Brecht-Hommage

„Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“ im Kino

tip-Redakteur Lars Penning ist von dem Brecht-Film nicht überzeugt und hält Joachim A. Langs Ausflug ins Jahr 1930 als Brechts (hier gespielt von Lars Eidinger) Dreigroschenoper verfilmt werden sollte, für überambitioniert

Wild Bunch

Sie treffen sich 1930 vor Gericht. Auf der ­einen Seite: Bertolt Brecht (Lars Eidinger), ein schneidig intellektueller, stets ironisch formulierender Dramatiker. Auf der anderen Seite: rückgratlose Filmproduzenten, die Brechts erfolgreiche „Dreigroschenoper“ in einen pflege­leichten Kinohit verwandeln wollen.

So jedenfalls sah es Brecht, der später eine detaillierte Betrachtung des Gerichtsprozesses verfasste. Nicht zuletzt auf diesen Texten beruht nun dieser Spielfilm des Autors und Regisseurs Joachim A. Lang, der sich Brechts Sichtweise im Wesentlichen zu eigen macht. Schon der Vorspann weist den ­Zuschauer ­darauf hin, dass alle von Brecht im Film ­gesprochenen Dialoge verbürgte Zitate aus seinen Schriften sind.

Ursprünglich hatte Brecht im Auftrag der Filmproduktionsgesellschaft Nero-Film AG ein Exposé für eine Verfilmung der „Dreigroschenoper“ schreiben sollen. Doch seine Ideen kamen in ihrer Radikalität nicht gut an. Die Nero-Film kündigte den Vertrag und begann mit dem Dreh ohne Mitwirkung von Brecht und seinem musikalischen Partner Kurt Weill. Brecht und Weill klagten, hatten aber wohl eine juristische Niederlage einkalkuliert und wollte den Prozess nutzen, um das ­ihrer Ansicht nach kunstfeindliche Kapital in seiner ganzen Niedertracht vorzuführen: Der Gerichtssaal wurde zur Bühne.

Zweifellos ist das Werk des SWR-Redakteurs Lang, der seine Promotion einst über die Verfilmungen von Brechts Bühnenstücken verfasste, ein ambitioniertes Unterfangen: Aufwändig produziert und mit viel Schauspielprominenz (Lars Eidinger, Tobias Moretti, Hannah Herzsprung, Joachim Król) besetzt, verschränkt der Film Szenen aus dem Gerichtsprozess mit Inszenierungen der Songs aus der „Dreigroschenoper“, die sich in ihren Aussagen gegenseitig kommentieren sollen.

Und weil Brecht nun einmal nicht für Illusionstheater steht, treten die „Dreigroschen“-Figuren auch schon mal aus ihren Rollen heraus, und der von Eidinger verkörperte Dramatiker darf sich mit seinen Weisheiten gelegentlich direkt in die Kamera – und damit an den Zuschauer – wenden. Oder er gibt Regieanweisungen, die der Film flugs umsetzt: Brecht will in einer Verführungsszene zwei Monde am Himmel haben? Voilà!

Doch Langs Bemühen, Brecht als gänzlich unkonventionellen, einfallsreich-anarchischen Geist darzustellen, scheitert letztlich an der statischen Inszenierung seines Films, der sich bestenfalls an ein gesetztes Bildungsbürgertum richtet: Brechts authentische Kapitalis­musanalysen ermüden in ihren endlosen Varianten bald ebenso wie das Übermaß an Musikeinlagen, die einem den Handlungs­ablauf der „Dreigroschenoper“ im Detail präsentieren. Ganz zu schweigen vom recht unterschiedlichen musikalischen Erfolg, mit dem die Darsteller*innen ihre Lieder absolvieren, während ihnen ein offenbar unterbeschäftigtes Fernsehballett in gruseligen Choreografien um die Beine hopst.

Es ist wie so oft, wenn sich jemand richtig gut mit etwas auskennt: Der Anspruch ist groß und die Angst, nur ja keinen Aspekt des ­Themas zu vernachlässigen, noch größer. Die Distanz ist dabei längst verlorengegangen, das Ergebnis ein eindeutiges Zuviel. Viel zu viel von allem.

Mackie Messer – Brechts ­Dreigroschenfilm D/B 2018, 130 Min., R: Joachim A. Lang, D: Lars Eidinger, Hannah Herzsprung, Tobias Moretti, Start: 13.9.

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