017, 101 Min., R: Julia Langhof, D: Jonas Dassler, Lucie Hollmann, Eva Nürnberg, Start: 12.7.

 

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