Einfach mal weg

Mit den Kids ins Umland: 10 spontane Kurztrips

Einfach mal abtauchen: Dazu muss man nicht ans Mittelmeer fliegen, das geht auch im Umland. Sogar spontan. Mit Riesenspaß. Genau das Richtige für Familien. Unsere zehn Mini-Urlaube vor den Toren Berlins

1. Tier-, Freizeit- und Urzeitpark Germendorf

Im Tier-, Freizeit- und Urzeitpark Germendorf können sich Outdoorfans beim Klettern, Eislaufen oder Dinos-Gucken austoben, bevor es zur Entspannung in den verwunschenen Oranienburger Schlosspark geht.

Foto: Stefanie Dörre

Die Saurier sind zwar nicht echt, aber ihre Nachbildungen in Form von 86 Urzeitmodellen haben es in sich. Sie stellen die Erdgeschichte von den Dinos bis zu den Neandertalern dar. Und die übrigen 650 Tiere – von Alpaka bis Zebu – sind garantiert quicklebendig.

Denn in dem 69 Hektar großen Freizeitpark Germendorf im Norden Berlins misst alleine das Freigehege 14 Hektar. Daneben gibt es Abenteuerspielplätze, eine ganzjährig betriebene Eislaufbahn, eine beheizte Indoor-Spielhalle sowie den ersten tätigen Vulkan in Brandenburg – ein 25 Meter hohes Modell, das nach Münzeinwurf qualmt. Über die rund sechs Kilometer Wanderwege im Park gelangt man außerdem zu den vier Badestellen. Auch Angeln ist möglich.

Wer das alles nicht an einem Tag abhaken möchte, übernachtet im parkeigenen Hotel oder begibt sich zum Campingplatz Große Plötze, einem urigen Zeltplatz am Großen Plötzsee. Und wenn man im nahen Oranienburg länger als nur einen Tag verweilt, sollte man auch unbedingt den Schlosspark besuchen, der für die Landesgartenschau 2009 aufgehübscht wurde. Unter anderem mit einem Hafen nebst Nachbau der Staatsyacht „Sehnsucht“, ein königliches Plattbodenschiff, wie es vor 400 Jahren dem Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg gehörte – und das besichtigt werden kann.

Tier-, Freizeit- und Urzeitpark Germendorf, An den Waldseen 1a, 16515 Oranienburg, OT Germendorf, tgl. 9–19 Uhr, Eintritt: 5 € (Erw.), 2,50 € (Kind 7–16 Jahre), 2 € (Kind 2–6 Jahre), frei (unter 2 Jahren). www.freizeitpark-germendorf.de
Verbindung: Der RE5 fährt über Südkreuz, Hauptbahnhof, Gesundbrunnen nach Oranienburg. Ab Bhf. Oranienburg Bus 824 nach Germendorf, Dorfstraße.
Übernachtung: www.strandhotel-germendorf.de, www.campingplatz-grosseploetze.de
Und außerdem: Schlosspark Oranienburg www.oranienburg-erleben.de


2. Waldbad Templin

Zugegeben, eine Ruhe-Oase klingt anders. Und doch ist das Waldbad Templin die ideale Adresse für Familien – dank nettem Personal, viel Komfort und einer Schlechtwetter-Badeoption in unmittelbarer Nähe.

Foto: Botaurus/ wikimedia / public domain

Fertig saniert ist die Uferstraße, jetzt lässt es sich vom Potsdamer Hauptbahnhof wieder in einem Rutsch ins Waldbad Templin radeln. Zwar klingt eine Idylle anders, rauschen doch in der Ferne Züge vorbei und tuckern Dampfer und Yachten über den Templiner See. Doch das Waldbad Templin bietet Kindern und Erwachsenen viel Komfort: einen Sandstrand, Ballflächen, Rutsche, Kleinbadeteich, Café, Toiletten, Duschen und einen Kiosk mit Zubehör für den Fall, dass mal wieder jemand seine Badehose vergessen hat. Und einen abgegrenzten Schwimmbereich, dessen Bojenleine so lang ist, dass auch Sportschwimmer ihre Bahnen ziehen können. Und nicht zuletzt: extrem nettes Personal, das sich außerdem um die meist wochenweise Vermietung der Campingbungalows nebenan kümmert.

Jenseits des Bads sorgen eine Wasserskianlage, ein Kajakverleih sowie ein Restaurant für Ferieninfrastruktur. Und sollte ein Gewitter aufziehen, bietet auf dem Rückweg direkt am Potsdamer Hauptbahnhof das neue Hallenbad Blu mit Riesenrutsche und großem Familienbereich eine blitz- und donnerfreie Alternative.

Waldbad Templin, Templiner Straße 110, 14473 Potsdam, www.swp-potsdam.de
Verbindung: Die S1 fährt nach Potsdam Hbf, von dort Bus 607, Bushaltestelle Forsthaus Templin.
Übernachtung: Bungalows für 4–6 Personen, Vermietung wochenweise, Tel. 0331/661 98 01, Fax 0331/661 98 03, Mail info@blp-potsdam.de
Und außerdem: Brauhausberg mit Einsteinturm von Erich Mendelsohn (im Sommer nur von außen begehbar), Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und nebenan Klettergarten


3. Rheinsberger Rhin

Wo Libellen und Eisvögel um die Wette schillern: Unterwegs auf Brandenburgs schnellstem fließendem Gewässer, dem Rheinsberger Rhin.

Foto: BergerTours

Ein leuchtend blauer Streifen ist mitunter das erste, was man vom Eisvogel sieht, der sich schon kurz nach Beginn der Paddeltour zeigt. Auf gemieteten Zweier-Kajaks geht es bei der Rhintour von Rheinsberg nach Zippelsförde. Den ersten Teil der Strecke mäandert der Rhin noch recht gemütlich durch einen herrlichen Mischwald. Das Plätschern des Gewässers, das Rauschen der Blätter und die mannigfaltigen Vogelstimmen begleiten die Ausflügler auf der etwa 16 Kilometer langen Paddelstrecke.

17 Meter Gefälle sind zwischen dem Start in Rheinsberg und dem Ziel in Zippelsförde zu bewältigen. Das bedeutet: Man ist auf Brandenburgs schnellstem fließendem Gewässer unterwegs – sozusagen Wildwasser. Kanuerfahrung kann da nicht schaden. An manchen Stellen ist die Strömung schneller und man muss aufpassen, nicht quer an umgestürzten Bäumen hängenzubleiben oder auf einer Sandbank zu stranden. Eine Fischtreppe in Rheinshagen zwingt die Kanuten, ihr Gefährt ein kurzes Stück zu tragen. Spätestens hier merkt man: An Wochenenden kann es schon mal voll werden, weshalb man die benötigten Kanus vorher reservieren sollte.

Hinter der Umtrage beginnt der landschaftlich schönere Teil der Tour. Wieder sind es „blaue Flieger“, dieses Mal Blauflügel-Prachtlibellen, die daran erinnern, dass es sich hier um einen der seltenen, schützenswerten, natürlichen Lebensräume handelt. Das ist übrigens der Grund, weshalb der Rhin hier nur vom 15. Juni bis 31. Oktober und bei einem Mindestwasserstand von 65 Zentimetern befahren werden darf. Nach rund fünf Stunden ist Zippelsförde erreicht. Dort wartet bereits das Kanutaxi des Bootsverleihers für den Rücktransport. Falls die Ausflügler bei der Fischzucht Zippelsförde nicht noch angeln wollen.

Rhintour/ Tagestour, Rheinshagener Weg, gegenüber Restaurant „Jägerhof“, 16827 Zippelsförde/Neuruppin. Einer- und Zweier-Kajaks (30 bzw. 45 €/ Tag) inklusive späterer Abholung zu buchen über BergerTours Kanu-Touristik. www.bergertours.de
Anfahrt: Vom S-Bahnhof Spandau fährt der RE6 nach Neuruppin/Rheinsberger Tor. Von dort empfiehlt sich die Weiterfahrt mit dem Rad.
Übernachtung: BergerTours Kanu-Touristik bietet auch einfache Übernachtungsmöglichkeiten in Gästezimmern, im Bauwagen oder auf dem Zeltplatz an.
Und außerdem: Fischzucht Zippelsförde Am Ausflugsziel gibt es diverse frische Fische aus örtlicher Zucht. Im Angelpark kann man Karpfen, Saiblinge oder Forellen auch selber angeln. www.fz-zippelsfoerde.de
Rund um Rheinsberg Weitere Informationen zu Natur, Kultur und Tourismus rund um Rheinsberg gibt es hier: www.rheinsberg.de


4. Eberswalde

Toller Zoo, lebendige Kulturszene: Ist das Familien­paradies Eberswalde der neue Prenzlauer Berg?

Foto: Steffen Zahn / flickr.com / CC BY 2.0

Tierparks gibt es auch in Berlin – und doch lohnt es sich gerade für Familien, für einen Zoobesuch ins 50 Kilometer nordöstlich gelegene Eberswalde zu fahren. Der dortige Zoo, mit vielen Spielplätzen hübsch im Wald gelegen, hat genau die richtige Größe, um an einem halben Tag erkundet zu werden – ohne dass am Ende die Füße schmerzen. Doch Eberswalde, mit dem RE 3 vom Hauptbahnhof Berlin bequem in unter einer Stunde zu erreichen, hat mehr zu bieten.

Die Barnimer Kreisstadt zieht mit ihrer kleinen Hochschule junge Menschen an und verfügt über eine aktive Kulturszene. Erste Vergleiche mit dem Prenzlauer Berg früherer Jahre machen bereits die Runde.

Jeden Samstag ab 10.30 Uhr trifft man sich am historischen Marktplatz zu „Guten Morgen Eberswalde“, einer stets familienfreundlichen Veranstaltungsreihe mit Konzerten oder Artisten – Eintritt frei. Neben dem Zoo lohnt sich auch ein Besuch im weitläufigen Familiengarten auf dem Gelände der Landesgartenschau von 2002. Kinder lieben außerdem das Freizeitbad Baff. Herrlich spazieren lässt es sich entlang des Treidelwegs am Finowkanal, und für eine Übernachtung empfiehlt sich die EJB am nahen Werbellinsee, wo nicht nur Gruppen, sondern auch Einzelpersonen einchecken können.

Zoo Eberswalde, Am Wasserfall 1, Eintritt: 10 €, erm. 5 € zoo.eberswalde.de
Anfahrt: Vom Hauptbahnhof fährt der RE3 nach Eberswalde Hbf. Fahrradmitnahme möglich und empfehlenswert!
Übernachtung: EJB Werbellinsee Joachimsthaler Str. 20, 16247 Joachimsthal, www.ejb-werbellinsee.de
Und außerdem: Guten Morgen Eberswalde Programm unter www.mescal.de
Freizeitbad Baff Sportzentrum Westend, Heegermühler Straße 69a, 16225 Eberswalde, www.baff-bad.de
Familiengarten Eberswalde Am Alten Walzwerk 1, 16227 Eberswalde, Eintritt: 4 €, erm. 2 €, www.familiengarten-eberswalde.de


5. Dahme-Radweg

Auf dem Dahme-Radweg von Königs Wusterhausen nach Prieros zu radeln ist ausgleichender als Yoga.

Foto: ReFanCard / Campingplatz D66

Wer nicht mit Sack und Pack zu überlaufenen Berliner Wasserstellen pilgern will, um statt Erholung in der Frische nur staubige Erschöpfung zu ernten, muss eigentlich bloß eins tun: mit der S-Bahn-Linie 46 zur Endstation fahren und den Schildern eines Brandenburger Radwegs folgen. Erwarten darf man Fahrtwind in den Haaren, der besser als jedes Yoga-Mantra alle „negativen Vibes“ vertreibt, und Kiefernduft, der dem Diesel-Gestank an der Ampel ein klares Statement entgegensetzt. Außerdem die Einsicht, dass sich das glücksbringende Entdecker-Gefühl, nicht zu wissen, was um die nächste Ecke kommt, auch im Brandenburgischen einstellen kann. Wenn dann noch das Bett für die Nacht auf einem Hausboot im Takt des kühlen Sees schaukelt, über einem der Sternenhimmel funkelt und die Kinder erschöpft und glücklich in ihren Kojen schnarchen – was will man mehr!

Von Königs Wusterhausen führt der Dahme-Radweg bei gemütlichem Tempo in etwa drei Stunden bis nach Prieros. Unterwegs überquert man eine Schleuse, kommt an einem idyllischen Strandbad vorbei und kann in Kuddels Gastwirtschaft am Dolgensee die Füße ins Wasser hängen. Über einen holprigen Waldweg erreicht man schließlich den versteckten Zeltplatz D66, wo man sich in einen Wohnwagen oder auf ein Hausboot einquartieren kann.

Dahme-Radweg, www.dahme-radweg.de, www.koenigs-wusterhausen.de
Verbindung: Mit der S46 bis zur Haltestelle „Königs Wusterhausen“ fahren.
Und außerdem: Campingplatz D66 Am Schmöldesee, Urlauberstr. – Postfach 63, 15754 Heidesee OT Gräbendorf, www.campingplatzd66.de,
Dort auch: Hausbootbucht www.hausboot-sonnenschein.de
Strandbad Neue Mühle unweit der Schleuse Neue Mühle am Krimnicksee gelegen, auch Ausgangspunkt für Kanufahrten durch „Klein-Venedig“, Küchenmeisterallee 33, 15711 Königs Wusterhausen, tgl. 10–18 Uhr, Eintritt 3 (Erw.), 1,50 € (Kinder), frei (unter 3 Jahren)


6. Ziegeleipark Mildenberg

Ein Museum für Backsteine, das klingt wenig aufregend. Wie spannend das Handwerk ist, beweist der Ziegeleipark Mildenberg.

Foto: Petra Konschak

Dass der Landkreis Oberhavel mal eines der größten Ziegelreviere Europas war, ist etwas in Vergessenheit geraten. Dabei sollte dieser Fakt gerade für Berliner wichtig sein: Ihre Stadt wurde maßgeblich aus den gebrannten Ziegeln der Region um Mildenberg erbaut. Bis zum Ende der DDR wurde im Revier produziert – bis zuletzt unter ziemlich widrigen Bedingungen, wie der staunende Besucher erfährt.

Gut, die Vorstellung, sich ein Ziegeleimuseum anzuschauen, mag erst mal etwas langweilig wirken. Aber: In Mildenberg haben sich die Verantwortlichen ein schlüssiges Konzept aus Museumsbereichen, Parkerkundung und Unterhaltung einfallen lassen. Perfekt für Familien. Denn auf dem rund 40 Hektar großen Gelände taucht man einerseits in die Geschichte der Ziegelindustrie ein, kann dabei den Park aber auch als Erlebnis- und Entspannungsraum nutzen. Die Kinder toben sich auf dem Abenteuerspielplatz aus, während die Eltern sich in der ruckeligen Feldbahn durchs Gelände kutschieren lassen. Individualisten erkunden den Park mit einem Go-Kart. Es gibt einen großen Grillplatz direkt am Wasser – und am Ende des Tages hält jedes Familienmitglied einen selbstgeformten Ziegel in der Hand.

Ziegeleipark Mildenberg, Ziegelei 10, 16792 Zehdenick, Ortsteil Mildenberg, www.ziegeleipark.de
Anfahrt: Der Ziegeleipark liegt auf dem Radfernweg Berlin-Kopenhagen. Wer die Bahn vorzieht, fährt RE5 bis Gransee + Bus 854 oder Anfahrt RB12 bis Zehdenick + Bus 838.
Übernachtung: Gasthaus „Alter Hafen“, Ziegelei 11, 16792 Zehdenick, Tel: 03307–30 18 70, www.gasthaus-alter-hafen.de
Und außerdem: Haflinger- und Ponyfarm Müller Ob Anfänger oder Profi: Für jeden gibt es das passende Pferd. Mit der Kutsche lässt sich gemütlich das Brandenburger Land rund um Zehdenick erkunden. Steindammerweg 32, 16792 Zehdenick, www.die-farm-zehdenick.de
Kletterwald Schorfheide Der direkt an den Wildpark Schorfheide angrenzende Kletterwald bietet viel Spaß und tolle Möglichkeiten sich in der Natur zu bewegen. Aufregend sind vor allem die Nachtkletterevents! An der Stadtmauer 10–12, 16321 Bernau, www.kletterwald-schorfheide.de


7. Potsdam

Um Sonnensittiche zu beobachten, muss man nicht in die Tropen reisen. Ein Besuch in Potsdam genügt.

Foto: Martin Wolf 2013 / Agentur Kraftstoff

Fernreisen mit kleineren Kindern sind teuer und nicht zwingend ein Vergnügen: Lange Flüge, ungewohnte Kost, das Klima… Und die erhoffte exotische Fauna ist auch nicht nach Fingerschnipsen zur Stelle. Anders ist das bei einem Besuch in der Biosphäre Potsdam. Die tropische Landschaft hier bietet alle Attraktionen sozusagen im Zeitraffer: tropischen Regen, Schmetterlinge in ihren Stationen vom Kokon bis zum flugfähigen Falter, außerdem Leguane, Schrecken im Blätter-Look oder prachtvoll bunte Vögel wie den Sonnensittich.

Gleich neben der Biosphäre liegt übrigens der Volkspark Potsdam. Der war 2001 mal eine Bundesgartenschau und glänzt auf seinen 65 Hektar mit entsprechend vielen Attraktionen: Etwa einem Wasser- und Kletterspielplatz, einem vier Kilometer langen Rundweg und natürlich einem reichhaltigen Veranstaltungsprogramm, zu dem auch Ferienabenteuer gehören. Warum also nicht spontan einmal Nah- statt Fernurlaub machen? Zumal mit dem Königlichen Campingpark Sanssouci am Templiner See auch familienfreundliche Übernachtungsmöglichkeiten existieren: Wer will, kann hier in Fässern schlafen.

Biosphäre Potsdam, Georg-Hermann-Allee 99, 14469 Potsdam, www.biosphaere-potsdam.de
Volkspark Potsdam, Georg-Hermann-Allee 101, 14469 Potsdam, www.volkspark-potsdam.de
Anfahrt: Die S1 oder der RE1 fahren bis Potsdam Hbf. Von dort mit der Tram 96 bis zur Haltestelle Volkspark Potsdam.
Übernachtung: Campingpark Sanssouci An der Pirschheide 41, 14471 Potsdam, www.camping-potsdam.de


8. Spitzmühle

Im Norden des Bötzowsees liegt die Spitzmühle. Hier erprobt eine Genossenschaft das schöne Leben.

Foto: Dorit Loock

Zwischen Berlin und Strausberg liegt mitten in einem Waldgebiet der Bötzsee, vier Kilometer lang, 400 Meter breit. Am südwestlichen Ufer, in Eggersdorf, gibt es kleines, verstecktes Strandbad, das östliche Ufer bietet dafür viele kleine Buchten und Einstiege zum Schwimmen. Und das Wasser ist glasklar und besonders an lauen Sommerabenden so sanft wie Seide.

Fast vergessen ist die kleine Landzunge Spitzmühle, die im Norden den Bötzsees von seinem Nachbarn, dem Fängersee, trennt und die zu DDR-Zeiten ein beliebtes Ausflugsziel war. In der Nachwendezeit ging hier so mancher Investor pleite.

Seit zwei Jahren gehört das Hotel Neue Spitzmühle nun einem neuen Eigentümer, einen gleichnamigen Verein, der das Grundstück genossenschaftlich bewirtschaftet. Man kann hier also nicht so ohne weiteres übernachten, sondern muss Mitglied im Verein werden, kann dann aber auch an allen sommerlichen Aktivitäten teilnehmen. Und ja zum Teufel: Das sind alles Hippies! Aber verdammt noch mal: „What’s so funny about peace, love and understanding?“, fragte doch schon der Dichter.

Neue Spitzmühle, Spitzmühlenweg 2, 15344 Strausberg, Tel.: 03341/390 05 50, auf Facebook via „Spitzmühle“
Anfahrt: Mit der S5 bis Strausberg, dann am besten mit dem Fahrrad weiter: Auf der Berliner Straße bis Spitzmühlenweg und dem Richtung Nordwesten folgen.
Und außerdem: Petershagen / Eggersdorf Über die Webseite des „Doppeldorfes“ ist auch das Strandbad Bötzsee mit Öffnungszeiten und Eintrittspreisen vernetzt. Außerdem findet man hier Infos zu weiteren Attraktionen und Übernachtungsmöglichkeiten: www.doppeldorf.de


9. Stolzenhagen

Das Freibad Stolzenhagen ist nicht nur kinder-, sondern auch umweltfreundlich.

Foto: Erik Heier

Auf dem Volleyballplatz fliegen die Verrückten tief. Die, die immer gewinnen wollen. Jedes Spiel. Egal, wie heiß es ist. Die baggern wie blöd. Hechten in den Sand, dem Ball entgegen. Lachen dabei. Und es ist heiß an diesem Sonntag. Verdammt heiß. Großartig heiß.

Dann ist man also im Strandbad Stolzenhagen, 30 Kilometer nördlich von Berlin, ganz schön richtig. Wo Kiefern die gepflegte Liegewiesen beschatten, was hilfreich ist, wenn die Sonne, wie an besagtem Sonntag, noch am späten Nachmittag satt runterbretzelt. Man kann sich aber ebenso gut in den Sand legen, die volle Glimme mitnehmen, dafür dann vielleicht noch einen Liegestuhl leihen. Oder mit einem ebenfalls im Strandbad ausleihbaren Tretboot an der Badestelle vorbeigondeln, wo es auch kinderfreundlich flach ins Wasser hinein geht.

Der langstreckte Stolzenhagener See, der zum Biesenthal-Wandlitz-Prendener Seengebiet gehört, ist übrigens – wie der unmittelbar benachbarte Wandlitzsee – in Privatbesitz, er gehört seit 1831 einer Familie. Was hier aber, anders als beim teilweise mit Zäunen abgetrennten Wandlitzsee, kein Hindernis ist.

Das Freibad wurde bereits mehrfach mit der „Blauen Flagge“ als besonders umweltfreundlich und wegen seines sauberen Wassers ausgezeichnet. Und zwischen den Badefreuden verschafft ein solider kleiner Imbiss mit Softeis die nötige Sättigungsgrundlage. Oder auch ein Strandbier. Die auf dem Volleyballplatz können am Ende des Tages beides verdammt gut gebrauchen.

Strandbad Stolzenhagen, Straße Am See 90, Wandlitz, Ortsteil Stolzenhagen, tgl. 10–20 Uhr (Mai–Sept.), www.strandbad-stolzenhagen.de
Anfahrt: S2 bis Karow, RE 27 bis Wandlitz, Wandlitzsee Bahnhof, Bus 902 bis Stolzenhagen
Übernachtung: La Finca de Don Quichote Wenn schon Siesta, dann stilecht. Der Betreiber der Ferienwohnungen und Ferienzimmer in einem 120 Jahre alten Bauernhaus hat spanische Wurzeln und bereitet aus Bestellung für größere Gruppen am offenen Holzfeuer persönlich die spanische Paella zum gleichnamigen Abend zu. Dorfstr. 49, Wandlitz, Ortsteil Stolzenhagen, www.lafinca-stolzenhagen.de
Und außerdem: Barnim Panorama Museum und Naturparkzentrum in einem gemeinsamen Gebäudeensemble auf fast 1.700 Quadratmetern, das die Entwicklung des Barnim zur Kulturlandschaft unter anderem in sechs Themenräumen nachzeichnet. Dazu: Schaugarten, Entdeckerpfad. Und Sommer-Konzerte in der Traktorenausstellung, am 15. Juli zum Beispiel ein Konzert für Waldhorn und drei Streicher mit Werken unter anderem von Mendelssohn-Bartholdy, Breitscheidstr. 8–9, Wandlitz. www.barnim-panorama.de


10. Zollbrücke

Wie Zen-Buddhismus in Brandenburg: Zollbrücke ist ein Nichts, umgeben von einem noch größeren Nichts. Und daran ist nichts schlecht. Ganz im Gegenteil.

Foto: Imago / Jürgen Ritter

Der Name täuscht. Eine Brücke über die Oder gibt es hier schon lange nicht mehr. Genauer gesagt: seit 1806. Damals zerstörte ein Eishochwasser der Oder die Brücke, die dann für fast 150 Jahre durch eine Fähre ersetzt wurde. Aber auch die liegt jetzt seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs auf dem Trockenen.

Heute ist der Ort Zollbrücke die Verkörperung des Zen-Buddhismus in Brandenburg: Ein Nichts, umgeben von einem noch viel größeren Nichts. Dafür lohnt die Anreise zu jeder Jahreszeit: Im Sommer kann man im Schatten uralter Weiden auf der Wiese des Damms sitzen und auf den Fluss blicken, im Frühling und Herbst lädt die flache Landschaft zu Radtouren ein.

Es gibt gleich mehrere sehr nette Ausflugslokale, in denen man auch übernachten kann, etwa das Gasthaus Zollbrücke. Und es gibt das sehr schöne, aus Naturmaterialien erbaute Theater am Rand, das der Schauspieler Thomas Rühmann („In aller Freundschaft“) und der Musiker Tobias Morgenstern gemeinsam betreiben.

Anfahrt: Mit dem RE3 nach Eberswalde, von dort mit dem RB60 nach Wriezen (Fahrradmitnahme jeweils möglich). Ab hier etwa 15 Kilometer nach Zollbrücke radeln. Oder den Bus 875 nehmen.
Übernachtung: Über die Webseite des Theaters am Rand, siehe unten, findet man Übernachtungsmöglichkeiten.
Und außerdem: Gasthaus Zollbrücke Zollbrücke 7, OT Zäckericker Loose, 16259 Oderaue, www.gh-zollbruecke.de
Theater am Rand Zollbrücke 16, 16259 Oderaue, www.theateramrand.de

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