Neo-Country

Midland spielen im Frannz Club

Outlaw-Nudie-Suits: Das texanische Trio Midland mischt das Country-Genre auf. Gralshüter kotzen schon

Foto: H. Smith / Big Machine Label Group

„Country“, so der puristische Jungstar Mo Pitney, „findest Du auf keiner Landkarte, Country ist ein Platz im Herzen.“ Oder auch nicht. Denn genau an dieser Stelle ist es in Deutschland eher kalt. Der alte Nimbus von weiß und konservativ sowie die gefühlte Nähe zum Schlager leben. Clare Bowen, bekannt aus der TV-Serie „Nashville“, nutzte jüngst die „Helene Fischer Show“ im ZDF, um hier ein Publikum zu finden! Aktueller Mainstream ist Auto-Tune-verseucht und Bro-Country dominiert, noch immer gilt, was Tom Petty mal als „bad rock with a fiddle“ bezeichnet hat. Interessanter geht es im Countrysegment des Americana zu, auch weil dort ein anderes Bild der USA gezeichnet wird.

Genau in diese Kluft zwischen Mainstream und Alternative platzt die Band Midland: Ihr hymnischer, harmoniesatter Sound knüpft an den Countryrock der Siebziger an, ihre Helden heißen Eagles, George Strait und Dwight Yoakam; ihr Style spielt mit den Nudie-Suits und der Hutpflicht aus Pionierstagen, die langen Haare und das Bad-Boy-Tequila-Benehmen zeugen von Outlaw-Kultur und Rock’n’Roll.

Wie ein PR-Gag wirken die Angriffe aus der True-Country-Gemeinde, den Gralshütern der Authentizität, die dem smarten Trio Verrat vorwerfen, weil sie angeblich nicht genug Staub geschluckt haben. Dabei bringen Midland Pop, Humor und Sexappeal in ein umkämpftes Genre zurück, das an seiner verkrampften Ernsthaftigkeit zu ersticken droht.

Frannz Club Schönhauser Allee 36, Prenzlauer Berg, Di 6.3., 20 Uhr, VVK 24,20 €

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