Kino & Film in Berlin

Momentaufnahmen eines Kiezes: „Kreuzkölln“ im Kino

Sympathische Unmittelbarkeit: Kreuzkölln spannt zwei Filme aus Kreuzberg zusammen.

In Kreuzberg wimmelt es von Eckenstehern wie Murat und Hakan, die den ganzen Tag von ihrer Straßenecke aus das nahe Kiezumfeld beobachten. Serdal Karaca hat mit „Moruk“ einen Film in der „Clerks“-Tradition geschaffen: Die Kreuzberger Straßenecke ist ein kleiner Kosmos, den sich die Protagonisten – mangels häusli­cher Entfaltungsmöglichkeiten – im öffentlichen Raum erobert haben. Hier üben sie Macho-Posen, die sich in Luft auflösen, als ihre besorgten Mütter anrufen, schauen Frauen nach und beschimpfen sich gegenseitig. Als die beiden sich mit zwei Mädchen verabreden, stehen Entscheidungszwänge an.
Eva Lia Reinegger und Anna de Paoli haben hingegen in „24 Stunden Schlesisches Tor“ einen Tag und eine Nacht rund ums Schlesische Tor dokumentiert, inklusive Ausgehmeute, Dönerverkäufern, Alteingesessenen und jungen Müttern. Sie beobachten Menschen, die an der Kreuzung verweilen, und fragen mit einer charmanten Mischung aus Naivität und Neugier nach ihren Gründen.
Sympathisch ist die Unmittelbarkeit, mit der alle drei Filmemacher agieren lassen: Der eine Film ist, der andere wirkt wie beobachtet. So gehen beide Werke als Momentaufnahme eines lebendigen Kiezes durch, der, bestehend aus Teilen von Kreuzberg und Neukölln, liebkosend „Kreuzkölln“ genannt wird (obwohl beide Filme in Kreuzberg spielen). Aber so ist es tatsächlich dort: weder Drogen­dea­lerschlachten noch ausschließlich Touristen, sondern irgendetwas Eigenwilliges dazwischen.

Text: Jenni Zylka

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Kreuzkölln“ im Kino in Berlin

Moruk, Deutschland 2009; Regie: Serdal Karaça; Darsteller: Oktay Özdemir, Burak Yigit, Irina Potapenko; Farbe, 29 Minuten

24 Stunden Schlesisches Tor, Deutschland 2009; Regie: Eva Lia Reinegger und Anna de Paoli; Farbe, 60 Minuten

Kinostart: 29. Oktober

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