Theater und Bühne in Berlin

Nachruf Sven Lehmann 27.10.1965?–?3.4.2013

Sven Lehmann war einer der markantesten Schauspieler des Deutschen Theaters. Nur 47-jährig ist er am 3. April 2013 gestorben.

Sven_LehmannSven Lehmann brachte in all seinen Rollen am Deutschen Theater eine eigene, sehr spezielle Färbung in die jeweiligen Inszenierungen ein – oft von trockenster, lakonischer Komik, wenn nötig mit ungedämpfter Härte oder einer tieftraurigen, gänzlich unsentimentalen Verlorenheit. Lau, gefällig und gefallsüchtig, saturiert war sein Spiel nie. Genauso wenig war Sven Lehmann als Mensch in Gefahr, zum opportunistischen Theaterdienstleister zu werden.

Dieser Schauspieler meinte es ernst mit dem Theater und auf jeden Fall zu ernst, um es mit einem Wohlfühlangebot zu verwechseln. Auch das machte ihn seit Michael Thalheimers „Emilia Galotti“-Inszenierung, in der Lehmann 2001 mit traurig-absurder Komik den Prinzen Gonzaga spielte, zu einem der ausstrahlungsstärksten, markantesten, auch abgründigsten Schauspieler im Ensemble des Deutschen Theaters. Michael Thalheimer, ein Regisseur, dem der Drang nach Gefälligkeit so fremd ist wie Lehmann, wurde sein wichtigster Regiepartner. Er war ein sehr spöttischer, nüchterner, geerdeter Mephisto im „Faust“, Hagen Tronje in den „Nibelungen“, eine getretene Proleten-Kreatur in Hauptmanns „Die Ratten“ – alles Inszenierungen von Michael Thalheimer. Wem das Theater etwas bedeutet, der wird diesen sehr besonderen Schauspieler, wenn er ihn einmal in einer großen Rolle erlebt hat, lange nicht vergessen.
Am Abend des 3. April ist Sven Lehmann nach langer, schwerer Krankheit in Berlin gestorben. Er wurde nur 47 Jahre alt.       

Text: Peter Laudenbach
Foto: Arno Declair

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