Berlinale 2019

„Mr. Jones“ von Agniezska Holland (Wettbewerb 9)

Mr. Jones © Robert Palka / Film Produkcja

„Weizen ist Stalins Gold“, heißt es gleich zu Beginn von Agnieszka Hollands mitreißendem Historienepos „Mr. Jones“, und damit ist der Film zu weiten Teilen beschrieben. Nimmt man noch den Satz „Es gibt nur eine Wahrheit“ dazu, sind die beiden Pole benannt, zwischen denen sich die polnische Regisseurin bewegt. Es geht um den Holodomor, wie der ukrainische Genozid bezeichnet wird, eine Hungersnot, die Anfang der 30er Jahre Millionen Leben kostete, und von der Willkür eines Mannes verursacht wurde: Stalin. Der galt zu dieser Zeit auch vielen westlichen Intellektuellen noch als große Hoffnung, als Mann, der sein Reich auf zwar harte, aber notwendige Weise zu einer glorreichen, kommunistischen Zukunft führen würde. Zu diesen Männern gehörte auch der Moskau Korrespondent der New York Times, Walter Duranty (Peter Saarsgard), der einst mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde und nun in Moskau ein süßes Leben führt, finanziert vom Regime, dessen Positionen er weitestgehend übernimmt. Längst hat Duranty all die journalistischen Ideale verloren, für die der Waliser Gareth Jones (James Norton) lebt – und sterben wird. Als Berater der britischen Regierung hatte Jones früh vor dem Erstarken der Sowjetunion gewarnt, doch er blieb ungehört. Nach seiner Entlassung macht er sich auf eigene Faust auf den Weg nach Moskau, lässt sich auch von der Korruption der Hauptstadt nicht aus der Bahn werfen und schafft es, in die Ukraine zu reisen. Dort sieht er das Grauen mit eigenen Augen: Tote auf der Straße, Tote im Bett, Tote, die als Nahrung dienen. Durch glückliche Umstände kann er das Land verlassen, doch in Großbritannien will niemand seine Geschichte glauben, bis tatsächlich der Zeitungs-Tycoon William Randolph Hearst sie druckte, wohl auch, um dem Konkurrenzblatt New York Times eins auszuwischen. Mr. Jones ist eine große Ode an den Journalismus und an die Suche nach der Wahrheit.   MICHAEL MEYNS

 

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