Neues Album von Marteria: Zwischen Reflektion und Neuanfang

Auf dem Fahrrad an einem warmen Sommerabend, gedanklich bei der ersten großen Liebe – und zum ersten Mal so lange wach bleiben, bis die Wolken wieder lila sind. Mit „Zum Glück in die Zukunft III“ schließt Marteria die Trilogie ab. Das Vorgänger-Album gehörte Anfang der 2010er-Jahre zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Platten und prägte eine ganze Generation – von Millennials bis Gen Z. Mit Songs wie „Kids (2 Finger an den Kopf)“ und „OMG“ gelang dem gebürtigen Rostocker der Durchbruch. Sein bekanntester Song „Lila Wolken“ von 2012 mit Miss Platnum und Yasha wurde sogar mit Platin ausgezeichnet. Seitdem konnte Marten Laciny immer wieder Erfolge verbuchen, aber nichts kam an dieses Album heran. Fast 15 Jahre später folgt nun der dritte Teil der Reihe und muss sich daran messen lassen. Ob es die großen Erwartungen erfüllen kann?
Vom Besungenen zum Albumfeature: Marterias Sohn Luzey
Mit dem Opener „9 Leben (Eins übrig)“, der vor einigen Wochen als letzte Single erschien, knüpft Marteria direkt an die Melancholie seiner frühen Phase an: viel Reverb, viel Schwelgen in Erinnerungen – ein Rückblick auf vergangene Zeiten. Die „ZGIDZ“-Reihe richtet ihren Blick traditionell auf die Vergangenheit und dient Marteria als Raum zur Reflexion der letzten Jahre. Wie unterschiedlich diese Rückblicke ausfallen, zeigen die einzelnen Songs: Während „L.I.E.B“ eine toxische Beziehung thematisiert, zeichnet „Captain Europa“ ein düsteres Bild der politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahre.
Auch musikalisch öffnet sich das Album: Die Samples greifen auf internationale Einflüsse zurück, die in Rapsongs aus Marterias Generation eher selten zu hören sind. In „Mariah Carey“ basiert das prägnante Sample auf karnatisch-indischen Zupfinstrumenten. „MEINS!“ arbeitet mit chinesischen Klängen, die in einen Trap-Beat überführt werden, während „Babylonia“ von mystischen afrikanischen Hintergrundgesängen getragen wird. Besonders heraus sticht der Song mit seinem Sohn Louis alias „luzey“, der zugleich eine weitere Trilogie innerhalb des Albums abschließt. Bereits auf den ersten beiden Teilen gab es jeweils einen Song, der Marterias Sohn gewidmet war. Nun, da er selbst eine Rapkarriere begonnen hat, liegt ein gemeinsames Feature auf dem neuen Album seines Vaters nahe. „Platz für uns beide“ ist ein Vater-Sohn-Song in dem sich beide Fehler verzeihen, Verständnis zeigen und klarmachen, dass luzey keine Kopie seines Vaters ist. Besonders rührend ist das Ende von Louis‘ Part: „luzey: Mainstage / Voract ist Marteria“. Luzey stand bereits mit Marten auf der Bühne und konnte erste Bühnenerfahrung sammeln. Bis er allerdings selbst so groß ist, dass sein Vater als Voract auftritt, dürfte es noch dauern.
„Zum Glück in die Zukunft III“: Es fehlt der klare Banger
Das Album steckt voller Melancholie, selbstreflektierten Texten und Easter-Eggs für wahre Marteria-Fans. Gerade die vielfältigen Samples im Zusammenspiel mit seiner vertrauten Stimme machen Laune. Ein klarer „Banger“ fehlt allerdings. Das dürfte auch daran liegen, dass das Album deutlich weniger pop-orientiert ist als sein Vorgänger. Die Fußstapfen von „Zum Glück in die Zukunft II“ sind groß – vielleicht zu groß für ein Album, das sich bewusst vom Mainstream entfernt. Gerade darin liegt aber auch die Stärke des Albums: Es will gar nicht mehr diese Sonnenuntergangs-Jugendliebe-Musik sein. Vielleicht wollte das auch das zweite Album nicht, wenn man ehrlich ist. Dennoch stellt sich die Frage, ob es als alleinstehendes Album nicht besser funktioniert hätte. Als Teil der Reihe ist die Fallhöhe entsprechend hoch.

Marteria „Zum Glück in die Zukunft III“ (MARMUSIC)
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