Psychothriller

„Nach einer wahren Geschichte“ im Kino

Mit „Nach einer wahren Geschichte“ bewegt sich Roman Polanski auf höchst vertrautem Terrain: Kammerspiele um Macht mit gegenseitigen Manipulationen und dem Verschwimmen der Grenzen von Realität und Fantasie

Carole Bethuel/ Studiocanal

Delphine ist erschöpft. Der letzte Roman der Schriftstellerin war ein großer Erfolg, aber die nachfolgende Lesetournee mit Autogrammstunden und wissbegierigen Fans empfindet sie zunehmend als Qual. Da kommt ihr eine Leserin, die Verständnis für ihre Situation empfindet und sie mit ein wenig Empathie wieder aufbauen kann, gerade recht. Elle ist zudem selber Autorin, allerdings als Ghostwriterin. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft?

Jedenfalls vertraut sich Delphine der Jüngerin an, spricht von ihrer Schreibblockade und davon, dass sich ihr Lebensgefährte wegen seiner eigenen Literatursendung wenig um sie kümmern kann und derzeit für Interviews längere Zeit in den USA ist. So wird Elle mehr und mehr zur einzigen Vertrauten von Delphine, hilft ihr sowohl in praktischen Dingen, meint allerdings auch zu wissen, wie ihr neues Buch aussehen sollte. Schließlich schlägt sie sogar vor, anstelle Delphines eine Lesung in der Provinz zu übernehmen.

Der Autor und sein größter Fan – dabei darf der filmkundige Zuschauer sofort an Stephen Kings „Misery“ denken. Auch Kathy Bates wusste in der Verfilmung ganz genau, wie der kommende Roman von James Caan aussehen sollte. Doch während sie der Durchsetzung ihrer Vorstellungen handgreiflich Ausdruck verlieh, versucht Elle hier eher mit psychologischem Druck zu arbeiten.

Mit „Nach einer wahren Geschichte“ bewegt sich Roman Polanski auf höchst vertrautem Terrain: Kammerspiele um Macht mit gegenseitigen Manipulationen und dem Verschwimmen der Grenzen von Realität und Fantasie – fast hat es den Anschein, als würde sein neuer Film sein Gesamtwerk bündeln. Mit Olivier Assayas als Ko-Autor hat er zudem jemanden an seiner Seite, der in seinen letzten beiden Filmen ähnliche Themen bearbeitet hat. Lange Zeit bleibt alles in der Schwebe, schlägt schließlich einen Haken, der eine Umkehrung der Rollen andeutet. Leider ist die Auflösung dann eher enttäuschend.

Nach einer wahren Geschichte F 2017, 101 Min., R: Roman Polanski, D: Emmanuelle Seigner, Eva Green, Vincent Perez, Start: 17.5.

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