Liedermacherin

Maike Rosa Vogel spielt im Privatclub

Das Kleine groß: Niemand wagt es, so radikal gefühlig zu sein wie Maike Rosa Vogel

Foto: Rainer Stosberg

„Die Welt wird komplizierter, aber alles, was stimmt, bleibt gleich. Kinder wissen das, doch wir glauben lieber weiter an die große Verworrenheit.“ Und nein, das ist kein Essay aus der Zeit und auch kein Wort zum Sonntag, sondern bloß der Einstieg ins neue Album von Maike Rosa Vogel. Die Zeilen, die „Alles was ich will“ eröffnen, illustrieren, was die Liedermacherin aus Berlin so einzigartig macht: Diese simple Sprache, mit der Vogel simple, aber eben umso wahrhaftigere Wahrheiten ausspricht. Das kann sich schon mal reimen, muss es aber nicht, denn dafür singt Vogel umso hingebungsvoller und überzeugter von den ganz großen Gefühlen, mit denen das ganz gewöhnliche Leben gelebt wird. Sie singt von ihren Kindern, von Verlustängsten und Liebe, von Sex und davon, wie sich die Sonne anfühlt auf der Haut. Neuerdings singt sie auch immer öfter von der Politik oder doch zumindest von den gesellschaftlichen Zuständen, von Flüchtlingen und Hartz IV, allerdings auf eine Art, wie es nur Maike Rosa Vogel kann: hochemotional, unverstellt und vollkommen unironisch.

Damit kommt nicht jeder klar: Vogel löst ­extreme Reaktionen aus. Entweder fühlt man sich von ihrer radikalen Gefühligkeit brüskiert, ja angegriffen. Oder man liebt sie dafür, dass sie es wagt, all das auszusprechen, was man doch selbst spürt, aber als zu profan erachtete. Das Kleine, das Gewöhnliche, das Belanglose bekommt so endlich die Größe, die es schon lange verdient hat.

Privatclub Skalitzer Str. 85-86, Kreuzberg, So 21.1., 20 Uhr, VVK 15 € zzgl. Gebühren

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