Luther

„Luther dancing with the gods“ im Pierre Boulez Saal

Der mit dem ­Luther tanzt: In Robert Wilsons „Luther dancing with the gods“ lässt sich der Rundfunkchor choreographieren

© Lovis Ostenrik

Konnte Luther tanzen? Etwas Ungelenkeres als den Autor der „Tischreden“ kann man sich eigentlich nicht vorstellen. Unter schwarzen Messgewändern, bestenfalls einem schwarzen Rock verborgen, scheint der Reformator nur gerade so viel Bewegungsraum für sich beansprucht zu haben, wie eine Kirchenkanzel bietet.
Freilich, „Luther dancing with the gods“ – wie sich die Hommage zum 500. Jahrestag des Wittenberger Thesenanschlages nennt – wird ja auch nicht von irgendeinem abenteuerlichen Spring-ins-Feld choreographiert. Sondern von Robert Wilson (76). Der texanische Theatertäter arbeitet sehr körperbetont. Aber eher im Sinne von Schupo-Bewegungen an Verkehrskreuzungen, wo die Ampel ausgefallen ist. Moderat. Der Berliner Rundfunkchor hat seit vielen Jahren oft auch als Bewegungschor auf sich aufmerksam gemacht. Mit „Human Requiem“ (von Sasha Waltz vertanzter Brahms) gelangte man bis auf die Jahres-Bestenliste der „New York Times“. Dennoch ein kleiner Coup, dass man sich jetzt Wilson geangelt hat, dessen Berliner Ära (nach Ablöse am BE) eher als abgeschlossen galt.
Geprobt wurde in Potsdam. Bei den sechs Aufführungen in Berlin benutzt man den Pierre Boulez Saal erstmals für szenische Zwecke. Vier Bach-Motetten (von Luther übersetzt) stoßen auf Steve Reichs „Clapping Music“ und Knut Nystedts „Immortal Bach“. Wird lehren, was Barock-Kenner ohnehin wissen: Dass selbst in Bachs Musik niemals getrottet, sondern immer getanzt werden muss. Selbst dann, wenn’s um den ollen Luther geht.

Pierre Boulez Saal Französische Str. 33D, Mitte, Fr 6.10., Sa 7.10., So 8.10., Di 10.10., Mi 11.10., Do 12.10., 20 Uhr,
Karten 35 – 95 €

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