Shopping und Stil in Berlin

Mode zum Selbermachen

In diesen Kleidungsstücken steckt echtes Herzblut: die Berliner Firmen Fake Feathers und Schnittvision entwerfen einen Berlin-Look, den man an der Nähmaschine nachschneidern kann

FakeFeathers_Niagara-und-LoopingDas Cocktailkleid sitzt körpernah, aber nicht zu eng. Sein Material: edle, goldfarbene Seide, auf der sich vom Rocksaum bis knapp über die Taille prächtige aufgedruckte Blumen hochranken. Sie verweisen auf den von einem Band gerafften Halsausschnitt und die nach amerikanischem Vorbild schräg freiliegenden, schönen Schultern der Trägerin. Keine Frage: Das Kleid „Looping“, ein Kollektionsteil des Berliner Labels Fake Feathers, hat dieses gewisse Etwas. Es strahlt eine gleichermaßen verspielte, dennoch selbstbewusste Sexyness aus, wie man sie der Berlinerin gerne zuschreibt.

Trotzdem ist Fake Feathers so ganz anders als die vielen hauptstädtischen Fashion-Labels, wie sie in diesen Tagen auf der Premium, der Capsule Tradeshow, der Lavera Showfloor oder weiteren Veranstaltungen der Fashion Week Berlin präsentiert werden. Denn Fake Feathers liegt nicht nur stilistisch im Trend. FakeFeathers_FlowerbeltDie beiden Berliner Designerinnen Monica Felgendreher und Nicole Stoll, zwei Kostümbildnerinnen, haben mit ihrem Label auch eine weitere aktuelle Strömung aufgegriffen: den Wunsch von immer mehr Menschen, im Do-it-yourself-Verfahren etwas selbst herzustellen. Ob Bolero-Jäckchen „Neverland“ oder das neueste Kollektionsteil, ein weich fließendes Kleid mit glamourösem Wasserfallausschnitt – die Stücke werden als komplette, liebevoll gestaltete Nähpakete mit Schnittmustern in mehreren Größen, Stoff, Nähanleitung, Garn und sogar Schneidernessel für einen ersten Probelauf an der Nähmaschine per Online-Shop oder direkt im Laden-Atelier verkauft.

„Bei der Schnitterstellung achten wir nicht nur darauf, dass auch weniger geübte Hobby-Schneiderinnen damit zurechtkommen“, sagt Monica Felgendreher. „In den von uns verfassten Nähanleitungen bedienen wir uns auch einer einfachen Sprache und zeigen jeden Schritt mit Skizzen.“ Wer trotzdem noch unsicher ist – oder lieber in Gesellschaft näht –, kann aber auch jeden ersten Samstag in das kürzlich eröffnete Nähhaus der beiden Designerinnen zum Workshop nach Schöneberg kommen. Oder das fertig genähte Kollektionsteil kaufen, mit deutlichem Aufpreis allerdings.

Schnittvision_schnittmusterEbenfalls sehr edel im Look, wenn auch stilistisch etwas zurückhaltender, sind die Kollektionen der Berliner Designerin Tina Fliessbach. Die von ihr entworfenen Sommerkleider, Mäntel oder Blusen sind echte Multitalente: Je nach Styling können ihre Trägerinnen mit diesen Stücken Arbeitstage im Büro bestreiten. Oder auf Empfängen eine gute Figur machen. Letzteres ist wörtlich zu nehmen, denn Tina Fliessbachs Kollektionsteile sind maßgeschneidert. Der Clou dabei: Die Maßschneider sind in der Regel die Trägerinnen selber, denn Tina Fliessbach verkauft über ihre Firma Schnittvision lediglich Entwürfe plus einer ausgefeilten Schnittsoftware. „Man gibt dabei seine persönlichen Maße in eine Tabelle ein“, erklärt sie. „Die Software rechnet dann meine Schnitte entsprechend um. Anschließend kann man den Maßschnitt ausdrucken oder sich von uns als Schnittbogen schicken lassen.“

/SchnittvisionEin Prinzip, mit dem Tina Fliessbach seit rund zehn Jahren international Erfolg hat. Über ihren Online-Shop werden die Schnitte per Download oder CD-Bestellung weltweit verkauft: „Unsere Kunden sitzen in Australien, den USA oder Dänemark.“ Nicht selten sind es Menschen, die nicht den gängigen Konfektionsgrößen entsprechen, etwa weil sie sehr groß oder klein sind. Es sind aber auch Menschen, die Lieblingsteile immer wieder neu haben wollen. Tina Fliessbach: „Sie verarbeiten einfach unterschiedliche Stoffe oder Muster und erzielen mit jeder neuen Version ganz andere Effekte.“
Doch das Prinzip von Schnittvision ist auch hinsichtlich der wahren Körpermaße echter Frauen sehr demokratisch. Denn immerhin können die Anwenderinnen die Kleidungsstücke von der Damengröße 32 bis 52 variieren. Ob man Berliner Chic trägt, ist somit keine Frage mehr von dick oder dünn. 

Text: Eva Apraku

Fotos: Fake Feathers, Schnittvision

Fake Feathers
Selfmade Couture Berlin, Kolonnenstraße 27, Schöneberg,
Mo–Do 10–14 Uhr, Fr+Sa 10–18 Uhr,

nächster Nähworkshop: 6.7., 14–18 Uhr, Modell: „Flower Bomb“, www.fakefeathers.de

Schnittvision
Online-Shop u.a. mit Video-Anleitungen z.B. zu „Richtig maßnehmen“ unter www.schnittvision-store.de

CUT – Leute machen Kleider
Do-it-yourself-Modemagazin mit Schnittmusterbogen; zu haben in ausgesuchten Zeitschriftenläden, im Bahnhofsbuchhandel oder über www.cut-magazine.com

Tessuti – Stoffe aus Italien
Grolmanstraße 40, Charlottenburg, Mo–Fr 11–19 Uhr, Sa 11–16 Uhr,
Tel. 88 55 42 80, www.tessuti-stoffe.com

Espe Kurzwaren
Reißverschlüsse, Garne, Knöpfe und vieles mehr,
Wilmersdorfer Straße 106, Charlottenburg, Mo–Fr 9.30–18 Uhr,
Sa 9.30–13 Uhr, Tel. 324 50 04

Stoffmarkt am Maybachufer 

 

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