Kultur & Freizeit in Berlin

Michael Schoenholtz im Georg-Kolbe-Museum

Maßvoll in ?Stein gehauen. Michael Schoenholtz ?und die Welt ohne Worte.

SchoenholtzIm öffentlichen Raum ist kaum ein Bildhauer so präsent wie er. Michael Schoenholtz, über dreißig Jahre Professor an der Berliner UdK, hinterließ seine der Abstraktion gewogenen Skulpturen von Kreuzberg bis Karlsruhe. In den 70er- und 80er-Jahren schuf er unter anderem den „Bronzebogen“ an der Stelle der im Krieg zerstörten Alten Philharmonie in der Bernburger Straße, einen Säulentempel „Ohne Figur“ für das Strandbad Wannsee oder die sechsteilige Skulpturengruppe in der Moabiter Heinrich-Zille-Siedlung an der Invalidenstraße. Plastiken, die sich anfangs noch am menschlichen Körper und der Figuration orientierten, dann aber rasch zu architektonischen Formationen mutierten, streng und nüchtern. Im Georg-Kolbe-Museum zeugen Fotos von all diesen Projekten, zu denen jüngst noch die Gestaltung der Krypta der Dresdner Frauenkirche hinzukam. Im Zentrum der Ausstellung stehen freilich die Plastiken des Künstlers, der gerade seinen 73. Geburtstag feierte. Es sind auf das Wesentliche konzentrierte Formfindungen großer Einfachheit, blockhaft in den Raum gepflanzt, aus Marmor, Muschelkalk oder Granit, stets maßvoll in Stein gehauen. Besonders originell erscheint dabei eine Umkehrung von Sockel und Figur. Da räkeln sich Gliedmaßen nicht auf dem Podest, sondern drunter. Die lakonische Präsentation von Masse und Volumen im Raum ist sonst allerdings weitgehend humorfrei. Die angestrebte Zeitlosigkeit setzt sich in schwarzen Kohlezeichnungen fort. „Ohne Worte“ sind die neuesten Papierarbeiten von 2008 betitelt. Zum Pavillon „Ohne Figur“ von 1988–89 gesellt sich ein weiteres Mal die Essenz ?der bildenden Kunst, die ja in der Regel ihre Aussagekraft ohne Worte entfaltet – bei Schoenholtz mit architektonischem Aplomb.

Text: Andrea Hilgenstock

tip-Bewertung: Sehenswert

Michael Schoenholtz ?“In Maßen – Skulpturen und ?Zeichnungen“ im Georg-Kolbe-Museum, ?Sensburger Allee 25, Charlottenburg, ?Di.-So. 10-18 Uhr, bis 13.6.2010

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