Lou Dillon im Lido

Lou Doillon

Lou Doillon hat ein Problem, das nicht allzu viele kennen: Erfolg. Die Sängerin ist zeitlebens davon verfolgt gewesen; aufgewachsen als Tochter von Jane Birkin aus der Ehe mit Filmemacher Jacques Doillon, mit einem Stiefvater namens Serge Gainsbourg und der Halbschwester Charlotte Gainsbourg. Noch ehe sie sich über ihre Lebensplanung Gedanken machen konnte, spielte sie schon Rollen in Filmen ihres Vaters wie auch dem Regiedebüt ihrer Mutter; als Tochter einer Stilikone dauerte es zudem nicht lang, bis die Pariser Modehäuser die Frau verpflichteten, die ihrer Mutter so ähnlich sieht. Inzwischen ist die spröde Schönheit bei der Musik angelangt: Offenbar erlaubt die Familientradition kein Entrinnen. Als Motivator der bis dato eher wenig selbstbewussten Künstlertochter, wie sie selbst sagt, betätigte sich Popveteran Йtienne Daho, auch er ein alter Freund der Sippe. Das Ergebnis klingt keineswegs nach einer schweren Geburt, im Gegenteil rollt „Places“ angenehm untertourig dahin; Doillon klingt wie eine Songschreiberin, die schon lang im Geschäft ist, mit einer Stimme, die attraktive Verschleißspuren vorweist. Ihr Tonfall ist unaufgeregt, die schlichte Instrumentierung teils mit dezentem Pop-Schimmer versehen, teils in akustische Americana-Klänge getaucht. Doillons Abgesänge an enttäuschte Lieben intoniert die allein erziehende Mutter auf Englisch ohne jeden französischen Einschlag, anders als Halbschwester Charlotte. Und auch sonst lässt die Sängerin mit dem dunklen Timbre jede Assoziation in Richtung „niedliche Französin“ ins Leere laufen. So sind Verwechslungen mit der Verwandtschaft in jedem Falle ausgeschlossen.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Universal Music

Lou Doillon, ?Lido, Do 12.9., 20 Uhr, VVK: 18 Euro zzgl. Gebühr

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