Lesungen und Bücher in Berlin

Manja Präkels

Erik Heier

„Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“ von Manja Präkels ist eines der Bücher des Jahres. Dabei erschien es schon Ende 2017. Das ist aber egal. Präkels beschreibt in ihrem Romandebüt eine Wendejugend des Lehrerkindes Mimi in einer brandenburgischen Kleinstadt. Ein Kaff, ganz offensichtlich Präkels Geburtsstadt Zehdenick, wo sozialistisch wertlos gewordene Arbeitsbiografien in den nicht blühen wollenden Landschaften verdorren. Wo Linke, Punks und Grufties auf der Straße oder in Kneipen von Faschoskins und Nazischeiteln – nachbarschaftlichen Arschgeigen wie den „Gorillas“ und den „Steinmännern“ – gejagt werden: „Los, mach die alle, Bomber!“ Und wo Mimis Kindheitsfreund Oliver sich Hitler nennt und von einem Plattenbaubalkon aus der Meute die Hand entgegenreckt.
Das Buch erhielt den Deutschen Jugendliteraturpreis und den Anna-Seghers-Preis, der Verbrecher Verlag kam mit dem Nachdruck kaum hinterher, es ist erst Anfang Dezember wieder verfügbar. Ich weiß gar nicht, was mich bisher davon abhielt, es zu lesen. Vielleicht war es der Titel. Der klingt ein bisschen nach Clickbaiting in Bentohausen. Hitler, haha. Jetzt las ich es in einem Zug durch. Die ostdeutsche Provinz der Nachwendegeschichte breitet sich darin aus wie eine mentale Mondlandschaft, nichts als Krater und Geröll. Inmitten der Trümmer funkelt Präkels lyrisch dichte, handlungssatte Prosa um so heller. Wie ein Ort, ein ganzer Landstrich kippen kann, wie Hass eskaliert, was das mit Menschen macht: Da steht es alles drin.

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