Pop

Lorde spielt im Tempodrom

Mehr Melodrama: David Bowie höchstselbst hielt Lorde für die Zukunft der Musik

Es ist auch schon wieder drei Jahre her, dass Ella Yellich-O’Connor alias Lorde auf der Bühne der Columbiahalle in Berlin stand und etwas tat, das man von Popstars eigentlich gar nicht kennt: Die Neuseeländerin sang, und zwar zunächst alleine ihr „Glory And Gone“, die Band noch hinter dem Vorhang. Das Publikum schwieg gebannt. Hätte jemand die berühmte Stecknadel in der Tasche gehabt und fallen gelassen, hätte man den Aufschlag trotzdem nicht gehört, denn die Stimme der damals gerade einmal 17-Jährigen füllte die Halle bis in den letzten Winkel aus, wie Zementmasse, die man benutzt, um schiefe Böden zu nivellieren.
Jetzt ist Lorde also zurück, und sie hat quasi angebaut. Der Pop ihres 2013 erschienenen Debüts „Pure Heroine“, der so eigenartig zwischen Teenage Angst und Abgeklärtheit, zwischen großen Melodien und harschen Beats pendelte, wurde auf „Melodrama“ neu austariert. Dabei half Jack Antonoff, früher bei fun., heute einer der wichtigsten Hit-Architekten Amerikas. Er füllte ein paar Löcher im Sound, ermunterte Lorde, sich nicht nur auf ihre Stimme zu verlassen, was ausgezeichnet funktioniert, mal den Hedonistenhouse der 90er-Jahre, mal Eighties-Pop, mal den kontem-porären Stadionrock der Arcade-Fire-Schule ins Gedächtnis ruft. David Bowie, so sagte sein Pianist Mike Garson vor eineinhalb Jahren, soll Lorde als „die Zukunft der Musik“ gesehen haben. Sie ist eine hervorragende Gegenwart, und das ist doch mehr als genug.

Tempodrom Möckernstr. 10, Kreuzberg, So 15.10., 20 Uhr, ausverkauft

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