Bar

Mr. Susan in Mitte

A Boy named Susan – Mitte hat jetzt eine Bar bekommen, die es vielleicht nicht verdient hat, aber dringend braucht: ein weltläufiger, nie bierernster Abend in Mr. Susan

Foto: Clemens Niedenthal

An der Oranienburger Straße tut sich was. Langsam, aber nicht still und nicht leise. Erst zog die zauberhafte Tadschikische Teestube in die zuletzt vor allem von klar kalkulierten touristischen Angeboten geprägte Eins-a-Lage. Vor wenigen Jahren folgte das vibrierende Night Kitchen in den Heckmann Höfen – nun also das Mr. Susan, mit einem Bein auf der Krausnick-, mit dem anderen auf der Oranienburger Straße und mit beiden Knöcheln im Souterrain, das einmal eine typische Berliner Kiezkneipe war. Also zu Zilles Zeiten.

Susan Choi, die schon seit einer Weile als umtriebige Popup-Gastronomin Berliner Gaumen begeistert, hat sich dafür mit Barmanager Shawn Beck und Bartender Damien Guichard zusammengetan. Letzterer stand noch bis Februar in der radikal lokalen Velvet Bar hinter dem Tresen. Das Ergebnis ist ein Ort, der sich nach weiter Welt anfühlt, nicht nach Touristenreservat, ein Ort mit Anspruch und Innovationsfreude, aber ohne den heiligen Ernst, der leider so vielen ambitionierten Bars anhängt. So schwimmt im Shandy, also Radler, ein hausgemachtes Eis am Stiel, die Michelada ziert ein Kimchi-Eis.

Die Karte ist zweigeteilt: auf der einen Seite gibt es alkoholfreie und weniger starke Kreationen, auf der anderen steigen die Umdrehungen. Das Angebot wechselt mit den Jahreszeiten, zur Zeit glänzt darauf das Sesame, eine Kreation aus Sesamöl, Whiskey, Aprikosenbrandy, Madeira und Lambrusco. Ausgefallen – aber eben nicht abgehoben. Dazu passt auch die Einrichtung: Gäste betreten einen türkisblauen Designtraum, der dennoch Gemütlichkeit verströmt mit seinen samtbezogenen Sitzen und dem zartrosa Tresen.
Zugegeben, die Preise befinden sich am oberen Ende des in Berlin Möglichen. Zwölf Euro für Cocktails, sind damit aber trotz der Lage direkt am Monbijoupark auch nicht teurer als zum Beispiel die Bryk Bar oder die Bar am Steinplatz. Bald sollen, Gerüchten zufolge, auch Barsnacks folgen, natürlich mit dem typischen Mr. Susan-Twist. Noch fehlt hier die Patina einer alteingesessenen Bar, aber das dürfte und sollte sich bald ändern. Mitte hat die Bar bekommen, die es vielleicht nicht verdient, aber dringend braucht.

Mr. Susan Krausnickstr. 1, Mitte, Di–Sa 18–2 Uhr, www.facebook.com/hellomrsusan

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