Kino & Film in Berlin

„Looking For Eric“ im Kino in Berlin

Eric coacht Eric: Ken Loach übt in "Looking For Eric" die richtige Taktik für die große Krise ein.

Bei der Post in Manchester herrscht ein gutes Betriebsklima. Nach dem Dienst sitzen die Männer gern noch in der Runde beisammen und tauschen sich über die neuesten Methoden der Lebenshilfe aus: bewusstes Atmen und so Zeug. Nur einer unter ihnen scheint ein hoffnungsloser Fall zu sein. Eric (Steve Evets) ist konsequent schlechter Laune, und das auch noch aus einem schwer nachvollziehbaren Grund: Er trauert seiner großen Liebe Lily (Stephanie Bishop) nach, die er vor einem Vierteljahrhundert (!) verlassen hat. Seither sieht Eric nur noch widerwillig in den Spiegel, und auch in Gesellschaft seiner Freunde gibt er sich störrisch. Eric braucht Hilfe von außen, von ganz woanders – und siehe da, sie kommt: In seinem Zimmer hängt nämlich ein großes Poster von Eric Cantona, der eine große Held für die wahren Fußballfans in Manchester.
Dieser Eric Cantona tritt nun plötzlich leibhaftig in Erics Leben. Er wird sein Freund, er gibt ihm gute Ratschläge, er erklärt ihm, was es auf sich hat mit der männlichen Angst vor dem Versagen, mit dem Respekt vor sich selbst, mit der Taktik in der großen Krise. Und so findet Eric allmählich wieder in das Leben zurück.
Wenn ein sozialrealistischer Regisseur wie Ken Loach so eine Geschichte erzählt, dann ist kein großes Brimborium zu erwarten. Und so ist auch „Looking for Eric“ eine ganz klassische Geschichte aus der englischen Arbeiterklasse geworden. Mit der allergrößten Selbstverständlichkeit behandeln Loach und sein Drehbuchautor Paul Laverty den sehr charismatischen Superstar Eric Cantona als einen Typen aus der Nachbarschaft. Er steht in „Looking for Eric“ auch für den englischen Fußball vor dem Ausverkauf an globale Investoren, für eine spezifische Kultur des sozialen Zusammenhalts.
Das alles ist nicht frei von einem gewissen Populismus, wie er für das Werk von Ken Loach immer dort typisch ist, wo er Optimismus verströmt. Aber dieser Eric ist letzt­endlich ein so sympathischer Kerl (und seine Männergruppe bei der Post so herrlich exzentrisch), dass man ihnen jedes Wunder gönnt. Auch das eines Zusammenspiels mit Eric Cantona!

Text: Bert Rebhandl

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Looking For Eric“ im Kino in Berlin

Looking for Eric, Goßbritannien/Frankreich/Italien/Belgien 2009; Regie: Ken Loach; Darsteller: Steve Evets (Eric Bishop), Eric Cantona (Eric Cantona), Stephanie Bishop (Lily); Farbe, 116 Minuten

Lesen Sie hier: Eric Cantona im Gespräch

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