Malerei

Navine G. Khan-Dossos in der Nome Galerie

Mediale Kriegsführung: Navine G. Khan-Dossos dekonstruiert eine Zeitschrift des Islamischen Staats

Give You My Lovin’, 2013. Navine G. Khan-Dossos, 122 cm x 133 cm, Egg tempera on wood
Give You My Lovin’, 2013. Navine G. Khan-Dossos, 122 cm x 133 cm, Egg tempera on wood

Es ist in den letzten Jahren viel über die mediale Kompetenz des Islamischen Staates geschrieben worden. Dabei drehte sich der Diskurs auch um die Aneignung westlicher Kommunikationsstrategien. An dieser Stelle setzt die Arbeit „Expanding And Remaining“ der englischen Künstlerin Navine G. Kahn-Dossos an. Sie dekonstruiert die vom IS herausgegebene Propaganda Zeitschrift „Dabiq“. Seite für Seite hat Kahn-Dossos die fünfte von insgesamt fünfzehn Ausgaben in ihrem Layout analysiert und dieses in Farbflächen abstrahiert, für die sie eine begrenzte Palette von Farben nutzt: CMYK als Sinnbild für Druck und RGB für die Darstellung von Farben auf dem Computerbildschirm. Präsentiert sind die Arbeiten wie eine Magazin-Layoutskizze, aufgereiht vom Titelblatt zum Backcover. „Die Zeitung ist soweit man weiß nur als PDF erhältlich gewesen, aber das Design ist das eines gewöhnlichen Magazins, als ob man am Bildschirm darin blättern sollte“, erklärt die Künstlerin. Auch inhaltlich ist „Dabiq“ wie ein Magazin aufgebaut, samt Vorrede des Herausgebers und Werbung für andere IS-Medien. Zugleich erkennt man durch Khan-Dossos Arbeit klar das unordentliche Layout der Zeitung. Es orientiert sich zwar an internationalen Publikationen, erreicht aber bei weitem nicht deren Standards.
Neben diese vorzügliche Arbeit tritt in der Ausstellung der 2013 von der Künstlerin geschaffene Zyklus „Command : Print“, dem als Idee die Testdruckseiten von Tintenstrahldruckern zugrunde liegt. Beide Arbeiten verbindet die Idee des Drucks, einmal ganz allgemein, einmal spezifisch. Gleichzeitig kann man beide Arbeiten erst durch das konzeptionelle Gebäude wirklich voll wertschätzen.

Navine G. Khan-Dossos. Command: Print Nome Galerie, Dolziger Str. 31, Friedrichshain, bis 10.2.17, Di–Sa 15–19 Uhr, Eintritt frei

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