Biopic

„Meine Welt ist die Musik“ im Kino

Die Komponistenikone: Christian Bruhn

Filmperlen

„Du fällst doch immer wieder in das Jazzloch“, warnte der Vater. Wenn der Sohn unbedingt Berufsmusiker werden will, dann bitteschön mit ernster Musik. Der Vater irrte, Sohn Christian hatte sein Herz schon längst an die Unterhaltungsmusik verloren. Mit dem Wirtschaftswunder begann in Westdeutschland der Boom der Schlager-Branche. Seit Anfang der 1960er-Jahre zählte Christian Bruhn zu den kommerziell erfolgreichsten deutschen Komponisten, der alles schreibt und alles kann: Schlager, Film-und Fernsehmusik, Werbe-Jingles. Seinen Namen kennt kaum einer, seine Hits haben sich in den kollektiven Gehörgang gebrannt. Ohrwürmer, die je nach Geschmack schmerzen oder Spaß machen.

Besonders reizvoll ist an dem Dokumentarfilm „Meine Welt ist die Musik“ von Marie Reich die Entdeckungsreise in die Fülle und Vielfalt der Kompositionen des Christian Bruhn, zumal der auch ein sehr unterhaltsam erzählender Reisebegleiter ist. Viele seiner Lieder sind inzwischen Bierzelt-Klassiker: „Marmor, Stein und Eisen bricht“ von Drafi Deutscher oder ein „Ein bisschen Spaß muss sein“ von Roberto Blanco. Wobei gerade letzteres Lied, 1969 entstanden, in seiner perfekten Einfachheit zu einer Hymne bundesrepublikanischer Spießigkeit wurde.

Aber gerade die Simplizität ist eine Kunst des Christian Bruhn. Weiteres Beispiel: Die Titelmelodie zur Fernsehserie „Heidi“. Einmal gehört, gibt es kein Entrinnen mehr, nur noch die Wahl zwischen schrecklich oder schön finden, das ist schon ziemlich genial. Zwar ist „Meine Welt ist die Musik“ von seiner Machart her etwas bieder, aber eine liebevolle, späte Hommage an einen leidenschaftlichen Komponisten, dessen musikalische Neugier auch mit inzwischen 84 Jahren noch nicht erschöpft ist und dessen Gesamtwerk mit mehr als 2.500 Titeln viele Überraschungen bereit hält.

Meine Welt ist die Musik D 2017, 80 Min., R: Marie Reich, Start: 10.1.