Kultur & Freizeit in Berlin

Michael Müller im KW Institute for ?Contemporary Art

Michael Müller widmet sich der Figur des Künstlers zwischen ?vermittelndem Hermes und sich selbst befruchtendem Hermaphrodit.

Michael Müller im KW Institute for ?Contemporary Art

Michael Müller heißt nicht wie der Bürgermeister, weil er seinen Vornamen amerikanisch spricht. In seiner (übrigens ersten institutionellen) Solo-Schau „Wer spricht?“ geht es ihm darum, wie Kunstschaffende einerseits in ihrem Narzissmus bestärkt werden – und wie sie andererseits selbst Sinnsuchende bleiben. Als Leitmotive nutzt Müller dafür per Video und Skulptur Hermes (der fremde Botschaften übermittelt) und sein doppelgeschlechtliches Kind Hermaphrodit (der sich selbst den Input gibt). Wenn sich Müller hypnotisieren lässt und quasi Quallen zeichnet – wer spricht dann aus ihm heraus? Geheimtipp: die versteckte Kammer „XI. Gesang“ hinter den Keramik-Objekten aufsuchen, die wie nach einem Gemetzel das Gruseln lehrt – Ilias-Morselicht inklusive. Und fast noch besser: barfuß in den an allen Wänden und am Boden mit überzogenem Schaumstoff ausgekleideten Raum laufen. Nur dann sieht man die beiden Puzzles, bei denen die Teile passen, aber scheinbar kein sinnvolles Motiv ergeben. Fazit: smart durchdacht und trotzdem sinnlich in vielerlei Facetten.  

Text: Stefan Hochgesand

Foto: Matthias Wissing Courtesy Michael Mueller

KW Institute for ?Contemporary Art
Auguststr. 69, Mitte, ?Mi?–?Mo 12?–19? Uhr, Do 12?–21 Uhr, bis 24.1.2016

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