Psych-Pop

MGMT spielen in der Columbiahalle

Keine „Kids“ mehr: MGMT umarmen nun Düsternis und Kitsch

Foto: Brad Elterman

Kinder, sie werden so schnell erwachsen – und so schnell gemein. Vor gut zehn Jahren turnten Andrew VanWyngarden und Ben Goldwasser, bekannt als MGMT, noch wie Peter Pans kleine Brüder im Goa-Urlaub durch die Videos zu Hits wie „Kids“, mit schillernder Kriegsbemalung und gekleidet in Fetzen. Und plötzlich wollen sie Satansbraten sein: „I’m not that nice, I’m mean and I’m evil“, drohen sie in ihrem makabren Song „When You Die“. Jungs, was ist passiert?

Mitte der Nullerjahre, als Franz Ferdinand noch Sound und Look der Gang of Four recycelten, lieferten die New Yorker mit ihrem neonbunten, hedonistischen Indietronic-Sound zwischen Rock, Psychedelic und Electronica eine der ersten Neuerfindungen des Musik-Jahrtausends – und schenkten so einer popkulturellen Transit-Generation ihren Soundtrack. Allerhand für eine junge Band. Aber MGMT dachten gar nicht daran, ewig durch Lummerland zu tanzen. Verloren mit den Folgealben ihren Status als Stimmungsgarant in der Indiedisco, wurden stetig verkopfter, um schließlich mit ihrem aktuellen Album „Little Dark Age“ endgültig alle Zeichen auf Düsterkeit zu stellen: Im Video zum Titelsong treten MGMT als The-Cure-Epigonen auf, das Albumcover-Motiv entstammt einem alten Horror-Fanzine.

Und auch ihr Synthie-Psych-Pop umarmte noch so sehr den 80ies-Kitsch, aber auch das Unbehagen wie auf der 2018er-Platte. Eine ungewöhnliche, eine tolle Wandlung. Denn „Kids“ sind wir ja nun auch nicht mehr.

Columbiahalle Columbiadamm 13–21, Kreuzberg, So 9.12., 20 Uhr, VVK 34,60 €; Support: Matthew Dear

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