Kunst und Museen in Berlin

„Muse“ – Malerei von Miriam Vlaming in der Galerie Martin Mertens

Miriam Vlaming verabschiedet sich in ihren neuen Gemälden von aller Sentimentalität.

In die Wüste schickt Miriam Vlaming ihre fünf Protagonisten von „Step Into The Desert“, eine Gruppe, die zufällig zusammengewürfelt sein könnte. Den Menschen mit seinen Hoffnungen, Neigungen und Erwartungen rückt die Malerin in ihrer aktuellen Einzelausstellung „Muse“ in den Mittelpunkt, nachdem sie sich in einem vorhergehenden Werkzyklus intensiv mit Bauwerken, den Überresten der menschlichen Kultur, beschäftigt hatte. Trotz aller Bewegung („Home-party“) und trotz der Gefühle („Lovers for one Day“) scheinen die aus Fotos oder digitalen Bildern gezogenen Personen in ihrer Zeit festzusitzen – als hätte die Malerin sie wie Objekte unter einem Vergrößerungsglas mit ihren Fragen festgenagelt.

Was ist die Quintessenz des großen Ganzen, in einem Augenblick ausgedrückt? Was macht uns lebendig? Die Menschen sind eingefangen in den kräftigen, für Vlaming manchmal erstaunlich grellen Tönungen, die wie ein Rausch von fluorisierenden Acidfarben, Lacken, Metallpigmenten und auch Tusche auf der leuchtstarken Eitempera-Farbe um die Protagonisten pulsieren. Dieses Farbige transportiert eine gewisse Unbeschwertheit in die Bilder. Mit Spraylack breitet sich über die statischen Situationen ein Hauch von Flüchtigkeit aus.

Fast scheint es, als würde Miriam Vlaming mit ihren neuen Bildern zur Beobachterin, die sich dem Sog des Geschehens entzieht, fast analytisch, ohne Sentimentalität. Diese mag manchen, die ihre früheren Bilder lieben, etwas fehlen, aber hier öffnet sich ein Weg zu Neuem. Es ist nicht zu übersehen, dass Vlaming, die ihr Handwerk inzwischen virtuos beherrscht, noch immer ihre eigene Stimmung in jedem Bild durchscheinen lässt. Das macht ihre Malerei so fesselnd.

Text: Constanze Suhr

Foto: Galerie Martin Mertens / Miriam Vlaming

tip-Bewertung: Sehenswert

Muse – Malerei von Miriam VlamingGalerie Martin Mertens, Linienstraße 148, Mitte, Di–Sa 12–18 Uhr, bis 28.6.

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