Drama

„Naomis Reise“

Elena bekommt nicht frei. Die Frau, deren luxuriöses Haus sie pflegt, möchte das nicht. Also geht sie trotzdem, kratzt das letzte Geld zusammen und macht sich mit ihrer Tochter Naomi auf den Weg nach Berlin

Filmgalerie 451

Es ist kein Trip, den man leichten Herzens unternimmt: Mutter und Tochter wollen den Gerichtsverhandlungen beiwohnen, die den Mord an Mariella betreffen, Elenas Tochter, Naomis Schwester. Die war vor einigen Jahren nach Deutschland gegangen, um mit Bernd Hoffmann zusammenzuleben. Hoffmann wiederum hatte Mariella während einer Reise nach Peru kennengelernt, welche ausschließlich dem Ziel galt, eine Latina zu treffen, seinem bevorzugten „Frauentyp“.

Eines Tages fischt man eine Kiste aus einem Berliner Gewässer. In ihr befindet sich die Leiche der 28-jährigen Mariella. Dass Bernd Hoffmann für die Tat verantwortlich ist, steht außer Frage. Was im Gericht verhandelt werden muss, ist dies: Wurde aus „niederen Beweggründen“ gehandelt (Rassismus oder Habgier wären solche) oder nicht. Hier verläuft die Trennlinie zwischen „Mörder“ und „Totschläger“, welche sich im Strafmaß niederschlägt. Doch was, wenn durch einen der Gesellschaft, und damit auch der Judikative, inhärenten Rassismus die Frage nach so gar nicht mehr gestellt werden kann?

Ein derartiges, auf einer wahren Begebenheit beruhendes Verfahren, hat Frieder Schlaich in „Naomis Reise“ verfilmt, der sich an den dokumentarischen Rändern des Fiktionalen bewegt. Der Gerichtsduktus ist echt, genauso wie die im Film auftretenden Juristen. Gezeigt wird eine Wahrheitsfindung, die an sich selbst scheitert, wenn die eigene Struktur nicht angezweifelt werden darf. Oder wie es im Schlüsselgedanken des Strafverteidigers aufblitzt: Nicht die rassistische Gesinnung ist entscheidend, sondern nur, wenn sie erheblich abweicht vom deutschen gesellschaftlichen Wertesystem.

Naomis Reise D/Peru 2017, 92 Min., R: Frieder Schlaich, D: Scarlett Jaimes, Liliana Trujillo, Citlali Huezo, Miguel Valenzuela, Start: 13.9.

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