Animationsfilm

„Mary und die Blume der Hexen“ im Kino

Mit dem Fantasy-Jugendrama „Erinnerungen an Marnie“ drehte der japanische Regisseur Hiromasa Yonebayashi 2014 den letzten Film des Studio Ghibli vor dessen massiver Umstrukturierung, die viele Mitarbeiter des Animationsstudios arbeitslos machte

2017 M.F.P./ Peppermint Anime

Eine neue Wirkungsstätte fanden sie in dem von einem ehemaligen Ghibli-Produzenten neu gegründeten Studio Ponoc – so auch Yonebayashi, der mit „Mary und die Blume der Hexen“ jetzt dessen ersten Film vorlegt. Und der erweist sich – wen wundert’s bei der personellen Kontinuität – inhaltlich und stilistisch als ein würdiges Werk in der alten Ghibli-Tradition.

Basierend auf dem Kinderbuch „The Little Broomstick“ der britischen Autorin Mary Stewart erzählt der Film die Geschichte der kleinen rothaarigen Mary, die sich in ihren Ferien gerade zu Besuch bei einer Großtante langweilt. Durch einen Zufall verschlägt es sie an eine Hexenuniversität, wo man ihr als vermeintliches Genie huldigt. Die eigentlich eher tollpatschige Mary fühlt sich geschmeichelt – und bemerkt doch schon bald, dass die Rektorin und ein ziemlich durchgeknallter Wissenschaftler ethisch nicht vertretbare Experimente an Tieren und Menschen durchführen. Nun gilt es, einen eigenen Standpunkt zu beziehen. Gut, dass Mary ganz schön dickköpfig ist.

Eine Coming-of-Age-Geschichte um die Entdeckung der eigenen Stärke, ambivalente Figuren in einer Grauzone zwischen Gut und Böse, das Interesse an den Wundern der Natur: „Mary und die Blume der Hexen“ bietet viele der liebgewonnenen Ghibli-Elemente in einem optisch sehr ansprechenden Kinderfilm, ohne dabei sklavisch zu kopieren oder als müder Abklatsch zu enden. Ghibli-Gründer Hayao Miyazaki hat ja mittlerweile seine Rückkehr aus dem Ruhestand angekündigt – mal sehen, wie er am Ende gegen seine talentierten Nachfolger bestehen kann.

Mary und die Blume der Hexen J 2017, 103 Min., R: Hiromasa Yonebayashi, Start: 13.9.

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