Kino & Film in Berlin

„Melancholia“ im Kino

Lust am Untergang: Kirsten Dunst wünscht sich im neuen Film von Lars von Trier mit aller Macht das Ende unserer Welt herbei.

Melancholia

Eine echte, klinische Depression kann niemand mehr mit guten Worten aufhalten. Wenn sie herannaht, dann mit ihrer eigenen, ungeheuren Gewalt – wie der riesige, titelgebende Planet Melancholia in Lars von Triers Film. Jahrtausendelang hat sich Melancholia auf seiner Umlaufbahn hinter der Sonne versteckt, doch nun rast der Himmelskörper mit sechzigtausend Kilometern in der Stunde auf die Erde zu, um alles Leben zu verschlucken, alle Gegenwart und jedes Zukunftsbild. Justine (Kirsten Dunst) gleitet nicht zufällig am Tag ihrer Hochzeit wieder in die Depression, kein Karriere-, kein  Liebesversprechen kann sie retten. „Enjoy while it lasts!“, giftet die sarkastische, scheidungserprobte Mutter (Charlotte Rampling) dazu – und weiß gar nicht, wie sehr ihre Mahnung zur brüchigen Feierstimmung passt.
Einen „schönen Film über das Ende der Welt“ hat Lars von Trier, selbst bekanntlich sehr leidvoll depressionserfahren, vorab versprochen – und wirklich ist „Melancholia“ das trotz seiner künstlerischen Überformtheit neben „Antichrist“ vielleicht auch persönlichste Werk in seinem Њuvre, was Spaß auf keinen Fall ausschließt.
Der Film eröffnet als eskalierende Familienkomödie mit Starensemble (neben Dunst und Rampling sind Kiefer Sutherland, Charlotte Gainsbourg, John Hurt, Stellan und Alexander Skarsgaard und Udo Kier im Spiel) und dunklem Unterton, um im zweiten Kapitel davon zu erzählen, wie ausgerechnet die depressivste Figur angesichts des von ihr so herbeigewünschten Weltuntergangs aufblüht und die Initiative ergreift. Das dritte finale Kapitel hat Lars von Trier gleich an den Beginn von „Melancholia“ gestellt. Es ist ein Traum vom Weltuntergang, in dem Wagners „Tristan und Isolde“-Vorspiel und Tarkowskijs „Solaris“ als Zitate aufgerufen werden, bevor der Regisseur seine Innenwelt mit hinreißender Offenheit ganz nach außen stülpt.

Text: Robert Weixlbaumer

Foto: Christian Geisnaes / Concorde Film

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Melancholia“ im Kino in Berlin

Melancholia, Dänemark/Schweden/Frankreich/Deutschland 2011; Regie: Lars von Trier; Darsteller: Kirsten Dunst (Justine), Charlotte Gainsbourg (Claire), Kiefer Sutherland (John); 136 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 6. Oktober

Lesen Sie hier: Ein Interview mit Lars von Trier

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