Animationsfilm

„Mein Leben als Zucchini“ im Kino

„Mein Leben als Zucchini“ erzählt warmherzig von Heimkindern und ihren Abenteuern

Foto: polyband Medien

Die Stop-Motion-Animation mit ­Puppen gehört zu den schönsten Formen des Trickfilms, vor allem, weil man den handwerklichen Aspekt dieser Arbeit spürt – ebenso wie die Hingabe der Filmemacher an ihre Figuren, mit denen sie buchstäblich ­jahrelang leben. Wer auf seinem Set täglich nur ein paar Sekunden Film produziert, weil die Puppen mit all ihren Regungen und Bewegungen für jede Aufnahme immer nur millimeterweise bewegt werden können, muss seine Arbeit schon sehr lieben.

Das erkennt man auch in dem Schweizer Trickfilm „Mein Leben als Zucchini“, der im Gegensatz zu den US-amerikanischen Puppen-­Produktionen der letzten Jahre, die sich optisch immer stärker am Computer­animationsfilm orientierten, in seiner Ästhetik ganz auf pure Stilisierung setzt: Figuren mit dünnen Körpern, überlangen Armen und großen Köpfen mit riesigen Augen, die auch in ihrer ganzen Buntheit an Kinderzeichnungen erinnern, erzählen hier die Geschichte von traumatisierten Kindern, die in ein Heim kommen, weil ihnen in ihrem familiären Alltag Schreckliches widerfahren ist.

Für das Langfilmdebüt von Claude Barras, der schon Animationserfahrungen in etlichen Kurzfilmen gesammelt hat, hat die französische Filmemacherin Céline Sciamma ­(„Bande de filles – Girlhood“) das Drehbuch geschrieben. Alkohol- und Drogensucht der Eltern, Missbrauch, Mord und Selbstmord: In dieser Hinsicht schrecken die beiden nicht vor einer ungeschönten Realität zurück, die jedoch komplett von der liebevollen ­Fürsorge aufgefangen wird, mit der die Kinder behandelt werden. Das Heim mit der verschworenen Gemeinschaft der Kinder ist hier ein Ort großer Sicherheit und Zuneigung. Deshalb müssen die Kinder sich auch etwas einfallen lassen, als Camille, in die sich der neunjährige Icare, genannt Zucchini, ein wenig verguckt hat, wieder zu ihrer garstigen Tante zurückkehren soll, die lediglich das Kindergeld kassieren will.

„Mein Leben als Zucchini“ erzählt epi­soden­haft und mit warmem Humor: von Erinnerungen, die auch dann Erinnerungen bleiben, wenn sie nicht immer nur schön sind; von einem superfreundlichen Polizisten, der sich gut als Pflegevater eignen würde; oder auch von der Verunsicherung, welche die Kinder ergreift, als sie gerüchteweise erfahren, dass Männern beim Sex der Schniedel explodiert.

Für ganz kleine Zuschauer ist das vielleicht noch nichts, doch wer seiner/m Zehnjährigen jene emotionale Intelligenz, die Kinder in diesem Alter unbedingt haben, auch zutraut, sieht beim anempfohlenen gemeinsamen Kinobesuch einen der schönsten Filme dieses noch jungen Kinojahres. „Mein Leben als Zucchini“ wurde soeben für den Oscar als Bester animierter Spielfilm nominiert.

Ma vie de courgette (OT) CH/F 2016, 66 Min., R: Claude Barras, Stimmen DF: Linus Püttmann, Louisa Fuchs, Felix Lange, Start: 16.2.

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