Indie

Messer: Jalousie

Schönklang und leichte Konsumierbarkeit standen bei Messer noch nie auf dem Programm: Schon bei den ersten beiden Alben war man als Hörer hin- und hergerissen zwischen Bewunderung und Widerwille.

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Auf der einen Seite diese ungemein gelungene Symbiose aus scharfen, kryptischen, intellektuellen Texten und körperlichem, gespenstischem, fast schon bedrohlichem Post-Punk. Theoretisch kann man sich da nur verneigen. Doch wie das oft so ist bei Musik, die aus dem Kopf heraus entstanden ist, fällt es schwer, sich von ihr berühren zu lassen.
Diese Unzugänglichkeit hat auf „Jalousie“ noch zugenommen. Staunend hört man sich die neuen Stücke an; borstig und tausendfach überkreuzt kommen sie daher, beschwören düstere Szenarien. „Detektive“ klingt, als habe sich jemand in einem Spiegelkabinett verlaufen und würde dort von einer Dämonenpuppe verfolgt; „Niemals“ könnte locker in einer Geisterbahn spielen, „Die Hölle“ eher in einer verrauchten Eckkneipe kurz vor der Sperrstunde.
Während all diese unbequemen Bilder auf einen einprasseln, versucht man hochkonzentriert, den von Hendrik Otremba lallend und krächzend vorgetragenen Textfetzen einen Sinn beizumessen. „Es war im Jahr der Obsessionen. Es war im Jahr der Eisenbahn. Sie nahm die Brille von ihren Augen und hat es nie mehr getan.“ Prima Zeilen für eine Gedicht­interpretation, aber sie ermöglichen dem Hörer kaum Anschlusspunkte; sie sind resistent für jede Form der Emotionalisierung.
Das muss nicht zwangsläufig ein Manko sein, führt aber doch dazu, dass man der Musik von Messer eher wie einem Theaterstück begegnet oder einem ganz abstrakten Kunstwerk. Man analysiert und dechiffriert, verschmilzt aber nicht mit ihr. Man hält sie respektvoll auf Abstand.

Messer: Jalousie (Trocadero/Indigo)

Bewertungspunkte4

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