Shopping und Stil in Berlin

Nachtflohmarkt im SO36: Becher, Bücher, Gummischlangen

Ein Club als Flohmarkt schon eine andere Atmosphäre als auf dem Parkplatz oder im Park.

Portrait_Nachtflomarkt_kirchner
Foto: Robin Kirchner

Die Vorteile liegen für Torsten Vrenegor (Foto, rechts) klar auf der Hand: „Es ist überdacht und somit auch bei Regen optimal. Und es gibt eine Bar“, sagt er, ein Bier in der Hand. Warm ist es auch, an diesem Abend fast ein bisschen zu warm. Publikum wie Händler sind hier relativ jung, „Kreuzberger Touristenpublikum“, urteilt Vrenegor. Aber auch viele Anwohner. Im Angebot: Vorwiegend Kleidung, Schuhe, ein bisschen Dekokram und Nippes. Ein paar besondere Schätzchen hat Vrenegor auf seinem Tisch liegen: „Vieles habe ich für Mottopartys gekauft, zum Beispiel diesen Filzhut.“ Im SO36 ist Torsten Vrenegor zum zweiten Mal, heute teilt er sich mit zwei Freunden den Stand. Der finanzielle Aspekt ist eher zweitrangig, „ich will die Sachen vor allem loswerden.“ Die schwarze Katze, ein etwas gruseliges Tierchen, hat Vrenegor ebenfalls für ­eine Mottoparty gekauft – sein Freund und er sind als Hänsel und Gretel gegangen. Schon im letzten Jahr wollte Vrenegor die Katze verkaufen, drei Euro waren aber allen Interessenten zu teuer. Dieses Jahr probiert er es mit zwei Euro.

Unbedingt weg muss auch ein über­dimensionaler Porzellanbecher, den Vrenegor zum 30. Geburtstag bekommen hat – was wegen der Aufschrift unschwer zu erkennen ist. „Hässlich und zu groß, um daraus zu trinken“, lautet sein vernichtendes – und alles andere als werbewirksames – Urteil. Der Becher kam lediglich als Sammelbehälter beim Kiez-Bingo zum Einsatz. Dass er sich nun von ihm trennen will, glaubt Vrenegor, werden die Freunde bestimmt verzeihen. Ähnlich persönlich ist auch die Geschichte zu dem Buch „Coming Out – total“. Vrenegor hat das 1995 erschienene Buch tatsächlich vor seinem eigenen Coming-out gekauft – aber nie gelesen. Trotzdem, glaubt er, habe es ihm irgendwie geholfen. Alleine der 1990er-Jahre-Optik wegen ein kleines Highlight. Und irgendwie finden letztlich auch vermeintliche Ladenhüter Abnehmer. Ein kleiner Junge  etwa freut sich über die Gummischlange für zwei Euro. Vrenegor grinst: „Am Ende werde ich alles für einen Euro raushauen. Ich gucke immer den „Trödeltrupp“ auf RTL II, da machen die das genauso.“

Mehr über Cookies erfahren